| Jonathan
Franzen: Die Korrekturen [The Corrections]. Bettina Abarbanell, Übs.. Reinbek: Rowohlt, 2003. Broschiert, 780 Seiten |
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| Gelingt es der alternden Enid Lambert,
ihre drei erwachsenen Kinder Denise, Gary und Chip (an der Ostküste der
USA lebend) zu einem Weihnachtsfest in trauter Famienrunde nach St. Jude,
Mittlerer Westen, zu locken? An dieser banalen Frage hängt Jonathan Franzen einen breit angelegten und großartigen Familienroman auf. Denise, Gary und Chip mit Partnern und Kindern werden beleuchtet und es wird ihnen heimgeleuchtet. Über allen schweben die beiden Elternteile: die wahnvolle Enid und ihr Gatte Alfred, eigensinnig, an Parkinson und seiner Gattin leidend. Die Hintergrundfrage ist: sind hinter den aufgetürmten Lebensfassaden Korrekturen möglich, sind sie überhaupt nötig? Vordergründig ist, wie man es bei US-Amerikanern gewohnt ist, alles eitel Sonnenschein: "Eher wäre sie [Enid] gestorben, als zuzugeben, dass ihre eigenen Kinder sie enttäuschten" (S. 414). Doch Franzen lässt den Lack absplittern. Noch mehr als die Freilegung der bröckelnden Lebenssituationen brilliert Franzen in seiner Charakterdarstellung. Unaufdringlich erstehen alle Romanfiguren plastisch vorm Leser. Die Einstellungen der fünf Protagonisten erscheinen so typisch ("... in Alfreds Augen war das einzige Problem an der Todesstrafe, dass sie nicht oft genug angewendet wurde", S. 183), daß man sich frägt: bedient Franzen nur gängige Klischees? Das gilt für die USA, aber auch für Litauen und Deutschland.
Dabei ist der Wermutstropfen: will Franzen normale oder exzentrische US-Bürger zeigen? Die Lamberts sind ja alle gehobener Mittelstand. Da wandern die fünfstelligen Dollarsummen umher, Denise hat zeitweise ein Feinschmeckerlokal, in dem für den normalen US-Bürger bereits der Aperitif zu teuer ist. Angenehm empfand ich bei der Lektüre, daß Franzen nie aufdringlich komisch oder moralisch wird (abgesehen von den genannten, eher seltenen Längen). Er überläßt es dem Leser beispielsweise die Komik und den Zusammenhang zu entdecken, wenn er die Reparatur eines defekten Atomreaktors, Typ Tschernobyl, in Litauen mit Taschenlampe und bei Kerzenlicht schildert (S. 621 f) und gleich anschließend Alfreds Kampf mit der defekten Lichterkette für den Weihnachtsbaum ( S. 635 f). Ein hervorragend guter Roman; ob er seine Zeit überdauert wird sich erweisen. |
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| Schiffsarzt Mather Hibbard zum
Tod "Ich weiß nicht, wie es sein wird, nicht mehr ich zu sein. Aber ich verrate Ihnen was. Wenn »ich« nicht mehr da bin, um den Unterschied zu bemerken, was kümmert es »mich« dann? Tot zu sein ist nur ein Problem, wenn man weiß, dass man tot ist, was nie der Fall sein wird, schließlich ist man ja tot!" (S. 447). Vergleiche dazu |
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| Erdkunde mit
Alfred Lambert "Wir waren in Bulgarien", sagte Alfred. "Usbekistan kenne ich nicht, aber in China waren wir auch. Soweit ich es von der Eisenbahn aus sehen konnte, würde ich also, wenn es nach mir ginge, würde ich alles abreißen. Abreißen und nochmal von vorn anfangen" (S. 457). |
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| »suverähn« und
»souverän« Die Übersetzerin griff bei »matoor« (Slang für »mature«) zu »suverähn« (beispielsweise S. 205, letztes Wort). Doch mindestens einmal (ich habe es leider nicht notiert) kam »suverähn« auch ausserhalb direkter Rede vor. Das Erstaunliche war eher, daß manche Leser, die ich dazu befragte, die eigentümliche Schreibweise nicht registrierten. Vergleiche |
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