| Margaret
Atwood: Alias Grace London: Virago 1997. 534 Seiten |
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In einem Internet-Buchkreis wurde
Margaret Atwoods Alias Grace zur
Monatslektüre erkoren. Ich kannte von der 1939 geborenen
kanadischen Autorin noch nichts, obwohl sie seit 1961 erfolgreich
Gedichte und Romane veröffentlicht. In Alias Grace
wird zurückblickend der Mord an Thomas Kinnear beleuchtet. Dem
Buch liegt ein realer Fall aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts
zugrunde. Alias Grace arbeitete bei Kinnear als Dienstmädchen
und sitzt für die Tat im Irrenhaus und Gefängnis.
Ihre Aufzeichnungen werden konfrontiert mit Aufzeichnungen des Arztes
Dr. Jordan und eingestreuten Briefen von Gutachtern, Ärzten,
Direktoren. Grace ist gefühlvoll und entpuppt sich im Laufe
der Erzählung aus verschiedenen Blinkwinkeln, den anderen
überlegen. Sie berichtet sehr bescheiden immer was andere von
ihr halten, selten was sie selbst denkt. Sie ist clever,
selbstbewußt, denkt logisch und entpuppt sich als moderne,
aufgeschlossene, fortschrittliche Frau, soweit dies bei ihrer Erziehung
und jugendlichen Umgebung möglich war. Das Besondere scheint
mir nun, daß man im Laufe des Buches nicht mehr
weiß, wer nun eigentlich ins Irrenhaus oder
Gefängnis gehört: ist es Alias oder der Doktor oder
andere? |
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