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Iweala
Uzodinma Iweala: Beasts of No Nation
New York: Harpercollins, 2006. Taschenbuch, 176 Seiten – Uzodinma LinksUzodinma Literatur
Nach Erscheinen 2005 wurde dieser Roman mit Preisen bedacht. Im März / April 2008 lobten bei uns die Kritiker die deutsche Ausgabe Du sollst Bestie sein! trotz des düsteren Stoffs. Nur einer (soweit ich weiß) wich ab: Peter Hamm, dazu weiter unten. Da stand der Roman aber schon bei mir im Regal.
In einem afrikanischen Dorf (das Land bleibt ungenannt) ist der kleine Agu (das Alter wird nicht genannt; man kann vermuten cirka vierzehn) zurückgeblieben und wird von einer Horde Soldaten mitgenommen. Er agiert unter dem brutalen Commander erzwungenermassen grausam; wird sexuell benutzt; erlebt das Grauen, verbreitet es und wird abgestumpft. Morden, Plündern, Vergewaltigen und Essenssuche sind die täglichen Übungen.
Er landet in einem Rehabilitationszentrum für ehemalige Kindersoldaten und Kriegsgeschädigte bei – erraten: amerikanischen Helfern. Dort schreibt er in einer Art Pidgin-Englisch seine Erlebnisse rückblickend auf.
Via amnesty international und einigen Büchern (siehe Uzodinma Vergleichsliteratur) habe ich mich zum Thema schon informiert. Vielleicht war Beasts of No Nation deshalb für mich kein Schocker, nicht aufrüttelnd, ja nicht einmal ein großes Stück wahrhaft bedrückender Literatur (Literaturanzeiger.de). Eine Tierszene (S. 102) berührte mich mehr als manches andere.
Agu, der spätere Kindersoldat, wächst in einem Dorf auf, ist von klein auf ein Schlauberger und wird schon mal Professor genannt. Er will Arzt oder Ingenieur werden, ist lesehungrig und überspringt gleich eine Schulklasse. Unter den wenigen Bücher bevorzugt der Kleine – genau, erraten, die Bibel (S. 24-25). Seine Mutter liest ihm daraus vor, wie Kain seinen Bruder ermordet und über Abraham, der im blinden Gehorsam selbst vor dem Mord des eigenen Kindes nicht zurückschreckte. Sie liest ihm von David vor, einem blutrünstigen Herrscher. Das verträgt sich gut damit, dass Agu sonntäglich zur Kirche geht iweala (S. 29). Das verträgt sich in afrikanischer Pragmatik gut damit, dass man auch den anderen Geistern huldigt (ohne Smiley). Die daran anschließende ausführliche Tanzorgie (S. 53-56) und vieles andere im Buch riecht aber arg nach Klischee.
Im SF Literaturclub, Zürich 21. April 2008, (Uzodinma Links) brachte es Peter Hamm auf den Punkt.
Der Gast Dieter Bachmann hatte Uzodinma Iweala: Du sollst Bestie sein! zur Besprechung vorgeschlagen. Er führte es lobend in die Runde ein, erkannte aber doch: "creative writing", "zusammengebastelt", "aus einem Guß". Gabriela von Arnim las die Grausamkeiten erst in nachfolgenden Besprechungen, nannte es "herzzerreisend", hatte aber doch Bedenken. Iris Radisch las es "atemlos", erkannte aber die "Überwältigungstechnik" und wurde misstrauisch.
• Peter Hamm zerriss Du sollst Bestie sein! als ein Machwerk, das auf die Betroffenheit der weißen Oberschicht schielt und an die Instinkte der Leser appelliert. Man kann nur aus Erfahrung schreiben, meinte er, – völlig zurecht – und nannte den Sohn einer Weltbankpräsidentin und Harvard-Studenten einen "Oberklassenpinkler".
Allein aus dem guten Willen ein wichtiges Thema zu behandeln entsteht keine Literatur, schon gar keine gute. Lest China Keitetsi: Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr. Mein Leben als Kindersoldatin oder ein anderes Buch. Wenn's den Kindern was bringt, gönne ich dem Autor einen Erfolg. Ich bezweifle aber den Erfolg in den Kriegsgebieten.
Links
Uzodinma Afrika in der Literatur
KinderElmar Krekeler: "Für Kindersoldaten ist der Tod wie die Liebe", Die Welt 9. Februar 2008
Uzodinma Kindersoldaten
Uzodinma Literatur zu Kinderarbeit, Kinderprostitution, Kindersoldaten
KinderSF Literaturclub, Video: Sendung vom Dienstag, 22. April 2008 (277 MB)
Vergleichsliteratur
Ishmael Beah: Rückkehr ins Leben: Ich war Kindersoldat Iwealaamazon
Uzodinma China Keitetsi: Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr. Mein Leben als Kindersoldatin
Ahmadou Kourouma: Allah muss nicht gerecht sein Iwealaamazon
Ebenfalls aus der Innenperspektive ohne eigene Erfahrung des Autors:
Dorothea Dieckmann: Guantanamo Iwealaamazon
Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten – Iwealaamazon
Literatur
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iweala IwealaUzodinma Iweala: Beasts of No Nation. New York: Harpercollins, 2006. Taschenbuch, 176 Seiten iweala
Uzodinma Iweala: Beasts of No Nation. John Murray, 2006. Taschenbuch, 192 Seiten Iweala
iweala IwealaUzodinma Iweala: Du sollst Bestie sein! Zürich: Amman, 2008. Gebunden, 200 Seiten. Marcus Ingendaay, Übs.
Uzodinma Anfang

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 10.10.2008