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Krauss
Nicole Krauss: The History of Love
[deutsch: Die Geschichte der Liebe - Grete Osterwald, Übs.]. London: Penguin, 2006. Taschenbuch, 385 Seiten
KraussLiteratur

Der alte Leo Gursky sorgt sich in einer New Yorker Wohnung über sein Lebensende. Er will nicht unbeachtet sterben. Sein Freund aus Slonim, Polen, aus dem sie über verschiedene Stationen emigrierten, wohnt über ihn. Sie haben ein skurriles Kommunikationssystrem vereinbart.
Leo hatte noch in Polen den autobiografischen Roman "Die Geschichte der Liebe" geschrieben.
Alma Singer, eine junge in den USAgeborene Jüdin, bemerkt, dass ihre Mutter ein Buch übersetzt. Es ist die verschollene Gesichte der Libe, die über Chile nun in Spanisch vorliegt. Alma beschliesst nach der dortigen Hauptfigur Alma Mereminski zu forschen (Erinnerungen an den fruchtlosen Forschungen in Everything is Illuminated, vom Ehemann der Autorin Jonathan Safran Foer werden wach; Krauss Rezension; auch in Foers Folgeroman Extremely Loud and Incredibly Close wird fleissig gesucht; nach einem "Black" in New York City; das is wie wenn jemand in Bayern einen bestimmten Huber suchen würde). Ab hier springt der Roman zeitlich und und erzählperspektivisch munter hin und her. Das wird so überzogen, dass ich oft nicht wußte, wer jetzt das "Ich" ist. Der Wirrwarr wurde verstärkt, da auch aus der The History of Love erzählt wird und darin wieder ein Geschichte auftaucht ... Oder? Ein Gesamtbild ergab sich nur ansatzweise. Bezeichnend dafür ist der Dialog zwischen Alma Singer und ihrer Mutter.
"The History of Love starts when Alma is ten, right?" I said. My mother looked up and nodded. "Well how old is she when it ends?" "It's hard to say. There are so many Almas in the book." "How old is the oldest?" "Not very. Maybe twenty." "So the book ends when Alma is only twenty?" "In a way. But it's more complicated than that. She isn't even mentioned in some chapters. And the whole sense of time and history in the book is very loose."  (S. 272)
Auf den letzten fünfzig Seiten geht Nicole Krauss ins Delirium über. Alma Singer hat im Central Park eine Verabredung mit Leo Gursky, der aus sich Warten lässt. Auf den letzten Seiten steigert Krauss den Irrsinn.
A man walked past.
Excuse me, I called to him.
Yes? he said.
Is someone sitting next to me?
The man looked confused. (S. 383)
Genauso verwirrt und verärgert schloß ich das Buch.
Einige Rezensenten machte die fehlende Struktur nichts aus oder sie erkannten eine. Ich habe den Verdacht, manche Leser beanspruchen keinen kohärenten Text. Nun, man kann auch Kreuzworträtsel durch Eintragen von Buchstaben – ohne Rücksicht auf Bedeutung – ausfüllen.
Dank eines Hinweises eines Mitlesers erfuhr ich, dass die Icons bei den Überschriften der Kapitel auf die jeweilige Erzählperspektive hinweisen. Sehr clever, nur im Nachhinein nutzt mir das nichts. Und ein zweites Mal lese ich The History of Love sicher nicht.
Zu meiner Befriedigung hatten aber andere Rezensenten ähnliche Eindrücke wie ich; wobei zu berücksichtigen ist, dass die Buchbesprechungen allgemein sehr wohlwollend ausfallen und Klartext in den traditionellen Medien selten ist.
Eva Menasse nennt die "Wirrwarr der Chronologie" und schreibt von der "fehlenden Struktur", Die Zeit, 13.10.2005; Hans-Peter Kunisch meint, Nicole Krauss treibe "das verschollene Manuskript in immer verworrenere Handlungskonstellationen", Süddeutsche Zeitung, 7.3.2006.
Die US-amerikanische kraussMetakritik (ähnlich dem deutschsprachigen kraussPerlentaucher) listet 20 lobende, 5 so-und-so und nur 2 negative Kritiken, unter diesen allerdings die von Louis Begley in der New York Review Of Books.
Die Verfilmungsrechte wurden am Warner Brothers verkauft, Regie wird Alfonso Cuar führen. Ausserdem wurden die Filmrechte in 20 Länder verkauft (kraussAlden Mudge: "The strength to survive Nicole Krauss' novel offers a haunting look at love and loss", BookPage 2005).
Kommentar: für einen Hollywood-Film mag's langen.
Mehrfach wird von Protagonisten im Roman The Street of Crocodiles des polnischen Autors Bruno Schulz sehr lobend erwähnt. Diese Erzählung ist in der deutschen Sammlung Die Zimtläden enthalten. Ich werde sie demnächst lesen. Wenn sie wirklich so gut ist, war die Lektüre von The History of Love nicht ganz vergebens.
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krauss krauss Nicole Krauss: Die Geschichte der Liebe. Reinbek: Rowohlt, 2006. Grete Osterwald, Übs. Broschiert, 352 Seiten krauss
Nicole Krauss: Die Geschichte der Liebe. Reinbek: Rowohlt, 2006. Grete Osterwald, Übs. Gebunden krauss
krauss kraussNicole Krauss: The History of Love. London: Penguin, 2006. Broschiert: 385 Seiten krauss
Nicole Krauss: The History of Love. London: Penguin, 2006. Taschenbuch, 385 Seiten krauss
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 8.3.2007