Bob Dollar aus Denver wird von seiner
Firma Global Pork Rind GPR in den
Panhandle geschickt. Er soll dort Landbesitzer zum Verkauf
überreden. Allerdings muß er seine Absicht verheimlichen, daß
dort Schweinemastbetriebe entstehen sollen. Bob wurde schon früh von
seinen Eltern verlassen (sie zogen nach Alaska und meldeten sich nie mahr
wieder), er wuchs bei seinem Onkel und dessen Kompagnon auf. Zur Tarnung seiner
Absichten gibt er sich als Landaufkäufer für Luxushäuser aus.
Damit startet eine Groteske. Die Bewohner in Woolybucket, wo sich Bob
niederlässt, sind stockkonservativ (man muß sich das vorstellen: die
Texaner sind durchgehend konservativ und das wird im Panhandle noch
gesteigert!), schrullig und von ihrem Land überzeugt. Sie visionieren von
der "metropolis-to be" (S. 76) und dem Potential, das im Panhandle steckt. Doch
sind die Zeichen des Verfalls im Roman deutlich zu bemerken. Jetzt schwelgt
Annie Proulx in Geschichten, die Bob Dollar im Old Dog Café erzählt
werden, von der harten aber guten, vergangenen Zeit. So trugen die Texaner
(jedenfalls um 1878) keine Unterwäsche: "Just slows you down whatever you
got in mind" (S. 80). Der Menschenschlag wird an Francis Scott Keister
exemplarisch beschrieben: "Born in Woolybucket and never left home but knows
about everything" (S. 117). Doch die Münchhausen-artigen Anektoden ziehen
sich hin, ich wartete auf den Bezug zur Rahmenhandlung. Spannend gelangen
Proulx die längere zusammenhängende Story beginnend mit Rope Butt
(Kapitel 12) und mit dem holländisch-stämmigen
Windmühlen-Reparierer. Dessen Geschäftspartner Ace Crouch wird
später Bob das Geschäft vermasseln. Bob hält derweil nur
brieflichen Kontakt zu seiner Zentrale. Seine Geschäftsinteressen verfolgt
er nur halbherzig, wenn überhaupt. Da zeigt es ihm seine Kollegin Evelyn
Chine schon, wo es lang geht (S. 226). Sie wird in der Mitarbeiterzeitschrift
von GPR groß herausgestellt, während Bob noch keinen einzigen Deal
vorweisen kann. Jetzt kommt etwas Fahrt in den betulichen Roman, der bislang
mehr an einen Gang durch ein Westernmuseum erinnerte. Bobs wahre Absichten
werden vermutet. Doch gleich kommt es schlimmer: er wird vom Sheriff gar als
Tierrechte-Aktivist eingestuft. Kollegin Evelyn flirtet heftig um zum
Verkaufsabschluß zu kommen. Da dreht die Ehefrau durch und knallt wild um
sich. Der Leser erfährt das meiste aber nur vom Hörensagen und so
verpuffen wirksame Szenen. Bob wird zermürbt und gibt auf. Die Ursache
seines Scheiterns vermutet er darin, daß er das falsche Schuhzeug trug.
In Texas sind Cowboystiefel und Hut unerläßlich. Sprachlich und
stilistisch hat mich That Old Ace in the Hole überzeugt. Annie Proulx ist lesenswert. Mir ging sie hier aber zu harmlos
und weitschweifig an die eigentliche Geschichte. Bob Dollar wird
zuwenig plastisch, er kommt zu kurz. Hier zwei Beispiele von
großartigen Szenen.
Tater Crouch gerät ob Bobs gespieltem
Interesse für die alten Tage groß in Fahrt. Bob muß, wie auf
Kohlen sitzend, zuhören und es gelingt ihm nicht, sein Thema einzubringen.
Unverrichtet zieht er von dannen. Das erinnert an Roald Dahls feine Geschichte
vom getarnten Antiquitätenhändler Cyril Boggis "Parson's Pleasure"
[Des Pfarrers Freude], dessen Clou ich nicht preisgeben möchte. (S.
245-249).
Bob Dollar will endlich mit Ace Crouch in Verhandlungen treten.
Mrs. Crouch weist ihm den Weg.
"You can find him out there. You know how to get there?"
"No, ma'am." "Let me think a minute." She looked up at the ceiling.
"Well, you drive west on the Screwbean Draw Road, know where that is? Good.
Then you go until you come to the junction with 943, then I'm pretty sure you
turn right, that's north, and go about three or four or five miles until you
hit Peeler Flats Road. Let's see. You turn right on Peeler Flats and go another
ten or twelve miles until you see a big ranch gate with five or six cow skulls
nailed on it. That's the main entrance. But you don't want a go in there. You
want the other entrance, the north entrance, so go past the main gate and bear
right at Jimmy Rim Springs Road where Powper Lane cuts in. About three miles up
Jimmy Rim there's the back turnoff onto the ranch, big green metal gate, and
that's what you want. Ace is out in what they call the Black Draw pasture. You
should be able a see his truck out there and a course you will see the
mill. You want me to write that down for you?" she asked at his confused
expression. "Please, if you don't mind." She scribbled sentences, crossed
one out, wrote again and handed him the paper. "It might be you'll turn left at
Peeler Flats." When he read the directions in the car they did not seem to
tally with what she had said. An hour later he was lost in a tangle of pale
dusty roads ... (S. 327-328) |
Der bizarre und geniale Ohrwurm (wurde 1958-59
im AFN [ AFN American
Forces Network Munich] wohl jeden zweiten Tag gespielt) "Say
Pardner" endete mit diesem Dialog:
"Say pardner, how do you get to Texas from
here?" "From here?" "Yep" "You go straight down the road about a
mile..." "Yep" "No, you go back the other way about two miles..."
"Yep" "...make a right or is it a left? You know what: you
can't get to Texas from here!" |
Cowboys &
Indians: "Say Pardner", Aufnahme: Juni 1958; Release: 21.Juli1958,
ABC-Paramount 45-9941 |