| Chris Abani: GraceLand New York: Picador, 2004. 321 Seiten |
||
| Trotz des Elvis-Titel (Graceland ist das Anwesen des King of Rock 'n' Roll
in Memphis, Tennessee, siehe In zwei Strängen erzählt Chris Abani die Erlebnisse und die Entwicklung des Elvis-Fans Elvis Oke in der nigerianischen Provinz (ab 1972) und in der Metropole Lagos 1983. In Lagos ist Elvis sechzehn Jahre und seit zwei Jahren in der Slum-Teilstadt Maroko. Sie strotzt vor Armut, Schmutz und Gewalt. Die berühmte Ratten-Eingangsszene in Richard Wright: Native Son (siehe Während des ersten Romanteils muss sich der Leser an die ungewohnten Lebensumstände sowohl im kriegsgeschüttelten Dorf Afikpo als auch im haarsträubenden Maroko gewöhnen. Nach dem Umzug nach Lagos bekommt Elvis' Vater Sunday auch dort kein Bein auf den Boden. Die Mutter Beatrice ist seit langem tot und Sundays junge Freundin Comfort ist kein Mutterersatz. Elvis lebt am Strand und in der Stadt. Zuhause kann er nichts finden, was ihn hält. Die Elternliebe in Maroko äussert sich darin, dass neugeborenen Kindern, bevor sie den Schmerz kennen, der Körper deformiert wird: so haben sie später als Bettler bessere Chancen (S. 188). Elvis schliesst sich Redemption und dessen zwielichtigen Geschäften an. Er lernt den eigenartigen König der Bettler kennen. Seine Vergangenheit und Stellung wird nicht so recht klar. Einmal glaubte ich, dass er heimlich eine hohe Position beim Geheimdienst oder Militär einnimmt und im Hintergrund die Fäden in der Hand hat. Öffentlich bedauert er die Kultur der Einheimischen, die der westlichen geopfert wurde. Hier weist der Autor darauf hin, dass dies weit untertrieben ist. Der König sprach nur von der Kultur der Igbo, einer von 300 Volkskulturen in Nigeria (S. 155). Hier protzt Abani nicht nur. Die Genetik bestätigt die afrikanische Vielfalt: "In fast jeder einzelnen afrikanischen Population, ob man sie nun Stamm nennt oder sonstwie, gibt es mehr genetische Vielfalt als im gesamten Rest der Welt zusammen", (Evolutionsbiologe Kenneth Kidd, Department of Genetics, Yale University, zitiert nach Wolfram Henn: Warum Frauen nicht schwach, Schwarze nicht dumm und Behinderte nicht arm dran sind. Der Mythos von den guten Genen, S. 61; Dann zieht Chris Abani das Erzähltempo an und das bedeutet hauptsächlich, es kommt jede erdenkliche und unerdenkliche Grausamkeit und Erniedrigung vor. Am Höhepunkt sollen die Bulldozer die Armenviertel der Stadt Lagos einwalzen. Die Bewohner protestieren in einer Mischung von Alamo und Bürgerrechtsmarsch (King of the Beggars = Martin Luther King).Sie erreichen nach spannenden Szenen zwischen Rebllen und Polizei/Militär wenig bis nichts. Die Situation im "neuen" Stadtteil Bridge City ist prekär. Jeder versucht einzig den Abend und die Nacht zu überstehen (S. 309). Trotzdem endet Graceland endet versöhnlich: Elvis emigiriert in die USA. |
||
| Sonderbar und mir nicht einleuchtend war die Namensvergabe an die meisten Handelnden. Sie heissen und nennen sich auch untereinander so: Comfort, Redemption, Kansas, Elvis, Sunday. | ||
Gelegentlich ist Graceland aller
Tragik zum Trotz witzig. So beispielsweise in der Begründung Redemptions,
warum er mit Elvis auf dem Motorrad der Polizei ausweicht. Elvis warnt vor der
Polizeikontrolle:
|
||
| Eines der Lieblingsbücher Elvis' ist The Prophet von Khalil Gibran (S. 191). Es ist eine Fundgrube von Aphorismen und Lebensweisheiten. The Prophet ist in 40 Sprachen übersetzt und gilt als die Bibel der esoterischen Bewegung. Jeder Esoterik abhold biete ich das Buch nicht auf dieser Seite an. | ||
| Graceland ist
ein würdiger Nachfolger des bekanntesten Nigeria- Romans: Chinua Achebe:
Things Fall Apart (siehe Das grandiose Album Paul Simons "Graceland" ist trotz gleichen Titels nicht die passende Musik zur Lektüre. Ich schlage zu Beginn den klagenden Lonnie Johnson vor; dann aber zum aggressiveren Howlin' Wolf wechseln! Wer etwas über Nigeria, das Leben in den Slums der Grossstädte oder einfach über die Armen dieser Welt erfahren will: unbedingt lesen. |
||
| Anmerkung | ||
| Obafemi
Awolowo (S. 155) 6.3.1909, Ikene, Nigeria - 9.5. 1987 Ikene, Nigeria. Politiker, der die Yoruba anführte, eine der drei grössten ethnischen Gruppen des Landes. Awolowo schrieb das einflussreichen Traktat Path to Nigerian Freedom (1947). |
||
| Links | ||
| Empfehlenswerte, ergänzende Literatur | ||
| Nigeria, Afrika Afroamerikanaer in den USA Folter Kindersoldaten |
||
| Graceland | ||
| Literatur |
| Bei Amazon nachschauen | Bei Amazon nachschauen | |
|
![]() |
|
| Chris Abani: GraceLand.
München: Beck, 2004. Thomas Brückner, Übs. Gebunden, 451 Seiten
|
||