| Joseph
H. H. Weiler: Der Fall Steinmann [Removed]. München: Piper, 2000. 139 Seiten. Michael Cochu, Übs. – |
| Theodor Steinmann, beliebter Jura-Professor,
geht freiwillig und vorzeitig in
den Ruhestand. Da es keine offensichtlichen Gründe gibt, fragt
sich sein früherer Assistent (der Ich-Erzähler): Was
steckt dahinter? Dazu befragt er Steinmann selbst, der ihm drei umfangreiche persönliche Tagebucheintragungen aus der Nazi-Zeit übergibt. Die Spurensuche beginnt. Steinmann war seit jeher mit Leon Oppenheimer, jüdischer Herkunft, befreundet. Nach ihrem gemeinsamen Jurastudium in Deutschland gehen sie zusammen nach England. Dort lernt Leon Rachel da Silva kennen und heiratet sie. Steinmann lernt jüdische Bräuche kennen: in Deutschland war Leon oft bei ihm aber nur zweimal war er im Haushalt der Oppenheimers. Beide bewerben sich auf akademische Stellen in Deutschland, nur Steinmann wird genommen; Oppenheimer scheitert, weil Jude. Steinman beschreitet eine angepasste, ruhige und erfolgreiche Professorenlaufbahn. Seine jüdischen Freunde verliert er aus dem Blickfeld. Dann will er sein Duckmäusertum "gut machen"... Lesen! |
| Das Thema "Suche aufgrund
spärlicher Hinweise oder eines Gemäldes oder Fotos in
eine dunkle Vergangenheit" ist eine Modeerscheinung (oder doch mehr;
jedenfalls tritt sie extrem häufig auf) und wird hier
souverän behandelt. Joseph H.H. Weiler publizierte bis zu diesem Buch nur juristisch. Sowohl Stil als auch die Komposition des kurzen Romans sind sehr gelungen. So schildert er eine einfühlsame Zugfahrt in die Nacht (S. 33-34). Die drei Zeitebenen (Nazi-Zeit; Recherchezeit; Erzählzeit) geben sich flüssig die Hand. Der Ich-Erzähler bespricht sich mit seiner Frau Cleo, die seine Erkundungen umsichtig begleitet und lenkt. Am Ende fand er einiges über Steinmann-Oppenheimer, aber auch über deutsch-jüdische Freundschaften jener Zeit allgemein. Das Auseinanderdriften war typisch (S. 113). Weiler erzählt nüchtern, nicht ohne Witz doch ohne Schuldzuweisungen. Der Leser wird selbst zum Denken angeregt. Was kann Literatur mehr leisten? |
| Eine deutsch-jüdische Freundschaft aus dem universitären Umfeld. Hervorragender Roman mit leisem Auftreten und starker Wirkung. Sehr lesenswert. |
| Motto Der Autor stellte dem Kurzroman das biblische Motto: "Und er sprach: ich bin Joseph, euer Bruder." Gen. 45,4, voraus. Das klingt wie eine Feststellung um die Erinnerung zu wecken. Joseph setzt fort mit: "... den ihr in Ägypten verkauft habt". Brüderlich ging und geht es im geschilderten Universitätsumfeld nicht zu. |
| Das Originaltyposcript mit dem Titel: Removed ist anscheinend nicht auf englisch erschienen. Die deutsche Erstausgabe erfolgte im Dezember 1998. |
| Joseph
H.H.
Weiler, * 1951 in Johannesburg, Südafrika Professor für Internationales Recht und Europarecht. In einem Interview am 19.12.1999 im NDR Kulturjournal über sich selbst: "Ich bin überall und nirgends zuhause. Ich bin die Verkörperung des umherziehenden Juden." |
| Vergleichsliteratur |
| Henri-Pierre
Roche: Jules und Jim Evelyn Waugh: Wiedersehen mit Brideshead [Brideshead revisited] |
| Links |
| Joseph H. H. Weiler: |
| Literatur |
| Joerges, Christian: "Continuities and Discontinuities in German Legal Thought". Law and Critique 14 (2003). S. 297–308 |
| Mertens, Thomas: "Review: Darker Legacies of Law in Europe. The Shadow of National Socialism and Fascism over Europe and Its Legal Traditions". Ratio Juris 18.2 (2005). S. 285-291 |
| Staff, Ilse: "J. H. H. Weiler, Der Fall Steinmann". Juristenzeitung 54.11 (1999). S. 570 |
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| Joseph
H.H. Weiler: Der
Fall Steinmann. München: Piper, 2000. 139 Seiten.
[Removed]. Michael Cochu, Übs.
Piper Bd.3190 |
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