| Siri Hustvedt: What I Loved [Was ich liebte].London: Sceptre, 2003. 370 Seiten |
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| Leo Hertzberg, Professor für
Kunstgeschichte, 70 Jahre alt, erzählt im Rückblick 25 Jahre im Leben
von zwei befreundeten Ehepaaren mit je einem Sohn Matthew und Mark. Leo und
seine Frau Erica sind Universitätslehrer. Bill Wechsler ist Künstler,
genauer wohl Maler. Er ist mit Lucille verheiratet, sie trennen sich und zu
Bill zieht Violet. Der Rückblick setzt 1977 in New York im
Künstlerviertel SoHo (Akronym für SOuth of Houston
[nicht wie die texanische Stadt ausgesprochen sondern wie: "how-stun"] Street;
Stadtteil im Viertel im südlichen Manhattan; siehe |
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| Charaktere Die vier Hauptpersonen sind Leo, Bill, Violet und Mark. Leider werden Lucille und Erica und zu bald an den Rand geschoben, Dan (Bills Bruder) ist es durchwegs. Dafür kann die Autorin die vier Genannten hervorragend und glaubhaft darstellen. Auch die schwierige Persönlichkeit des heranwachsenden Marks charkterisiert Hustvedt gut. Sie lässt es lange in der Schwebe ein Reiz des Romans was dahintersteckt: Kalkül, Persönlichkeitsstörung, behandlungswürdige Krankheit, oder doch nur dumme Zufälle? Die Begründung für Marks Verhalten wird mehrfach genannt (Liebesbedürfnis, S. 238; vermeintlicher Liebesentzug durch Bills Wechsel zu Violet, S. 244). Angelpunkt scheint mir Marks fehlende Einsicht in sein Fehlverhalten ist. Woher dies kommt ist eine andere Frage. Bills Frauenwechsel scheint ein Vorbild für Betrügereien zu sein. Bill macht es sich lange nicht klar, dass er damit seinen Sohn belogen hat. |
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| Themen Hustvedt gelingt es mir ihrer Personenkonstellation und dem Handlungsverlauf reichlich Diskussionsthemen anzubieten. Ich fand es gut, dass sie dabei nie essayistische oder gar belehrende Abschnitte einfügte. Eine kleine Auswahl:
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| Struktur und Bewertung Der Teil 1 zieht sich zu lange. Obwohl What I Loved hier in manchem Philip Roths Amerikanisches Idyll gleicht und ich dieses nicht berauschend las (siehe Wer sich für die Kunstszene New Yorks oder für das Umfeld von Kunstgallerien und Ausstellung interessiert kommt wohl auf seine Kosten. Auch der Goya-Fan (siehe Für andere Leser zieht die Autorin erst mit dem Ende dieses ersten Teils den Spannungsriemen an. Da kündigt sie in wenigen Abschiedsabsätzen die Tragödie zu Beginn des zweiten Teils an. Der dritte Teil geht dann - nach anscheinend kundigen Rezensenten in Richtung American Psycho (siehe Nur einmal freilich (wenn ich nichts überlesen habe) wurde Hustvedt kitschig: als Leo auf Marks Turnschuhe blickt, sieht er kleine Tränenpfützen zwischen den Schnüren und Zehen (S. 267). Mir kamen da keine Tränen sondern eher ein abfälliges Gesichtszucken. Da Leo Hertzberg im Rückblick den Ablauf der 25 Jahre kennt und es seinem Naturell entspricht, erzählt er unaufgeregt. Dabei erinnerte er mich an Somerset Maugham. Auch dieser berichtet oft aus ähnlichen Gesellschaftskreisen und distanziert. Siri Hustvedt ist näher dran an ihren Akteuren. Die Bösen (Teddy Giles, Journalist Henry Hasseborg) und die Guten (Bill, Violet, Leo) sind zu kontrastiert. Das wird durch Lucille und Erica nicht gemildert, weil diese nicht herausgearbeitet werden. Das Böse und das Gute kämpft um Mark. Die Autorin erklärte in Interviews, dass es für sie schwierig war, in die männliche Rolle zu schlüpfen: I knew I was going to write it as a man. That was a technical difficulty that I decided on very consciously ("Siri Hustvedt. Author of What I Loved talks with Robert Birnbaum", siehe Das Abschlußgemurmel X lebt jetzt in Y und ermacht das und manchmal dies hätte sich die Autorin sparen können. Am Ende bleiben mit Violet und Leo die beiden Personen, die wohl am ehesten Siri Hustvedt und Paul Auster entsprechen. |
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| Fazit | |
| Siri Hustvedt zeigt ein amerikanisches
Idyll mit Brüchen und Rissen. Was Paula Fox in Desperate Characters
(siehe
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| Vergleichsliteratur | |
| Bret Easton Ellis: American Psycho [American Psycho]
Edward Morgan Forster: Wiedersehen in Howards End [Howards End] Paula Fox: Was am Ende bleibt [Desperate Characters] Johann Wolfgang von Goethe: Wahlverwandschaften Vieles von Philip Roth: Amerikanisches Idyll [American Pastoral] Zadie Smith: Von der Schönheit [On Beauty] |
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| Siri Hustvedt | |
| * 19.2.1955, Northfield, Minnesota
B.A. in Geschichte, St. Olaf College, Northfield, Minnesota; Ph.D. in Englisch, Columbia University, New York City Frau Hustvedt lebt mit ihrem Mann Paul Auster in New York City . Siri Hustvedt lobt die Präsenz der Kultur und besonders der Literatur in Deutschland:
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| Unter Siri Hustvedts 100 Lieblingsbücher sind | |
| Charlotte Bronte: Jane Eyre Emily Bronte: Wuthering Heights (Sturmhöhe) Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, daraus Eine Liebe von Swann, Fjodor Dostojewskij: Verbrechen und Strafe, George Eliot: Middlemarch (Middlemarch. Eine Studie des Provinzlebens) Henry James: The Turn of the Screw (Schraubendrehungen / Die Teuflischen / Das Geheimnis von Bly / Das Durchdrehen der Schraube) Charles Dickens: Bleak House (Bleakhaus) Cervantes: Don Quixote Emily Dickinson: Collected Poems (Gesammelte Gedichte), siehe F. Scott Fitzgerald: The Great Gatsby [Der große Gatsby], Sigmund Freud: Die Traumdeutung Flann O'Brien: At Swim-Two-Birds (Auf Schwimmen-zwei-Vögel oder Sweeny auf den Bäumen) Italo Svevo: Zenos Gewissen Anthony Trollope: The Eustace Diamonds |
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| Siri Hustvedt: Was ich liebte.
Reinbek: Rowohlt, 2005. Uli Aumüller, Erica Fischer, Grete Osterwald,
Übs. Gebunden, 476 Seiten
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| Siri Hustvedt: What I Loved.
Sceptre, 2003. Broschiert, 384 Seiten
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