| Herman Melville: Billy Budd,
Sailor In: Billy Budd, Sailor and Other Stories. Selected and edited with an introduction by Harold Beaver. London: Penguin, 1985. S. 317-409 |
| Der 21-jährige Billy Budd wechselt
vom Schiff Rights-of-Man zum englischen Kriegsschiff Bellipotent.
Er ist ein gutaussehender, allseits beliebter Matrose. Kapitän Vere ist
zunächst im Hintergrund, hat aber Billy Budd schon zur Beförderung im
Auge. Nur derWaffenmeister John Claggart ist, aus Gründen, die der Leser
nie erfährt, dem jungen Billy nicht gesonnen. Er bezichtigt ihn beim
Kapitän des geplanten Aufruhrs. Vere läßt Billy Budd holen und
konfrontiert ihn mit der ungeheuren Beschuldigung aus dem Mund des Verleumders.
Schon zuvor gab es zahlreiche Hinweise auf Meuterei: in der englischen Flotte
ereignete sich kurz zuvor ein Meutereifall (Billy Budd spielt während den
Napoleonischen Kriege 1797); Billy sollte schon in ein Komplott eingeweiht
werden: entzog sich aber; unter Druck hat Billy Sprachschwierigkeiten. So ist
es auch in der entscheidenden Szene der drei Protagonisten in den Räumen
des Kapitäns. Billy Budd findet keine Worte, stattdessen schnellt seine
Faust hervor und ... Der Rest der Geschichte sei hier nicht verraten. |
| Nachdem Melville in
zahlreichen, teilweise abschweifenden Kapiteln den "Fall" (in zweierlei
Bedeutung) vorbereitet hat, kommt er dann endlich zur Sache und es wird
spannend. Schließlich endet der kurze Roman in einem gewichtigen
ethischen Problem. Wie von Moby Dick bekannt, zieht Melville auch in Billy Budd viele Fäden zur Bibel. Die Namen sind alle mit bedacht gewählt. So verläßt Billy zu Beginn nicht ohne Hintergedanken des Autors die Rights-of-Man. Die langsame Hinführung auf die eigentliche Geschichte wird wettgemacht durch Melvilles wort- und metaphernreichen Stil. So beschreibt er Billys Gesichtsfarbe so: "The bonfire in his heart made luminous the rose-tan in his cheek" (Kap. 12). |
| Stil und die gesamte Problematik des Kurzromans entschädigen für die lange "Einleitung" mit Ballast für den heutigen Leser. Melvilles kunstvolle Konstruktion drängt zum Wiederlesen. Sehr lesenswert. |