| Edwidge
Danticat: The Farming of Bones New York: Penguin, 1999. Taschenbuch, 312 Seiten [Die süße Saat der Tränen] |
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| Seit 1844 gibt
es auf der karibischen Insel Hispaniola die Dominikanische Republik und
Haiti. Politisch litten und leiden beide Staaten unter der Besetzung
der USA und diversen eigenen Gewaltherrschern. 1930 kam durch einen Putsch in der Dominikanischen Republik Rafael Leónidas Trujillo an die Macht. Er übte 30 Jahre lang eine blutige Diktatur aus. 1937 organisierte Trujillo einen Massenmord an haitianischen Gastarbeitern mit 27.000 Toten. In Alegria (Dominikanische Republik) um 1937 arbeiten viele Haitianer auf den Zuckerrohrfeldern (siehe Amabelle trifft sich heimlich mit dem Feldarbeiter Sebastien. Die Plantagenarbeiter schuften schwer und es brodelt sozial. Den Arbeitern fehlt es beispielsweise an Geld und Holz, so dass manche gezwungen sind, für Särge ihre Holztüren zu verwenden (S. 120). Señora Valencia bekommt Zwillinge; das männliche Baby stirbt ziemlich rasch: oft kann nur einer überleben. Erst durch die Sekundärliteratur wird mir dies als Metapher zu der zweigeteilten Insel klar. Pikant: der männliche Nachfolger wurde Rafael , kurz: Rafi, nach dem Diktator Generalissimo Rafael Leónidas Trujillo benannt und stirbt bald nach der Geburt. Wie sorglos die Machtverhältnisse ausgelebt werden, zeigt ein leichtsinnig von Pico Duarte totgefahrener Arbeiter. Der tödliche Unfall wird vertuscht, Vater Don Ignacio will später mit Geld bei Kongo, dem Vater des Getötenen, ausgleichen. Yves, ein Freund, rät Kongo dagegen zur Blutrache: "Only killing him would make things even". Doch Kongo sieht klarer: "Things are never even" ... "If it was so, his life and my life would be the same" (S. 144). Doch da bricht das Unheil los: die Haitianer werden gejagt und massakriert. Amabelle gelingt es mit einigen zu flüchten, ihren geliebten Sebastien verliert sie jedoch in zweifacher Hinsicht. Er nimmt einen anderen Fluchtweg und kommt dabei um. Pico Duarte bleibt merkwürdig zwiespältig oder vielleicht dominikanisch zugespitzt: Señora Valencia ehelichte er, weil er bei Beatriz abblitzte. Seinen vorteilhaften Militärposten führt er ergeben aus, dagegen kann er sich in das Haus seiner Frau nicht einfühlen. Valencia lädt eines Morgens die Arbeiter zum Kaffee. Als Pico heimkommt und dies erfährt nimmt er das verwendete Kaffeegedeck und wirft Stück für Stück im Hof an die Wände der Latrinen (S. 116). Anscheinend nimmt 1937 der Massenmord an den Haitianern die Gräueltaten der Tonton Macoute unter den beiden haitianischen Präsidenten Duvalier ("Papa" und Sohn) schon voraus. Diese verarbeitet die Autorin in The Dew Breaker (siehe Amabelle gelingt es mehr oder weniger in ihrer alten Heimat Haiti wieder Fuß zu fassen. Jahre danach (etwa 1961) besucht sie Alegria nochmals und entdeckt, dass auch Señora Valencia Duarte schwer geschädigt wurde. |
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| Der englische Titel The Farming of Bones bezieht sich auf die Knochenarbeit in den Zuckerrohrfeldern (S. 55) und ist bedeutend aussagefähiger und zutreffender als der deutsche Titel. | |
| Edwidge Danticat bleibt durchweg unsentimental, weist keine Schuld zu, ergreift nur vorsichtig die Partei der Unterdrückten; die Bewohner der Dominikanischen Republik kommen (bis auf das Militär) gut weg. Manchmal (wirklich nur manchmal) zählte mir die Autorin zu sehr ein Bühnenbild auf: "Doña Eva ... Beatriz ... Señor Pico ..." (S. 156). | |
| Ein großartiger Roman, der umso bewundernswerter ist, wenn man überlegt, wo er hätte scheitern können: tragische Liebesbeziehungen; übertriebene Gegensätze zwischen Arm und Reich, Gut und Böse. | |
| Anmerkungen | |
| "Cutting
cane is a backbreaking job, and living in the sugar bateys
[worker's compounds] almost
subhuman, but the Haitian peasants, who had more and more difficulty
making little patches of land feed growing families, welcomed the work.
They left with the hope of returning home with a little cash to
purchase livestock and rebuild their cailles [small farmhouses] or expand their
land holdings." Bernard Diedrich, Al Burt: Papa Doc. Haiti and Its Dictator. London 1970. S. 40 |
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| "Dies diem
docet" (S. 149), siehe |
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| Vergleichsliteratur | |
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werden genannt: Gabriel García Márquez: Hundert Jahre Einsamkeit Da mir Hundert Jahre Einsamkeit – entgegen dem breiten Trend und der Literaturwissenschaft – nur wenig gefallen hat (siehe
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| Links | |
| Rezensionen | |
| Die süße Saat
der Tränen: |
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| Literatur | |
| Hewett, Heather (2006): "At the Crossroads: Disability and Trauma in »The Farming of Bones«". Melus 31:3, S. 123-145. | |
| Martin, W. Todd (2007): "»Looking for the Dawn« in Danticat’s THE FARMING OF BONES". Explicator 65, S. 248-250. |
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| Edwidge
Danticat: The Farming of Bones. New York: Penguin,
1999. Taschenbuch: 312 Seiten |
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| Edwidge
Danticat: Die süße Saat der Tränen. München: List,
2000. Beate Thill, Übs. Broschiert: 299 Seiten |
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