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Jones
Edward P. Jones: The Known World
London: HarperPerennial, 2004. 388 Seiten. [Die bekannte Welt, Hans-Christian Oeser, Übs.] –
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US-Amerikaner, insbesondere die WASP (weiße Hautfarbe, angelsächsische Herkunft, protestantische Konfession) führen ihre Herkunft gerne auf die Pilgerväter zurück, die 1620 mit der Mayflower Cape Cod erreichten. Doch die Geschichte der USA wurde zu einem grossen Teil von ganz anderen Bevölkerungsgruppen geschriben, unter anderen von den jahrhundertelang unterdrückten und ausgebeuteten Schwarzen.
Die bekannte Welt für die Schwarzen in Virigina (und anderswo in den USA), kurz vorm US-Bürgerkrieg, ist die Farm, auf der sie arbeiten. Bildung wird ihnen verweigert, für das Verlassen der Farm brauchen sie eine Art Passagierschein. (Das gibt's auch im heutigen Deutschland: Residenzpflicht.)
Diese – für uns eher – unbekannte Welt entsteht in zahllosen Einzelgeschichten, die im Leser als bunte Bilder entstehen. Im Mittelpunkt steht eine Farm des freigekauften ehemaligen Kindersklaven Henry Townsend, dessen Eltern und seine – man glaubt es kaum – eigenen Sklaven. Zu Beginn stirbt Henry aber seine Herkunftsgeschichte wird fleckenweise erzählt und dazu die Verwerfungen, die es nach seinem Tod auf der Farm gibt.
Die Sklaven sind behütet in der Farmgemeinschaft und beide Seiten, weiße Herren und Gesetzesvertreter einerseits und die Leibeigenen andrerseits sind einem gewissen Verhaltenskodex unterworfen. Die Mühen, Drangsal und Torturen des Freiheitsentzugs kommen nicht zu kurz. Der Autor wird der bekannten Welt gerecht ohne in Nostalgie zu verfallen oder eine Seite ungehörig zu bevorzugen.
Einen Protagonisten sehe ich nicht; manche Rezensenten nennen dazu Henry Townsend, aber ebenso könnte man Moses nennen oder Caldonia Townsend. Das bringt ein Problem mit sich: der Leser kann sich kaum identifizieren. Die weißen Romanfiguren sind – bis auf wenige Ausnahmen – durchweg ambivalent: daher auch kaum Hassgefühle. Trotzdem atmet der Roman nach einer längeren Einlesephase mit den vertrauten Figuren.
Die deutsche Ausgabe hat anscheinend eine Personenliste im Anhang, die englische nicht. Doch Jones erleichtert das Wiedererkennen der Charaktere durch häufige Beifügung ihrer Verwandtschaftsbeziehung oder ihrer Stellung in der Farm.
Häufig streut er weite Vorausschauen (wenn auch meist kurz) ein, die aber wenig bringen, manchmal sogar irritieren. An diesen Stellen läßt der Autor den Leser wissen, dass er vieles nach Dokumenten nacherzählt. Die heute so wichtige Authentizität wird gestärkt.
2004 Pulitzer-Preis
2005 International IMPAC Dublin Literary Award
Der Rassismus in den USA ist auch nach Bürgerkrieg, Bürgerrechtsrechtsbewegung und einem schwarzen US-Präsidenten aktuell.
"Ein schwarzer Präsident mag zwar eine symbolische Strahlkraft haben.
Dem alltäglichen Rassismus aber tut das keinen Abbruch. Eher im Gegenteil",
Jonathan Fischer: "Zieh dich doch selbst aus dem Dreck", SZ, 24.8.2009, S. 13
Daher ist dieses Buch – neben dem hohen Unterhaltungswert – auch aus historischen und aktuellen politischen Gründen ungemein lesenswert.
Links
Edward P. Jones: JonesEdward P. JonesJonesHarperCollins – Wikipedia: JonesdeutschJonesenglisch
JonesPerlentaucher
JonesStephen M. Deusner: "World of Troubles", 5.1.2004
JonesAmy Hungerford, Yale University: Edward P Jones, The Known World
Edward Harriet Beecher Stowe: Uncle Tom's Cabin
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Jones JonesEdward P. Jones: The Known World. London: HarperPerennial, 2004. 388 Seiten Jones
Edward P. Jones: Die bekannte Welt. DTV, 2007. Taschenbuch: 448 Seiten. Hans-Christian Oeser, Übs. Jones
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 24.8.2009