| Stephen
King: Carrie New York: Signet, 1998. Taschenbuch, 245 Seiten – |
| Carrie White lebt zusammen mit ihrer fundamentalistisch
fanatisch religiösen Mutter Margaret auf. Der Vater ist schon früh
verstorben. Obwohl sie bereits 17 Jahre ist meidet sie
erzwungenermassen den Kontakt mit ihren Mitschülerin in der Highschool.
Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass sie zum Klassengespött wird.
Die Lehrerin Miss Desjardin setzt sich für sie ein und massregelt
Chris(tine) Hargensen. Chris will das nicht auf sich sitzen lassen.
Zuerst schickt sie ihren Vater, einen Rechtsanwalt vor. Die
Schulleitung läßt sich nicht einschüchtern, die
Klageandrohung bewirkt nichts. Da brütet Chris eine böse Rache
für den kommenden Abschlussball aus. Außer der Lehrerin ist auch die Mitschülerin Sue Snell Carrie wohlgesonnen. Sie beauftragt ihren Freund Tommy Carrier zum Abschlussball zu begleiten. Der Teil I „Blood Sport“ kulminiert in einem Blutrausch an zwei Schweinen auf der Farm von Irvin Hentley in North Chaimberlain (S. 109-115): eine Vorbereitung für Chris' Rache. Für den Highschool Abschlussball wählt Carrie ein rotes Kleid („devil's red“, S. 121), genau die Farbe, die ihre Mutter für sündig hält. Es kommt zum Streit, wie schon zuvor schon über die Teilnahme am Ball. Carrie zeigt sich erstaunlich (gemessen an ihrer Erziehung und Isolierung) durchsetzungsfähig. Wie viele religiöse Fanatiker und Leute, die sich davon weit entfernt einordnen, will die Mutter ihrer Tochter ihre Kleidungsvorstellung aufzwingen. (Vergleiche die aktuelle Diskussion bei uns über Kopftuch, Burka, etc.). Der Abschlussball endet in einer Katastrophe. Christ spielt ihren blutigen Rachefeldzug aus, Carrie fühlt sich erneut und diesmal gewaltig hereingelegt und läßt die Dinge springen. Ein Inferno beendet den Abend und den Roman. |
| Struktur und Motive |
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Von Anfang an ist klar: Margarets Erziehung kann nicht gutgehen:
gravierende Probleme zeichnen sich ab. Margaret hatte einer Lehrerin,
die es wagte, die Evolution zu lehren, schon einen speziellen Platz in
der Hölle angekündigt (S. 19). King läßt den Leser auch nicht unklar darüber, dass am Abschlussball, der „Prom Night“ im Teil II, etwas Furchtbares passieren wird. Carries erstaunliche Fähigkeit mittels ihrer Gedanken physische Objekte zu bewegen (Telekinese, siehe Das vierte Spannungsmoment ergibt sich aus der Beziehung Carrier – Mutter. Es fällt leider etwas oberflächlich aus, auch wenn es im Showdown eine wichtige Rolle spielt. |
| Themen |
King behandelt in diesem 1974 erschienenen Roman zeitlose Themen:
Margaret meint, alle Politiker sind Gauner und Sünder, die gottlosen Roten kann sie sich nur als Mörder vorstellen (S. 25). Ihr verstorbener Mann Ralph lief nicht nur ständig mit der Bibel herum, sondern hatte immer auch einen Revolver dabei, für den Fall, dass er dem Antichristen begegne (S. 27). Echte Sünde kann man nur mit Blut ausmerzen (S. 149). |
| King erzählt nicht nur sondern läßt den Leser oft mehr
wissen als es der Gang der Handlung nötig macht. Freilich hat er dann,
als die Katastrophe so richtig loslegt, sein Pulver schon verschossen.
Die Durchmischung des Textes mit Gerichtsverhören und Dokumentationen
über den Fall erlaubt es auf direkte brutale Horrorszenen weitgehend zu
verzichten. Trotz allem bleibt die Sympathie des Lesers (und wohl auch des Autors) immer bei Carrie. Sie ist das Opfer des religiösen Wahns und überzieht am Ende bedenkenlos ihre besondere telekinetische Fähigkeit. Die Verwebung zahlreicher Themen ist schlüssig und anregend. Zuviele Vorankündigungen schwächen leider das dritte Drittel des Romans. |
| Stephen King bekannte sich dazu, dass er von Shirley
Jackson ( |
| Anmerkungen |
| • Margarete White droht der Lehrerin einen speziellen
Sitz in der Hölle an, da sie Darwins Evolution in der Klasse vertritt
(S. 19). Die Ablehnung der Evolution ist ein Kennzeichen verbohrter
religiöser Fundamentalisten (siehe beispielsweise"Position der
Katholischen Kirche zur Evolution", • Margarete White bringt viele Bibelanspielungen, die meist schnell auffindbar und damit nachweisbar sind. Hier sei ergänzt: S. 23 „For strait is the gate“, Mt 7,14; S. 121: 1 Kings 21:17-19, 23. • S. 123: „Eye That Watcheth“ kommt bereits bei a) Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra im Abschnitt „The Wizard“ vor: „Thou mocking Eye that watcheth me from the darkness“, im Original: „Du höhnisch Auge, das mich aus Dunklem anblickt“. b) James Fenimore Cooper: The Bravo. A Venetian Story vor; Father Anselmo, der Karmeliter, S. 274: „There is an eye that watcheth on the meanest of us, son; we will believe he was not forgotten.” • S. 123: Das „three-lobed burning eye” ist eine göttliche Manifestation in der Fiktion von H. P. Lovecraft. S. 232: „Crickets chirruped mindlessly and a whippoorwill (whippoorwill somebody's dying) called in the great stillness of morning.” Die Schwarzkehl-Nachtschwalbe [Caprimulgus vociferus] kündigt nach Volksglaube (in Massachusetts?) den Tod an. Dies wird in H.P. Lovecraft: „The Dunwich Horror” thematisiert, beispielsweise in dieser Textpassage: „the natives are mortally afraid of the numerous whippoorwills which grow vocal on warm nights” (Whippoorwill siehe |
| Mein erster Roman von Stephen King war auch ein frühes Werk des Autors. King hat schon viele Stilmittel drauf. Das ergibt ein stimmiges Panorama einer High School in einer Gemeinde in New England. Wie oben schon ausgeführt störten mich Kings Vorwärtsbezüge, da zu häufig und erkenntlich nur um den Leser aufs Kommende gierig zu machen. |
| Musik in Carrie |
| S. 8 Bobby Pickett: Monster Mash S. 37 Bob Dylan: Just Like a Woman S. 51 Tennessee Ernie Ford: Let Lower Lights Be Burning, Hymne von Philip Paul Bliss, S. 127 Ray Price: She's Got To Be a Saint S. 138 Claudine Clark: Party Lights S. 150 500 Miles Lemon Tree Mr. Tambourine Man On the Street Where You Live Raindrops Keep Fallin' on My Head Bridge over Troubled Water S. 153 Jefferson Airplane: Long John Silver S. 162 Pomp and Circumstances Marches, op. 39 von Edward Elgar S. 214 Dave Dudley: Six Days on the Road S. 243 Bob Dylan: Tombstone Blues |
| Links |
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| Philip Paul Bliss: |
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| Literatur |
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| Stephen
King: Carrie. Bastei Lübbe, 2009.Taschenbuch, 320
Seiten |
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| Lois H.
Gresh, Robert Weinberg: Die
Wissenschaft bei Stephen King: Von Carrie bis Puls. Die schreckliche
Wahrheit hinter den Büchern des Horror-Meisters. Wiley-VCH,
2008. Joachim Körber, Übs. Taschenbuch, 286 Seiten |
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