| Louise
Erdrich: Shadow Tag New York: HarperCollins, 2010. Gebunden, 255 Seiten – |
| Das Psychogramm einer zerbrechenden Ehe zermürbt den Leser durch die nüchterne Darstellung. |
| Irene America führt Tagebuch und merkt, dass ihr Mann
Gil, ein Kunstmaler, mitliest. Also schreibt sie jetzt an zwei
Tagebüchern: das rote zum Mitlesen für Gil und das blaue, das nur die
Leser von Shadow Tag mitlesen. Gil malt seit Jahren seine Frau in allen möglichen Stellungen. Er scheint damit erfolgreich zu sein, wenn ihm auch der grosse Ruhm versagt bleibt. Ob das an seiner immergleichen Motivwahl liegt oder daran, dass sowohl er, als auch Irene indianischer Abstammung ("Native American", um korrekt zu sein) sind, blieb mir unklar. Wie so manches. |
| Man erfährt, dass Irene trinkt und Gil verlassen
möchte. Er will sie behalten und veranstaltet ein grosses
Überraschungsfest. Die naive Annahme, ein ordentliches Geburtstagsfest
mit Juwelen könne Jahre der ehelichen Auseinandersetzung auslöschen, kann
wohl nur einem US-Amerikaner (oder wenn man es auf die Autorin bezieht:
einer US-Amerikanerin) einfallen. Trotz der drei Kinder Florian, 14, Riel (Mädchen), 11, und Stoney, 6 Jahre, endet es in einer Tragödie der besonderen Art. |
| Die besondere Art der Eheführung mit heißen Sexabenteuern – trotzdem die Verbindung schon zerbrochen ist, so dass man manchmal nicht weiß: gegenseitiges Einverständnis oder Vergewaltigung? – scheint eher dem Lesepublikum der USA einzuleuchten und es anzusprechen. Irene sitzt auch immer noch Modell für Gil. |
| Irene schreibt an einer Doktorarbeit über den US-Maler
George
Catlin ( „Irene started talking about Catlin and how he had wounded a buffalo and then sketched and painted it as it slowly died. He described the process in one of his letters. He goaded the buffalo into a fury every time it tried to lie down and die. It had broken a leg, so it couldn't charge him. He could be cruel to get the picture, she said, but he loved Indians.“ (S. 137) |
![]() Kei-a-gis-gis, eine Frau der Ojibwa, George Catlin 1832 |
| „Shadow Tag“ ist ein vielseitiger Romantitel, u.a. bezeichnet er auch ein Fangenspiel, bei dem man auf den Schatten des anderen treten muss. |
| „It isn't given to us to know those rare moments when
people are wide open and the lightest touch can wither or heal. A
moment too late and we can never reach them any more in this world.
They will not be cured by our most efficacious drugs or slain with our
sharpest swords.“ wird auf S. 149 zitiert. Es ist aus “The Freshest
Boy” von F. Scott Fitzgerald ( Zum Roman Shadow Tag sollte man wissen, dass das beschriebene Ehedrama wohl einige Ähnlichkeit mit Erdrichs erster Ehe hat. Von 1981-96 war Louise Erdrich mit dem Anthropologen und Schriftsteller Michael Dorris verheiratet. Sie trennten sich 1996 wegen der Alkoholprobleme des Ehemannes. Am 29. März 1997 wählte er den Freitod. Auch F. Scott Fitzgerald hatte eine problem- und alkoholreiche Ehe, die zur Tragödie führte. |
| Ich brauchte einige
Seiten bis ich ahnte / merkte, wo der Roman hin will: ein
Familiendrama, ohne dass aber Erdrich beispielsweise die zweifache
Führung des Tagebuchs besonders ausbaute oder für die Handlung
ausnutzte. Wer die Stimme dazwischen ist und wer die Tagebuchseiten
offenlegt ergibt sich erst am Ende des Romans. Es zog mich nicht durchgehend zur Lektüre dieser sonderbaren Familienverbindung. |
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Erdrich: Wikipedia
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| Louise
Erdrich: Shadow Tag. New York: HarperLuxe, 2010.
Gebunden, 272 Seiten
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