| Alice
Walker: The Color Purple (Die Farbe Lila, Helga Pfetsch, Übs.) London: Women's Press, 2001. Taschenbuch, 245 Seiten – |
| Zwei
leichter zu ertragende Überraschungen und eine
herbe, gleich beim Loslesen. The Color Purple ist ein Briefroman und zwar sind es Brief an Gott. Das kann ja heiter, oder eher himmlisch werden. Das Schlimmste: die Briefe sind im Pidgin-Englisch einer nur mäßig geschulten Schwarzen. Man gewöhnt sich dran. |
| Lucius vergewaltigt seine Tochter Celie zum ersten Mal
als sie dreizehn war. Celia ist die Briefschreiberin. Ihre Briefe
richten sich an Gott, da ihr sonst niemand zuhört. Zwei Kinder zeugt
der lüsterne Lucius mit ihr und gibt dann die Kinder weg. Als Mr. ––
kommt und ihre jüngere Schwester Nettie heiraten will, trifft es die
etwas zurückgeblieben Celia. Erst nach Jahren (S. 43) erfährt Celia den
Vornamen ihres Mannes: Albert. Der prügelt sie und benutzt sie – wie
ihr Vater seinerzeit – als Sexobjekt. Da kommt die Sängerin Shug Avery, eine mehr als gute Freundin ihres Mannes, und allmählich verändert sich Celias Lage. Shug gibt ihr Selbstvertrauen, Mut und Liebe, diese durchaus auch körperlich. Während Celia zuvor nicht wusste, wie man kämpft – sie hatte genug damit zu tun um zu überleben – nimmt sie nun ihr Leben selbst in die Hand. Celie entdeckt Briefe ihrer Schwester Nettie, die ihr Albert jahrelang vorenthalten hat. Nettie ist mit einem Missionsehepaar in Afrika. Jetzt schreibt Celia auch an Nettie. Celia ist inzwischen so stark, dass sie mit Shug nach Memphis geht – ohne Albert. Doch Shug geht mit einem jungen Liebhaber auf Tournee. Da nun beide – Albert und Celia – zu den Verlassenen zählen, nähern sie sich etwas an. Albert hat inzwischen eine etwas merkwürdige – und ich meine – unglaubwürdige charakterliche Wandlung vollzogen. |
| Shug Avery ist Sängerin, die unter anderem Bessie Smiths "A Good Man is Hard to Find" drauf hat (S. 64). |
| Das Gottvertrauen im ersten Teil des Buches ist einerseits rührend, andrerseits tragen die Vertröstungen, dass Gott es schon recht macht und im Leben nach dem Tod die irdischen Qualen ausgleichen wird, zur fatalistischen Einstellung der Unterdrückten bei. |
| Duch den Briefwechsel mit Nettie gewahrt der Leser eine bemerkenswerte Parallele. Die Weißen eroberten Amerika unter furchtbarer Dezimierung der Indianer und mit Hilfe der Versklavung der Schwarzen aus Afrika importiert. Nun kehrt das weiße Missionsehepaar mit Nettie zurück nach Afrika und zerstört dort wiederum deren Religion und Lebensart. |
| Die Botschaft des Romans ist wohl, dass man es mit Liebe und Beharrlichkeit auch aus auswegloser Lage zu einem guten Leben bringen kann. Zudem betont der Romantitel Shugs Meinung: "I think it pisses God off if you walk by the color purple in a field somewhere and don't notice it" (S. 167). |
| Während The Color Purple recht hart einsetzt und über weite Strecken so fortfährt, kommen am Ende alle hübsch zusammen, auch Nettie kehrt heim und alles ist Frieden und Eierkuchen. |
| Dem Roman wurde vorgeworfen allzu harsch mit dem
schwarzen Mann umzuspringen. Auch Edward Jones ( |
| 1983
Pulitzer-Preis
und National Book Award, siehe |
| Das schlechte Englisch ist gewöhnungbedürftig. Man wird mit einer authentischen Schilderung aus dem schwarzen Alltag und einem ungewöhnlichen Bildungsroman der Briefschreiberin Celia belohnt. Die Wandlung Alberts wurde nicht begründet. Ende gut, alles gut!? |
| Links |
| |
| |
| |
| Vergleichsliteratur |
| Alex Haley:
Roots – Wurzeln |
| Zora Neale Hurston: Their Eyes Were Watching God – Und ihre Augen schauten Gott |
| Toni Morrison: Beloved – Menschenkind |
| Literatur |
| Bei Amazon nachschauen | Bei Amazon nachschauen | |
![]() |
![]() |
|
| Alice
Walker: The
Color Purple. Phoenix, 2004 [1983].
Taschenbuch, 272 Seiten |
||
![]() |
![]() |
|
| Neil
McEwan: The Color Purple. York Notes Advanced.
Longman,
2003. Taschenbuch, 120 Seiten |
||
![]() |
||