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Griesemer
John Griesemer: No One Thinks of Greenland
[Niemand denkt an Grönland Übs. Ingo Herzke]. London: Black Swan, 2002. Broschiert, 365 Seiten
In den Werbeankündigungen als Nachfolger von Catch-22 (griesemer Rezension) gepriesen, Griesemers Nachfolgewerk Rausch [Signal & Noise] von Elke Heidenreich gepriesen, schraubten die Erwartungen hoch. Sie wurden enttäuscht. Doch, halt, weiterlesen! Wer mit einem Jahrhundertroman wie Joseph Hellers Catch-22 verglichen wird, dessen Trauben hängen hoch.
Rudy Spruance, Corporal der US-Army, liegt nach einem Stechmückenüberfall völlig zerstochen in der Lazarettabteilung des US-Stützpunkts in Qangattarsa, Grönland. Erst allmählich wird ihm klar, daß es sich wohl um ein geheimes Militärlazarett der US-Army aus dem Koreakrieg handelt. Doch der liegt 1959, dem Zeitpunkt des Romans bereits sechs Jahre zurück.
Koreakrieg zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nord-Korea) einerseits und der Republik Korea (Süd-Korea) sowie einer Streitmacht der UN andererseits (1950-53); mit starker Beteiligung der USA unter dem General MacArthur 1950-51 und unter General Ridgway. Der 38. Breitengrad wurde im Waffenstillstand von Panmunjom 1953 erneut zur Trennungslinie.
Gleich zu Beginn klärt eine Krankenschwester Rudy auf: "War is hell ... And we're what's next" (S. 23). Das gilt insbesonder für die Abteilung für Schwerstverletzte, "The Wing" genannt. Rudy wird mit der Herausgabe einer Soldatenzeitung beauftragt, bekommt Zugang zu "The Wing", die ihm später wieder entzogen wird. Dort wird er mit einem geheimnisvollen Kranken, Guy X, bekannt; sie lesen zusammen Gedichte von Walt Whitman (31.5.1819 West Hills, bei Huntington, New York – 26.3.1892 Camden, New Jersey). Weder ihm noch mir als Leser wurde klar, was genau abläuft. Rudy beginnt ein Techtelmechtel mit Sergeant Irene Teal, die eigentlich Geliebte des Colonel Lane Woolwrap ist. Ein Eisbärangriff, ein Saufgelage und kurze Begegnungen mit den Eskimos lockern den Roman auf.
Die wenigen und kurzen Erwähnungen von Pophits der Fünfziger reißen den Roman nicht heraus. Immerhin hören die GIs unter anderem das überragende "I Cried a Tear" von LaVern Baker (S. 265, vergleiche Platz 3 in griesemer Herberts Top 20) und "All American Boy" von Bill Parson (S. 267, aka Bobby Bare). "Alley Oop" (The Hollywood Argyles; siehe "... und es folgen" in griesemer Herberts Top 20) wird zum geflügelten Wort.
griesemer Anfang
Leider beantwortet Griesemer keine der Fragen, die bei der Lektüre auftauchen: Warum ist Rudy in Qangattarsa? Warum die anderen? Warum thematisiert keiner der Mitwirkenden im Roman diese Fragen oder die Frage, wann sie wieder in die Zivilisation zurück können? Nur einmal gibt es darüber eine Diskussion zwischen Rudy und Colonel Woolwrap, bei der ich aber nicht den Eindruck gewann, daß Rudy gerne weg möchte.
John Griesemer gelingt es nicht – abgesehen von wenigen Momenten – eine Spannung aufzubauen. Die Personen und die Handlung ließ mich merkwürdig kalt.
Stilistisch wechselt der Autor zwischen
klangvollen poetischen Absätzen ... und
knapp beschreibenden Sätzen.
His face filled the little round glass. There were pink welts everywhere, bites upon bites upon bites. Some places were so bitten they looked pulpy. His eyelids looked punched. His cheeks pushed his mouth into a pucker and his lips bulged. S. 26 Rudy walked quietly up the aisle. Then he stopped. Someone was with one of the patients. They were in shadow, but Rudy could tell they weren't changing tubes or dressing wounds. S. 193

No One Thinks of Greenland hinterließ bei mir nicht den Eindruck, daß ich von Griesemer noch etwas lesen müßte. Die Vergleiche mit Joseph Heller: Catch-22 (griesemer Rezension) und Franz Kafka: Das Schloß stammen wohl von einem Werbefachmann, der keinen der beiden hervorragenden Romane gelesen hat. Zum folgenden Vergleich Hendrik Werners mit griesemer Heart of Darkness: Na ja.
"...Kommandant Woolwrap, dessen schleichender Wahnsinn ebenso den höllischen Reminiszenzen an einen Krieg geschuldet ist wie jener eines gewissen Kurtz in Conrads »Heart of Darkness«."
Hendrik Werner: "Das weiße Herz der Finsternis" über John Griesemer: Niemand denkt an Grönland,
griesemerDie Welt, 31. Dezember 2004
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griesemer   griesemer John Griesemer: No One Thinks of Greenland. London: Black Swan, 2002. Broschiert, 365 Seiten griesemer
John Griesemer: No One Thinks of Greenland. Picador USA, 2002. Broschiert, 320 Seiten griesemer
griesemer   griesemerJohn Griesemer: No One Thinks of Greenland. Picador USA, 2001. Gebunden, 352 Seiten griesemer
John Griesemer: Niemand denkt an Grönland Marebuchverlag, 2004. Übs. Ingo Herzke, Gebunden griesemer
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 31.3.2005