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Wright Richard
Richard Wright: Native Son
New York: Harper 1989. 398 Seiten – Zitate
Vor wenigen Wochen hatte ich wright Chester Himes: If He Hollers Let Him Go gelesen und war gewappnet. Deshalb war der Hammerschlag des sozialkritischen Milieuromans Native Son aus Chicagos Southside in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts nicht ganz so hart.
Bigger Thomas, der schwarze Protagonist, hat von Haus aus wenig Chancen und bekommt eine große als Chauffeur beim Millionär Henry Dalton. Richard Wright heizt dem Leser von Anfang an richtig ein und Bigger macht es im Haus des Millionärs ebenso: wörtlich zu verstehen. Trotzdem der 20jährige Bigger oft überhastet entscheidet, man sich als europäischer, weißer Leser an den Kopf langt, treibt der Autor die Handlung folgerichtig voran. Immer wieder baut er überraschende Wendungen ein. Bigger ist wirklich ein schwarzer Raskolnikow: wenig schuldbewußt, nicht immer abgebrüht, selten kaltblütig.
Wenn in der Literatur ein Traum geschildert wird, schweift mein Auge und sucht, wo es endlich wieder zur Sache geht. Bei Native Son war alles so spannend, daß ich Biggers Traum (S. 156) mitlas. Bigger ist – trotz Getto in Chicagos Soutside – von einer weißen Welt umgeben, die den Schwarzen den Zugang verwehrt. Wie in der Eingangsszene eine Ratte in der Falle sitzt und als Ungeziefer vernichtet wird, geht es auch Bigger Thomas. Das Dalton-Haus hat keinen Rückeingang und wird ihm zur Falle. Zudem schneit es unaufhörlich und eine weiße Katze beobachtet Biggers ersten Mord in der weißen Welt.
Der dreiteilige Roman Fear – Flight – Fate fällt nur im dritten Teil etwas ab: zu lange Plädoyers im Gerichtssaal und der Zelle. Ansonsten: wer's verträgt, soll Native Son lesen.
  • Erstausgabe 1940 und Wright schreibt: "Hitler was running the Jews to the ground" (S. 110). Der US-amerikanische Autor wußte es, in Deutschland und im Vatikan wußte es angeblich niemand.
  • Drei Jahre vor Native Son kam John Steinbecks Of Mice and Men auf den Markt. Dort gibt es in der Grundkonzeption eine verblüffende Übereinstimmung. Lennie Small, ein geistig zurückgebliebener Farmarbeiter, und damit ein durchaus ähnlicher Außenseiter wie Bigger Thomas, tötet unbeabsichtigt in Panik eine weiße Frau. Er wird gejagt, und ... selber lesen.
    wright Lennie Small trifft Bigger Thomas
Der Roman wird in zahlreichen "Hitlisten" des 20. Jahrhunderts aufgeführt,
so in wright The Century's Top 100 Novels.
wrightRaphael Lambert: "From Page to Screen: a Comparative Study of Richard Wright's Native Son and Its Two Film Adaptations"
Literatur

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Richard Wright: Native Son. New York: Harper, 1989. 432 Seiten wright Wright

Wright
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 23.11.2001