| Lily Brett: Einfach so [Just Like That]. Wien: Deuticke , 1998. 446 Seiten. Anne Lösch, Übs. |
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| Esther Zepler, 41 Jahre, lebt mit ihrem
Mann Sean einfach so in New York. Sie schreibt Nachrufe für mehrere
Zeitungen, Sean ist Maler, der versucht seine Bilder in der New Yorker
Kunstszene unterzubringen. Die Töchter Kate und Zelda und der Sohn Zachery
sind erwachsen. Während einiger Monate verfolgt der Leser den Alltag der
verstreuten jüdischen Familie Esthers, die wohl der Upper-Middle-Class
zuzurechnen ist. Dabei folgt Esther, zumindest was die äusseren
Umstände betrifft, ziemlich genau der Biografie der Autorin ( |
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| Zwei
Hauptthemen stehen im Vordergrund Esthers Eltern haben den Holocaust überlebt. Die Tochter sieht vieles vor diesem Hintergrund. Während die Überlebenden selbst darüber oft nicht sprechen konnten, sind die Schrecken des Ghetto von Lodz und von Auschwitz bei Esther präsent. Da neigt Lily-Esther zu Übertreibungen, wenn sie die gegenwärtige Situation in Deutschland besonders antisemitisch beschreibt und dies als regierungsgewollt hinstellt. Die bekannten Entgleisungen der Bundesrepublik nach dem Krieg (Hans-Joachim Sewering, S. 423; siehe Hervorragend charakterisiert Lily Brett die New Yorker, als Prototyp der US-Amerikaner (soweit das für Esthers Klasse und allgemein gilt). Sie sind immer beschäftigt und mit Terminen eingedeckt. Wenn man sich die US-Amerikaner als unkompliziert und pragmatisch vorstellte, so muß man das korrigieren. Es stimmt nur teilweise. Bei der Lektüre lernt man den komplizierten Verhaltenskodex kennen. Wer meint das "gehenzulassen" einüben zu müssen (S. 194), liegt wohl falsch. "Jeder hat auf alles die passende Antwort" (S. 373). Das gelingt nur, da Rede und Handlung oft auseinanderklaffen.
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| Charakterisierungen und Stil Trotz des episodenhaften Romans gelingen zwei Charaktere besonders gut: Esthers Vater Edek und ihre Freundin Sonia Kaufman. Der eigenwillige Vater blieb in Australien zurück, läßt sich dann aber doch überreden nach New York zu ziehen. Er erinnerte mich an Antonio, den italienischen Vater in Jan Weiler: Maria, ihm schmeckt's nicht! ( Sonia erzählt Esther alles, wirklich alles. Bei diesen Themen über alle Körperschleime hatte ich den Eindruck, dass die Übersetzerin Anne Lösch (alle anderen Klippen wie australischen versus US-amerikanischen Dialekt, Anspielungen, die nur im Englischen verständlich sind, kriegt sie wunderbar hin) zu oft "shit" nur mit "Scheisse" übersetzte, obwohl dafür im Deutschen oft "Mist", "verflixt" oder "Krampf" stehen kann. Nur ein Beispiel: Sonia und Esther beim Lunch. Sonia zu Esther: "Du ißt die Scheiße, die gerade angesagt ist ..." (S. 274). Hier wäre doch "den Fraß" angemessener, oder (unterstellt, im Original steht "shit")? Ein Episodenroman mit nur zwei Entwicklungen (Edeks Umzug und Sonias Schwangerschaft) wird schnell ausgelatscht. So auch hier. Der schon erwähnte Jan Weiler macht nach 250 Seiten Schluß, Lily Brett setzt noch 200 Seiten drauf. Dass für die New Yorker upper middle class belangloser Quatsch im Lebensmittelpunkt steht und sie darüber endlos reden, wußte ich vor der Lektüre, es wurde mir hier auf zugegeben heitere, lockere Art bestätigt. Aber empfindsam zu lang. Zudem störten mich Esthers häufige Fäkalien-Assoziationen. Sie gibt sich zwar immer distanziert dazu (wie jemand, der Pornos anschaut und "Igitt, igitt! Mit diesem Schmuddelkram will ich nichts zu tun haben!" ruft), aber ich will nicht seitenweise über Sperma und Scheisse lesen (und dies geht nicht aufs Konto der Übersetzerin). Auf Anraten ihrer Analytikerin will sie sich statt der Fäkalsprache "auf die sexuellen Aspekte ihrer Genitalien konzentrieren" (S. 193). Ich finde: keine angemessene Problemlösung. Es gelingt Esther aber nicht. "Sie schien sehr viel Lebenszeit damit zu verbringen, über Scheiße zu reden" (S. 364). Das trifft es und der Leser verbringt sehr viel Lebenszeit damit dies zu lesen. Stilistisch eintönig sind die Verben des Sprechens. Lily Brett verwendet "sagen" immer, auch bei Fragen. Ich zählte auf S. 167 (zufällig ausgewählt) 16 Mal "sagte" und null Mal irgendein anderes Verb wie "fragte", "flüsterte", "meinte", "sprach", "rief" ... Esthers Hass auf alles Deutsche ist fünfzig Jahre nach Kriegsende reichlich anachronistisch und zeigt einen Nationalismus mit rassistischen Zügen. |
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| Zusammenfassung | |
| Lily Brett stellt die beiden Hauptthemen (Wie lebt die Generation nach dem Holocaust? Wie ist das Verhalten der New Yorker einzuordnen?) in vielen kleinen Begebenheiten ausgezeichnet dar. Leider dehnt sie dazu den Small Talk der Belanglosigkeiten, oft in Fäkalien und Sex abgleitend, auf 446 Seiten aus. | |
| Lily Brett | |
| hat mit Esther einiges gemeinsam. Sie
wurde 1946 als Luba Brajsztajn im oberbayerischen DP-Lager Feldafing geboren.
Ihre Eltern heirateten im Ghetto von Lodz und wurden ins KZ Auschwitz
transportiert, dort getrennt und fanden sich erst nach zwölf Monaten
wieder. 1948 übersiedelte die Familie nach Australien. Lily Brett arbeitet
zunächst als Journalistin. Heute lebt sie als Autorin und Kolumnistin in
New York. Sie ist mit dem Maler David Rankin verheiratet. Einfach so
erschien als Lily Bretts erster Roman 1994. |
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| Selbstentlastung An kritische Studenten/-innen der Amerikanischen Literaturgeschichte: in den Münchner Bibliotheken war keine Originalausgabe von Just Like That verfügbar. Bevor ich die Fernleihe bemühte, las ich die deutsche Übersetzung. |
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| Links | |
| Literatur |
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| Lily Brett: Just Like That.
Andre Deutsch, 1995. Gebunden, 416 Seiten
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