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Lightman
Alan Lightman: Einstein's Dreams
[Und immer wieder die Zeit. Einstein's Dreams]. New York: Time Warner 1994. 179 Seiten – Lightman Literatur
Vier kurze Stücke (Prolog und Zwischenstücke) zeigen uns den Forscher Albert Einstein zusammen mit Michele Besso, einem Kollegen und Ingenieur aus dem Patentamt in Bern, im Frühjahr 1905. Einstein forschte zu dieser Zeit an der Brownschen Bewegung und legte damit die Grundlagen für die spezielle Relativitätstheorie. Als er im Mai 1905 erfolgreich war, soll er seinem Freund Besso zugerufen haben: „Ich danke dir, ich habe mein Problem vollständig gelöst!“ Lightman zeigt uns die beiden aber nur in Alltagssituationen: Einstein als der traumverlorene, alltagsabgewandte Denker und sein Freund Besso, der versucht ihn an die Wirklichkeit zu binden und ihn beispielsweise zum Angeln auf der Aare begleitet. Das wird zur skurrilen Groteske. Einstein fängt nie etwas in der Mitte des Flusses. Doch als Besso vorschlägt näher an das Schilfufer zu fahren und es dort zu versuchen, meint Einstein laakonisch: "Never caught anything there, either" (S. 146).
In dreißig kleinen Beschreibungen – Einsteins Träume – zeigt Lightman Universien mit verschiedenen Konzepten der Zeit. Sie verläuft einmal zyklisch, einmal rückwärts, ein ander Mal läuft alles chaotisch ab. Das ist zwar nett und einfallsreich ausgedacht, aber mehr als ein kurze Anregung bieten die Minaturen nicht.
Lightman hat die möglichen Welten auch nicht konsequent zu Ende gedacht (das läßt sich kaum verwirklichen. In eine akausalen Welt kann eine junge Frau nicht jeden Sonntag in den Botanischen garten gehen um den Blumenduft zu geniessen (S. 40). Der Duft wäre mal da und andermal wäre nichts oder es stinkt.
In einer Welt mit Menschen ohne Gedächtnis schauen bei Lightman die Leute im Adressbuch nach, wo sie wohnen (sie haben es ja vergessen) (S. 80). Selbstverständlich hätten sie auch die Funktion eines Adressbuchs vergessen.
Die Überlegungen zu einer Welt mit ewigem Leben (S. 117ff) sind amüsant. Die große Frage, die sich mir dabei stellt (und die Lightman höchstens streift) ist: wäre das erstrebenswert oder sterbens[!]langweilig. Nach einer gewissen Zeit hätte man alles zum millionsten Mal gemacht (Hochriesbesteigung; Beethovens Neunte; Odyssee gelesen; ...). Helfen würde nur, wenn man vieles wieder vergessen würde: dann könnte man alles ewig wiederholen. Siehe dazu lightman Library of Babel – Bibliothek von Babel.
Je mehr uns Lightman in bizarre Welten entführt, desto mehr merkt man: so schlecht ist unsere Welt nicht; vielleicht leben wir doch in der bestmöglichen.
Ein kleiner humorvolles Augenzwinkern des Autors ließ ihn alle Zeit-Variationen mit genauen Tagesdatum belegen. Die dreißig Träume reichen vom 14. April bis zum 28. Juni 1905.
Das Werk wird teils überschwenglich gelobt, teils sehr mässig bewertet. Ich vermute, wer sich selten bis nie alternative Welten ausgemalt hat, wird von Lightmans Fantasie fasziniert. Der Philosoph arbeitet viel mit Gedankenexperimenten und argumentiert oft mittels einer Möglichen Welten-Semantik. Diesen überraschen Lightmans Szenarien somit nicht. Er bemerkt eher (wie oben vereinzelt ausgeführt), wo Lightman nicht konsequent genug seine jeweilige Zeit-Idee ausgemalt hat.
Einstein's Dreams wird als Roman verkauft. Es sind 30 aneinandergereihte Essays, dazwischen die vier kurzen Situationsbeschreibungen von Einstein und Besso; "Roman" bestreite ich.
Alternativ oder zusätzlich zwei Werke von Michael Hauskeller, siehe hauskeller Literatur.
Bei diesem Buch scheiden sich mal wieder die Geister. Die Amateurkritiken bei amazon vergeben fast durchweg 5 Sterne (höchstes Lob), nur wenige 4-Sterne sind dabei und vereinzelt wird 1 Stern vergeben. Ich würde zu den vereinzelten gehören. Das Büchlein ist gut ausgedacht, aber mehr nicht.
Links
LightmanRobert Birnbaum: Interview: Alan Lightman Author of Einstein's Dreams and The Diagnosis
LightmanAlan Lightman (2003) Author of Reunion talks with Robert Birnbaum
Literatur
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lightman   LightmanAlan Lightman: Einstein's Dreams. New York: Time Warner 2004. Broschiert, 179 Seiten Lightman
Alan Lightman: Und immer wieder die Zeit. Einstein's Dreams Droemer/Knaur 2004. Broschiert, 206 Seiten Lightman
Hauskeller Lightman Michael Hauskeller: Ich denke, aber bin ich? Phantastische Reisen durch die Philosophie. München: Beck, 2003. Broschiert, 140 Seiten Hauskeller
Michael Hauskeller: Mögliche Welten. Neue phantastische Reisen durch die Philosophie. München: Beck, 2006. Broschiert, 152 Seiten Lightman
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 14.7.2006