| Cormac
McCarthy: The Road [Die Straße, Nikolaus Stingl, Übs.]. London: Picador, 2007. Broschiert, 307 Seiten – |
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| Vater
und Sohn ohne Namen flüchten nach Süden. Das Land,
das
sie durchziehen, ist verbrannt, verwüstet. Nur gelegentlich
tauchen Menschen auf, vor denen die beiden
sich hüten müssen. Diese kurzen Begegnungen, die
Suche nach Wasser und Eßbarem und die Dialoge sind das
Handlungsgerüst. Das Meer im Süden, von dem sich der
Vater zumindest Wärme verspricht, das Ziel. Die einige Jahre ("forty years ago" ? S. 25) zurückliegende Katastrophe wird nicht besprochen. Was geschehen war bleibt im Dunkel, doch es muß fürchterlich gewesen sein. Auf Fragen des Sohnes weiß der Vater oft nicht zu antworten.
Sonderbar scheint mir – bei Vaters Unkenntnis – sein glattes "No" auf die erste Frage. Sonderbar erscheint auch, dass – Jahre nach der Katastrophe – Wasser immer noch trinkbar ist und die Lebensmittel eßbar. Selbst Konserven halten nicht jeder Katastrophe stand und haben nur begrenzte Haltbarkeit. Vater und Sohn beladen einen Einkaufswagen mit ihren Habseligkeiten und den gefundenen Waren. Oft aber müssen sie hungern. Der Einkaufswagen als ein Überbleibsel der Konsumgesellschaft birgt eine gewisse Komik. Vielleicht die einzige im Roman. Plündernde und raubende Gruppen durchziehen das Land und schrecken weder vor Mord noch Kannibalismus zurück. |
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| Einige
Fragen
stellen sich unmittelbar bei der Lektüre. Was erhofft sich der
Vater vom angestrebten Meer im Süden? Oder muß man
irgendein Ziel haben um Überleben zu können? Warum
moralisch integer bleiben, angesichts des apokalytischen, hoffnunglosen
Situation? Der Vater entscheidet sich für eine mittlere Position, die er gegenüber den Sohn verteidigen muß. Nicht klar wurde mir: warum müssen die beiden Orte, an denen sie Vorräte finden immer wieder möglichst schnell verlassen? Unterwegs können sie mindestens so gut von "Bösen" gefunden werden, wie in einem Terrain, in dem sie sich auskennen? Unklar blieb auch, was Vater und Sohn in den Jahren seit der Katastrophe taten. Warum brachen sie erst jetzt zum Meere auf? Trotzdem die Wälder verbrannt sind bieten sie offensichtlich immer noch Schutz!? Die beiden ziehen sich oft in die Wälder zurück um nicht entdeckt zu werden. Wenn sich alles in den USA abspielt ist verblüffend, wie oft diese Wälder nahe der Straße sind, z.B. S. 73. Die verblüffende Haltbarkeit der vorgefunden Lebensmittel habe ich schon erwähnt. Unglaubwürdig wird der Autor, als er die beiden eßbare Äpfel finden läßt (S. 127-128). In einem Absatz erfolgt ein mir unerklärlicher Wechsel zum Ich-Erzähler (S. 91). |
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| Der
Vater hat
einen Revolver mit zwei Kugeln bei sich. Der Vater erwägt,
wenn's wirklich an sein Ende geht, auch seinem Sohn den
Gnadenschuß zu geben. Dies erinnert an die
Schlußszene in John Steinbeck: Of Mice and Men
(einem meiner Lieblingsromanen; siehe |
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| Stil Der lakonische Stil mit kurzen Sätzen ist der Situation angepasst. Die Dialogsätze erscheinen mir manchmal zu kurz und nur mit Bestätigungen wie "Okay" - "Okay" abschliessend. Dafür bringt McCarthy eindrucksvolle Bilder. Nur ein einziges Beispiel: "By day the banished sun circles the earth like a grieving mother with a lamp" (S. 32). |
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| The
Road gibt als Science Fiction Roman nicht viel her. Aus dem
SF-Genre
ist die Kurzgeschichte Clarkes und sind die Romane von Wells und
Wyndham (siehe
Ein guter Roman sollte keine überflüssigen Szenen haben. Vielleicht kann man die Suchvorgänge und Begegnungen in The Road daraufhin analysieren. Mir als Leser schien sich manches zu wiederholend oder keine neue Erkenntnis mehr aufweisend. Besser und gespenstischer als gleich zu Beginn kann es selbst Cormac McCarthy später nicht mehr beschreiben.
• Der Überlebenskampf rastet nur teilweise aus. Neben Vater und Sohn bewahren sich auch andere Menschen, denen sie begegnen ihre Menschlichkeit. • Die stärkste Hoffnung kommt vom Überlebenswillen der beiden und vom Auftrag des Vaters an seinen Sohn: "You have to carry the fire" (S. 298). • Freilich kann man The Road auch als Parabel auf das Erdenleben jedes Einzelnen lesen. Wir Menschen horden als Gruppen auf der Erde. Keiner traut dem anderen – das gilt besonders für die Nationen untereinander. Die Vorräte sind begrenzt. Die Verteilungskämpfe haben schon begonnen. Am Ende steht unweigerlich der Tod. Manche Leute können sich unter diesen Bedingungen kein ethisches Wohlverhalten vorstellen. Für diese ist ein Glaube an eine jenseitige Belohnung oder Bestrafung unabdingbar. McCarthy zeigt an seiner Apokalypse der Erde, dass auch unter widrigsten Bedingungen der Mensch Mensch bleiben kann. Den Parabelcharkater unterstreichen Andeutungen von Platons Höhlengleichnis (S. 1; S. 60). |
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| The Road
vermochte mich über weite Strecken zu fesseln, doch nicht
durchgehend, da bei über 300 Seiten die Wiederholungen
unvermeidlich sind. Die szenischen Beschreibungen sind durchweg stark
und überwältigend. Durch die Beschränkung
(im wesentlichen) auf zwei Charaktere vermißte ich in The
Road psychologische Kraft. Die Kritiken, die ich las, sind meist begeistert oder (wenige) kraß ablehnend. Manche Kritiker verwiesen auf Marlen Haushofer: Die Wand. Zurecht. Doch Die Wand hat mich kaum berührt, noch weniger gepackt. Die Begeisterung für The Road ist – so scheint mir – dem radikalen Entwurf verdankt. Als ich den eingesaugt und kapiert hatte fehlte mir ein zusätzliches Drehmoment. Somit: lesenswert, doch den Pulitzer-Preis hätte ich The Road nicht gegeben. |
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| Preise 2007 Pulitzer-Preis in der Kategorie Fiction; mit im Finale waren Alice McDermott: After This und Richard Powers: The Echo Maker ( |
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| Vergleichsliteratur | |||
| Samuel
Beckett: Endspiel Arthur C. Clarke "History Lesson" - Thomas Glavinic: Die Arbeit der Nacht David Guterson: East of the Mountains [Östlich der Berge] - stationenmäßige Begegnungen eines Todkranken - Marlen Haushofer: Die Wand - Jack London: "To Build a Fire" - Überlebenskampf in unwirtlicher Umgebung (Arktis) John Steinbeck: Of Mice and Men [Von Mäusen und Menschen] - zwei Männer in Symbiose; Gnadenschuß - H.G. Wells: The War of the Worlds [Krieg der Welten] John Wyndham: The Day of the Triffids [Die Triffids] |
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| Links | |||
| Literatur |
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| Cormac
McCarthy: The Road. London: Picador,
2007. Broschiert, 307 Seiten |
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