| Alice
Munro: Hateship, Friendship, Courtship, Loveship, Marriage [deutsch: Himmel und Hölle] New York: Knopf, 2001. 323 Seiten – |
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| Alice Munro
wird für ihre
Erzählungen gerühmt. Zu
recht. Im Erzählband Hateship, Friendship, Courtship, Loveship, Marriage, deutsch etwas weniger sperrig Himmel und Hölle, sind neun Erzählungen versammelt. Sie handeln nicht ganz von den im Titel aufgezählten Beziehungen. Statt der "courtship" gehört noch etwas, das zwischen Haß und Freundschaft liegt, in die Reihe und ganz wichtig: Krankheit, Alter und Tod. Alle Erzählungen spielen (wenn ich es richtig erinnere) im Heimatland der Erzählerin. Munor schreibt über Alltägliches, manchmal Banales, jedoch so, daß der Leser gefesselt wird. Das gelingt ihr durch ihre genaue Beobachtungsgabe und durch verschiedene "Tricks". Die Geschichten werden so erzählt, als ob man schon im 17. Kapitel eines Romans sei. Da wird nicht erklärt, wer Grant ist: der Leser muß es ertasten. Die Ich-Erzählerin trifft Queenie, die durch einen plötzliche Heirat aus ihrem Blickfeld geriet. Erst im dritten Abschnitt erfährt man nebenbei, daß es ihre angeheiratete Schwester ist. Und zweifach nebenbei (durch den Satzanfang) wird dem Leser klar, daß Schwester und Schwager recht sparsam hausen: "It turned out that Queenie and Mr. Vorguilla shared a bathroom with the Greeks" (S. 245). Dieser Erzählweise benützt Munro auch auf Satzebene. Sie beschreibt in einem Satz ein Kleidungsstück und mit "und" verbunden eine wichtige Eigenschaft der Person. Einerseits braucht die Autorin mehrere Seiten um die Geschichte in einem verstohlenen Kuß kulminieren zu lassen, andrerseits packt sie auf eine halbe Seite eine Lebensgeschichte (Beginn von »Nettles«). Die Geschichten entwickeln sich ganz ruhig aber nie chronologisch. Manchmal stellt man eine Verschiebung der Erzählperspektive fest, ohne daß man einen Bruch im Erzählfluß registriert hätte. |
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| Manche
Erzählungen waren mir zu ruhig oder mir entging die Brisanz.
So blieb mir die Einleitung zu »What Is Remembered«
ein Rätsel. Meriel legt Wert auf weiße Handschuhe. Sie beruft sich auf eine entsprechende Empfehlung der Königin Sirikit von Thailand, die wiederum einen Balmain zitiert. Der Abschnitt endet mit der Frage ihres Ehemanns Pierre: "Who is Balmain?". Ich schlug beide Namen im Brockhaus nach: Der Sinn der weißen Handschuhe oder der Frage Pierres erschließt sich mir immer noch nicht. Oder soll der Dialog gerade die Belanglosigkeit angesichts der bevorstehenden Begräbnisfeier ausdrücken? |
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| Eine
typisch lakonische Wendung aus »Floating Bridge« "What happened to the woman?" Jinny had said. "Did she die?" Neal said, "She went into the hospital." "Same deal." (S. 58) |
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Die
Erzählung »Comfort« greift anscheinend nebenbei den
Biologieunterricht in Kanada (?) auf. Lewis Spiers, Lehrer, steht
zwischen seiner Verpflichtung als Unterrichter und den christlichen
Anhängern des Kreationismus, die es auch unter den
Schülern gibt: "Some little sickly saint of a girl or a
smart-arse of either sex trying to throw a monkey wrench into
evolution" (S. 132). Der Lehrer muß begründen, warum
er die Evolution unterrichtet.
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| »The Bear Came Over The Mountain« | |
| Der Titel der Story kommt vom gleichnamigen Kinderlied
mit der folgenden Strophe: The bear came over
the mountain
to see what he could see and all that he could see was the other side of the mountain |
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| Fiona
und Grant führen eine Ehe mit Höhen und Tiefen.
Da erkrankt Fiona an Alzheimer und Grant muss sie in ein Heim geben.
Dort bandelt Fiona mit Aubrey an. Grant besucht dessen Frau Marian ... Grant lernt, dass seine langjährige Partnerschaft weitergeht, auch wenn – wie Fiona ganz am Ende in anderem Sinne wohl meint – er hätte einfach weggehen können. Die Trauungsfloskel "In guten wie in schlechten Zeiten" erhält ihre späte Bedeutung. Munro führt ihre beiden Protagonisten und die Leser behutsam in die aufkeimende Krankheit. Allmählich merkt Grant und der Leser, dass Fionas Welt ihre eigenen Gesetze hat. Vielleicht ist es der Blick von außen nicht der angemessene. |
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| Verfilmt unter dem Titel »Away from Her«. | |
| Die von Christian
Brückner gesprochene Version "Der Bär
klettert über den Berg" ( |
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| Meine
Favoriten
unter den neun Erzählungen »Hateship, Friendship, Courtship, Loveship, Marriage«, »Floating Bridge«, »Nettles«, »What Is Remembered«, »Queenie«, »The Bear Came Over The Mountain«. |
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| Links | |
| Literatur |
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| Alice
Munro:
"Der Bär kletterte über den Berg". 2 CDs: Aus: Himmel und Hölle.
Christian Brückner (Sprecher). Parlando 2005 |
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