| Carson McCullers: The Heart is a Lonely
Hunter London: Penguin, 1961. [1940] 311 Seiten Film Links Literatur Zitate |
| In einer ungenannten Kleinstadt ( ca.
30.000 Einwohner, S. 57) des amerikanischen Südens leben die Leute
für sich hin. Zwischen ihnen sind selbst gezogene Schranken, die es
verhindern, dass sie ihre Sehnsucht nach Beziehungen ausleben können. Im
32-jährigen taubstummen John Singer finden sie einen
Kristallisationspunkt. McCullers läßt sehr viele Personen mitwirken, doch hebt sie fünf besonders hervor, einige besetzen den mittleren Erzählraum und viele spielen kleine Nebenrollen. Neben dem erwähnten Mr. Singer (der Name widerspricht seiner Behinderung) sind es. Mick Kelly, zu Beginn 12-jähriges Mädchen, das die Schule vorzeitig beendet um Geld zu verdienen; sie träumt von einem Leben mit Musik; als sie Beethovens 3. aus einem Radio hört, ist sie hingerissen. Jake Blount, ein aggressiver, dem Alkohol nicht abgeneigter Arbeiter Dr. Benedict Copeland, Afro-Amerikaner, Arzt Biff Brannon, Kneipenbesitzer. Zumindest die ersten drei Hauptpersonen zieht es zu John Singer, der ihnen aufgrund seiner Behinderung scheinbar immer zuhört. Singer allerdings interessiert sich nicht so sonderlich dafür. Er hat eine besondere Beziehung zum zweiten taubstummen Spiros Antonapoulos. Dieser verändert nach zehnjährigem Zusammenleben mit John sein Verhalten krankhaft und wird in ein entferntes Sanatorium eingeliefert. John Singer opfert Geld und Zeit um ihn alle halbe Jahre zu besuchen. Durch geschickten Wechsel der Erzählperspektive rückt immer eine andere Hauptperson in die Aufmerksamkeit des Lesers. Unaufdringlich gelingt es der Autorin auch politische Bezüge einzuflechten. Der jüdische Bub Harry Minowitz spürt antisemitische Haltungen, die schon den Kindern (noch unbewußt, doch so etwas schleift sich ein) von Lippen gehen: "She [Mick] was glad to see him [Harry]. For a joke she threw up her arm and hollered to him, 'Heil!'" (S. 144). Als typisch US-amerikanisch empfand ich die Szene, in der das Kind Bubber Kelly mit dem Gewehr hantiert und Baby Wilson in den Kopf schießt (S. 148 ff). Baby schwebt in Lebensgefahr. Mrs. Wilson hat nichts Wichtigeres zu tun: sie rechnet den Eltern Bubbers am selben Tag noch ihre Kostenansprüche vor (S. 154-155). Die Diskussion des ungeheuerlichen Vorfalls verebbt; der Leser erfährt nur noch, dass die mittelständische Familie aufgrund der Zahlungen verarmt. Keine Diskussion woher Gewehr und Munition; warum Bubber damit herumspielen konnte; welche Schäden Baby davonträgt. |
| Irrte hier die Autorin? Biff sammelt und stapelt Tageszeitungen seit dem 27. Oktober 1918 (S. 119) ohne Unterbrechung 21 Jahre (S. 24). Trotzdem spielt der Roman im Frühjahr 1938 bis August 1939; vergleiche Dienstag 18. Juli, auf S. 283, passt für 1939; ebenso die Bezüge zu Faschisten und Hitler. !?! |
Spiros Antonapoulos † John Singer † Mick Kelly: Schulabbruch Jake Blount: muß die Stadt verlassen Dr. Benedict Copeland: vom Sheriff verprügelt, flüchtet auf eine Farm; von der TBC gezeichnet Biff Brannon: kommt vielleicht noch am besten weg; seine ungeliebte Frau Alice: † Willie Copeland: Füße amputiert Harry Minkowitz: geflüchtet |
| "To me the most
impressive aspect of The Heart Is a Lonely Hunter is the astonishing
humanity that enables a white writer, for the first time in Southern fiction,
to handle Negro characters with as much ease and justice as those of her own
race." Richard Wright, "Inner Landscape" 1940, |
John Singer wird seiner Integrationsrolle nicht gerecht. Er ist der Beichtvater für die anderen, ohne ihnen wirklich zuzuhören. er versteht sie nicht. Die zu ihm aufgebauten Beziehungen sind einseitig, da John auf Spiros fixiert ist. Mir kam Singer durchsichtig vor. McCullers benennt ihn vorwiegend mit dem Familiennamen (wie Dr. Copeland, aber ungleich Mick, Jake, Willie, Portia, ...). Während des Lesens fand ich ihn überhöht, ohne Makel. Carson McCullers wollte ihm genau diese engelgleiche Rolle geben. Dadurch erhält aber Singer (und wohl auch der Roman) einen kitschigen Beiklang. "He had an icebox in the closet where he kept bottles of cold beer and fruit drinks. He was never busy or in a hurry. And always he met his guests at the door with a welcome smile" (S. 83). Mit diesen Lobeshymnen auf Singers Freundlichkeit geht es einige Absätze weiter. |
| The Heart Is a Lonely Hunter ist ein gelungener Debütroman. Anhand typisch US-amerikanischer Themen werden die immer aktuellen Probleme zwischenmenschlicher Beziehungen angesprochen. |
| Verfilmung The Heart Is a Lonely Hunter, USA 1968, mit Alan Arkin, Regie: Robert Ellis Miller |
| Links Rezensionen: Rezensionen deutsch: Carson McCullers, deutsch: |
| Literatur Kindlers Literatur Lexikon, S. 4310-4311 |
||
| Bei Amazon nachschauen | Bei Amazon nachschauen | |
![]() |
![]() |
|
| Carson McCullers: The Heart is a
Lonely Hunter. London: Penguin, 2001. Broschiert, 320 Seiten
|
||
![]() |
![]() |
|
| Carson McCullers: Das Herz ist
ein einsamer Jäger. Zürich: Diogenes, Januar 2002. Broschiert
|
||