In seinem
ersten Roman Lawd Today! (ursprünglicher Titel: Ceespool)
schlägt Wright sofort seine großen Themen an. Kein Wunder, daß der
Roman aus 1935-37 keinen Verleger fand und erst posthum 1963 erschien.
Mit Jake Jackson, dem Postangestellten, erlebt der Leser einen
aufregenden Tag. Nach dem Aufwachen merkt man schnell, daß Jake einfach
und brutal ist. Er provoziert einen Streit mit seiner Frau Lil. Sein
Traum (der Roman setzt mit einer Traumsequenz ein) ist es, aus der
unterprivilegierten Schicht der Afroamerikaner auszubrechen. Die harte
Tour allerdings liegt ihm nicht. Er träumt von großen Sportlern oder
Gangstern.
| Jeesus, it takes nerve
to be a gangster! But they have a plenty of fun. Always got a flock of
gals hanging on their arms, Dress swell in sporty clothes. Drive them
long, sleek automobiles. And got money to throw away ... S. 31 |
Dabei reicht es nicht zum Einsatz des eigenen Verstands. Er verharrt
auf den Positionen, die ihm vorgegeben werden. Im Laufe des Tages wird
er mehrfach ausgenützt und ausgenommen. Nach dem abstoßenden Auftakt
zuhause pflegt Jake vor seiner Arbeitsschicht das leichte Leben.
Während der Arbeits ziehen seine Gedanken zur bevorstehenden Freizeit,
die katastrophal endet.
Exemplarisch durchläuft Jake den Tag über einige Stationen. Dies
erinnert an James Joyce: Ulysses.
"Like James Joyce's Ulysses
(just published in the United States, after scraping through an
obscenitiy trial), the action in Lawd Today! takes
place over twenty-four hours."
Rowley, Hazel: Richard
Wright. The Life and Times. S. 103
"I have a suspicion that you may have been under the influence of
Joyce's Ulysses in attempting to relate the events
in one day in the life of a negro, and while I can see excellent
possibilities in such treatment, you have unfortunately not realized
any of them. ... I can see that all of this is due to the fact that you
have not yet mastered the art of the novel as distinguished from the
art of the short story."
Maxim Lieber, Lektor, zu Lawd
Today! in: Rowley, Hazel: Richard Wright. The Life
and Times. S. 133
Rezension Hazel Rowley: Richard
Wright. The Life and Times |
Wright mischt die Erlebnisse von Jake und drei Freunden mit politischen
Ereignissen: es ist Abraham Lincolns Geburtstag. Stilistisch hat Wright
bereits eindrucksvolle Bilder: "The wind, rising and dying, howled like
a lost dog in a vast wilderness" (S. 158) – "The music caroled its
promise of an unattainable satisfaction and lured him to a land whose
boundaries receded with each step he took" (S. 203).
Da die Vier außer Kartenspielen, Frauen und Alkohol nichts drauf haben,
kommt es zu Dialogen dieser Art.
"Don't time pass slow?"
"Don't it?"
"Just drags."
"Makes you nervous."
"Specially when you ain't got nothing to do." S. 73-74 |
Oder zu solchen Gesängen: "But wherever there's life there's hope" ..
"And wherever there's trees there's rope" (S. 111).
Ein beeindruckener Romanerstling. Klug lässt Wright bis zuletzt drei
Ausgänge offen: Jake erschlägt, Lil erschlägt Jake, oder ... Ich will
es nicht verraten. Unbedingt
selbst lesen!
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