| Jeffrey
Eugenides: Middlesex [deutsch: Middlesex]. London: Bloomsbury, 2003. 529 Seiten – |
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| Eugenides gewann 2003 mit Middlesex den Pulitzer Prize und fast alle sind voll des Lobs. Dem kann ich mich nur bedingt anschliessen (aber immerhin: anschliessen!). | |
| Cal Stephanides erzählt die
Geschichte einer griechischen Familie, die in den 20-er Jahren des 20.
Jahrhunderts aus Kleinasien nach Detroit einwandert über drei
Generationen. Er selbst ist aus der dritten Generation und ursprünglich 1960 in Detroit als Mädchen Calliope geboren:
Es entwickelt sich Einwanderer-Epos, ein Roman um den American Dream, ein Wissenschaftsroman, eine Reise durch die USA, ein Thriller (nur ganz am Ende) und ein Entwicklungsroman. Eugenides meistert dies alles. Allerdings wirkte vieles für mich überladen und besonders nach dem rasanten Einstieg bis ins zweite Drittel schleppend. |
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| Middlesex bietet einige
spannende
Episoden: der Brand in Smyrna ( Das meiste war vorhersehbar (dass ein Hermaphrodit die Hauptrolle spielt wusste man aus jeder Besprechung) und riß einen versierten Leser nicht vom Hocker. Die erste große Überraschung kam für mich auf Seite 438 (von 529). |
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| Jeffrey
Eugenides versteht – wie so viele US-Schreiber –
sein Handwerk gut. Das zeigt sich am oben zitierten ersten
Satz; an der Tristam-Shandy-Technik; an der Themen- und
Anspielungsdichte der ersten 39 Seiten. Da
funkelt Homer und die griechische Mythologie, europäische
Geschichte und Geistesgeschichte und es blitzen Genetik und Biologie
auf. Doch leider läßt das bald nach oder ich wurde
müde. Fast jedes Kapitel wird durch eine kleine Episode des Erzählers eingeleitet; man merkt, dass Eugenides in Stanford Creative Writing studierte. Amüsant, auflockernd und in den Spuren von Lawrence Sterne (der Ich-Erzähler kommt endlich zu Beginn des 3. Buchs zur Welt, S. 215) sind dabei oft Einsprengsel über Charakterführung oder Einblicke in die Schreibwerkstatt. Der Sinn der eingeflochtenen Beziehungsepisoden aus der Erzählgegenwart blieb mir unklar. Zur Aufhellung des erwachsenen Cal trugen sie nicht bei. Manche Einzelheiten, die ich nicht verstand (Calliope nennt ihre Freundin durchgehend "Object"), sind wohl meinem Unverständnis zuzuschreiben. Dafür freut man sich, wenn man Anspielungen durchschaut: • "Will you move, you're blocking my sun", S. 345; • Anspielung auf die bekannte Unterstellung: "There are no atheists in foxholes" (S. 350, Stilistisch fiel mir Eugenides nicht auf. Er bringt wenig Vergleiche, die zudem unterschiedlich ausfallen. Vermurkst finde ich inhalierten Zigarettenrauch als "Tschernobyl in ihren Lungen" (S. 346), gelungen dagegen kurz darauf den Vergleich von Erinnerungen mit den Schneeflocken in einer gläsernen Halbkugel (S. 348). |
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| Rassenproblematik Neben der besonderen Situation der Einwanderer lässt Eugenides auch immer wieder die Rassendiskriminierung einfliessen. Entlarvend dazu:
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| Jeffrey Eugenides ist ein kluger Autor und er hat ein kluges Buch geschrieben. Dass er die griechischen Einwanderer aus Kleinasien stammen lässt, zeigt seine Beschlagenheit in der Geschichte: die europäische Geistesgeschichte startete mit den Vorsokratikern in Kleinasien, auch wenn dies zeitgenössiche Politiker in der Diskussion um den EU-Beitritt der Türkei verschweigen oder schlicht nicht wissen. | |
| Middlesex ist ein Familienepos in langer Tradition. Ich scheine bei diesem Genre nur das Allerbeste zu honorieren. Angestachelt vom großen Vorauslob habe ich mir von Middlesex mehr versprochen. Vielleicht ist es aber auch einer jener Romane, die eine Zweitlektüre erfordern. | |
| Vergleichsliteratur | |
| Saul Bellow: Herzog
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| Ulrike Draesner: Mitgift | |
| Jonathan
Franzen: The Corrections, deutsch: Die Korrekturen
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| Salman Rushdie: Midnight's Children, deutsch: Mitternachtskinder | |
| Lawrence Sterne: Tristram Shandy | |
| David Foster Wallace: Infinite Jest | |
| Links | |
| Rezensionen | |
| "There
are no atheists in foxholes": |
| Literatur |
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| Jeffrey
Eugenides: Middlesex.
Picador 2003. Taschenbuch |
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| Jeffrey
Eugenides: Middlesex.
Reinbek: Rowohlt, 2005. Eike Schönfeld,
Übs. Taschenbuch, 733
Seiten |
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