| Shirley
Jackson: The
Haunting of Hill House [Spuk in Hill House, Wolfgang Krege, Übs.]. In: Shirley Jackson: Novels and Stories. New York: The Library of America, 2010. Joyce Carol Oates, Hg. S. 241–417. – |
| Dr. John Montague, Doktor der Philosophie,
Spezialgebiet Anthropologie, möchte überntürliche Phänomene
untersuchen. Dazu startet er in Hill House, einem achtzigjährigen,
einsam gelegenen Anwesen ein wundersames Experiment. Er will Skeptiker
und Geistergläubige in Hill House zusammenführen um die Spukphänomene,
die dort vermutet werden, zu verifizieren oder zu widerlegen oder
überhaupt mal zu dokumentieren. Dazu lädt er viele Vorbelastete ein,
doch nur zwei sagen am Ende zu: • die recht unselbständig erscheinende Eleanor Vance: sie ist unverheiratet und wohnt bei ihrer Schwester Carrie (vergleiche Stephen King: Carrie und Theodore Dreiser: Sister Carrie! Siehe unter • die parapsychologisch begabte Theodora. • Als Vertreter der Eigentümer von Hill House gesellt sich zu den Dreien noch Luke Sanderson. Der grosse Vorteil der gemeinschaftlichen Aktion ist es, dass keiner die Ursache eventuellen Spuks auf die Einbildung eines einzelnen schieben kann (S. 340). Eleanor und Theodora werden schnell enge Freundinnen. (Das erinnert an das Paar Merricat und Constance in We Have Always Lived in the Castle [Wir haben schon immer im Schloß gelebt]; siehe |
| Der Erzählfluss ist immer dicht bei Eleanor. Daher
gestaltet sich ihre Anfahrt, ja Annäherung nach Hill House besonders
eindringlich: für mich ein packender Auftakt. Die Geschehnisse in Hill
House selbst sind zunächst recht unspektakulär. Wie so oft bei Shirley
Jackson muss man mitlesen, was den Lesern nicht verrät. Sie läßt viele
Optionen offen, auch die, das letztlich Eleanor selbst die
Verursacherin der endlich auftretenden, merkwürdigen Vorfälle ist.
Vielleicht reagiert aber Hill House völlig unerklärlich auf Eleanor
oder das gesamte Bewohnerquartett. Es treten keine Geister in weißen
Gewändern auf, dafür kalte Zonen im Haus und Geräusche in den Gängen
und an den Türen. Kurzum: Das Haus spielt mit. Die Zeit vertreibt man sich in Hill House mit Gesprächen, Lesen und Schach. |
| Lektüre |
| Dr. Montague hat sich als Lektüre Samuel Richardson: Pamela: or, Virtue Rewarded, einen Briefroman von 1740 mitgebracht. Genauer ist es seine Einschlafhilfe: „If any of you has trouble sleeping, I will read aloud to you. I never yet knew anyone who could not fall asleep with Richardson being read aloud to him.“ (S. 304) Des Doktors nächste Lektüre kündigt er mit Clarissa: or, The Histor of a Young Lady (1748) vom selben Autor an (S. 331). Luke dagegen hat sich einen Koffer voller Krimis mitgebracht (S. 331). Inkonsequent liest der Doktor nach Pamela allerdings The History of Charles Grandison (1753) ebenfalls vom Langweiler Richardson (S. 347). |
| Schach |
| Nachdem zu Bridge und Backgammon nichts zusammengeht spielen Dr. Montague und Luke Schach (S. 300-304). Luke setzt den Doktor matt (S. 304). Manch eine Schachpartie zwischen den beiden folgt noch. |
| Journeys end in lovers meeting |
| Eine durchgängig wiederholte Phrase ist „Journeys end
in lovers meeting“. Sie stammt aus Shakespeare: The Twelfth Night,
II. iii. 43-44: „Journeys end in lovers meeting, Every wise man's son doth know.“ Es gibt zwei Konstellationen auf die dieses Motto zutrifft: Eleanor und Theodora, so wie Eleanor und Hill House. Erst am Ende von Kapitel 9, Abschnitt 3, wird klar, welche der beiden Beziehungen die wenigen Tage in Hill House überdauert (S. 417). |
| Stil |
| Jackson schreibt prägnant und atmospärisch, vieles nur
andeutend. Gelegentlich blitzt Humor auf, oder, wie man im Englischen
sagt, sie schreibt „tongue in cheek“, so hier: „Gossip say she hanged herself from the turret on the tower, but whn you have a house like Hill House with a tower and a turret, gossip would hardly allow you to hang yourself anywhere else“ (S. 298). |
| Originalausgabe erschienen 1959 unter dem Titel The Haunting of Hill House, deutsche Ausgabe erstmals 1993, 293 Seiten. Übersetzung ins Deutsche von Wolfgang Krege. |
| Wenn man oberflächlich liest, ist The Haunting of Hill House – abgesehen von der grandiosen Anfahrt Eleanors – eine eher biedere Spukgeschichte. Man muss aufmerksam mitlesen und sich alle Optionen, die offen gelassen werden, selbst ausmalen. Dann allerdings liest man einen tiefgründigen, psychologischen Gruselroman. |
| Vergleichsliteratur |
| Henry James: The Turn of the Screw |
| Stephen King: Shining |
| Verfilmungen |
| „Bis das Blut gefriert“ [„The Haunting“] Regie: Robert
Wise; Darsteller: Richard Johnson, Julie Harris, Claire Bloom, Russ
Tamblyn, u.a., 1963 – |
| „Das
Geisterschloss“ [„The Haunting“] Regie: Jan de Bont; Darsteller: Liam
Neeson, Catherine Zeta-Jones, Lili Taylor, Owen Wilson, u.a., 1999 – Diese zweite Verfilmung wird der literarischen Vorlage nur sehr bedingt gerecht. Die spannende Annäherung Eleanors an das Schloss wird nahezu gänzlich ausgeblendet. Das Schloss ist hollywoodartig ins Gigantische überzogen. Der Grusel beruht zum grossen Teil auf Geisterbahneffekten, die in Jacksons Roman ganz bewusst nicht vorkommen. |
| Links |
| Spuk
in Hill House: |
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| Literatur |
| Castricano,
Jody (2006): "Shirley Jackson’s »The Haunting of Hill House« and the
Strange Question of Trans-Subjectivity". Jung: the e-Journal of the
Jungian Society for Scholarly Studies 2:3, 26 Seiten. –
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| Miller,
Laura (2006): "Shirley Jackson's The Haunting of Hill House: An
Introduction" – |
| Rasmus,
Ryen Christopher (2009): "Hill House, Not Sane: Shirley Jackson’s
Subversion of Conventions and Conventionality in The Haunting of Hill House".
The College of William and Mary, Williamsburg, VA. – |
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| Shirley
Jackson: Spuk in Hill
House. Zürich: Diogenes, 1993 |
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