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Gallant
Mavis Gallant: The Selected Stories of Mavis Gallant
London, Berlin, New York: Bloomsbury, 2004. Taschenbuch, 887 Seiten – Mavis LinksMavis Literatur
Mavis Gallant (* 11 Aug 1922, Montreal) schrieb Romane und viele Kurzgeschichten, die überwiegend zuerst in The New Yorker erschienen sind. Sie wird von Kritikern und Autor(inn)en hoch gelobt ist aber – wenn ich es richtig überblicke – beim breiten Publikum unbekannt. Zum Teil liegt es an ihrem eigenwilligen Stil.
Sie gehört zu den vielen nordamerikanischen Künstlern, die für immer oder für viele Jahre nach Paris oder Frankreich zogen: Chester Himes, Scott F. Fitzgerald, Richard Wright, Sidney Bechet, Dexter Gordon, ...
Obwohl die Kanadierin Mavis Gallant seit Jahrzehnten in Paris lebt beherrscht sie die englische Sprache ausgezeichnet. Wortreich gestaltet sie in ihren Geschichten Personen und Momente. Während man beim Lesen noch meint, das ist aber eine lange Einleitung, ist man schon mittendrin. Man muss enorm aufpassen um Gallants eleganten zeitlichen Sprünge nicht zu verpassen. Man ist geneigt sie als nicht so wichtig flüchtig zu bemerken und in Wirklichkeit ist das schon die Story, man ist mittendrin und es ereignet sich – entgegen dem oberflächlichen Eindruck – sehr viel.
Preface
The Thirties and Forties
The Moslem Wife 1976
The Four Seasons 1975
The Fenton Child 1993
The Fifties
The Other Paris 1953
Across the Bridge 1993
The Latehomecomer 1974
Señor Pinedo 1954
By the Sea 1954
When We Were Nearly Young 1960
The Ice Wagon Going Down the Street 1963
The Remission 1979
The Sixties
The Captive Niece 1969
Questions and Answers 1966
Ernst in Civilian Clothes 1963
An Unmarried Man’s Summer 1963
April Fish 1968
In Transit 1965
O Lasting Peace 1972
Ann Alien Flower 1972
The End of the World 1967
New Year’s Eve 1970
The Seventies
In the Tunnel 1971
Irina 1974
Potter 1975
Baum, Gabriel, 1935-( ) 1979
Speck’s Idea 1979
From the Fifteenth District 1978
The Pegnitz Junction 1973
The Eighties and Nineties
Luc and His Father 1982
Overhead in a Balloon 1984
Kingdom Come 1986
Forain 1991
A State of Affairs 1991
Mille Dias de Corta 1992
Scarves, Beads, Sandals 1995
Linnet Muir
The Doctor 1977
Voices Lost in Snow 1976
In Youth Is Pleasure 1975
Between Zero and One 1975
Varieties of Exile 1976
The Carette Sisters
1933 1985/8
The Chosen Husband 1985
From Cloud To Cloud 1985
Florida 1985
Edouard, Juliette, Lena
A recollection 1983
The Colonel’s Child 1983
Rue de Lille 1983
Lena 1983
Henri Grippes
A Painful Affair 1981
A Flying Start 1982
Grippes and Poche 1982
In Plain Sight 1993
The Moslem Wife 1976
Jack und Netta Asher, verheiratet, obwohl Cousinen, führen ein Hotel im Süden Frankreichs an der Riviera. Sie gehören zu einer eingewanderten Hotel-Dynastie. Während ich noch glaubte die einführende Beschreibung zu lesen breitete sich bereits das Leben des Familienclans aus. Netta wurde von einem befreundeten englischen Doktor (der ihr zeitlebens nachstellte) "the little Moslem wife" (S. 9) genannt. Warum und warum das zum Titel der Story wurde ist mir unklar.
Netta hat die Trennung von Jack zu überstehen und muss außerdem das Hotel durch die Wirrnisse des Zweiten Weltkriegs lotsen.
In einer Kurzgeschichte gelingt hier die Verbindung einer psychologischen Ehestudie mit einem Kurzroman über Südfrankreich unter verschiedenen Besatzern. Noch vom Wiedersehensgespräch zwischen Jack und Netta heißt es: “Neither could quite hear what the other had to say. They were partially deaf to each other” (S. 34).
The Latehomecomer 1974
Ein Spätheimkehrer aus Gefangenschaft in Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg nach Westdeutschland ist dort ein Fremdkörper. Sein ganzes Erscheinen, sein Körper und seine Leiden zeugen vom Krieg, doch die Heimgebliebenen wollen davon nichts wissen. Die psychologische und politische Aufarbeitung des Nazi-Debakels hinkt dem wirtschaftlichen Aufschwung hinterher. Die Nazizeit ist den Deutschen unmittelbar nach Kriegsende und auch noch in den Fünfzigern (Thomas Bestermann ist ein Spätheimkehrer in den frühen Fünfzigern) eine ferne Zeit, an die sich nicht zurück erinnern wollen. Wie in Draußen vor der Tür von Wolfgang Borchert empfindet sich auch Thomas als draußen. Bestermann war mal bester Mann: bei Kriegsende war er noch ziemlich jung. Durch bürokratischen Kram verbrachte er länger als nötig in Gefangenschaft.
"The Latehomecomer" ist eine erstaunliche Studie deutscher Verhältnisse für eine Autorin, die erst 1950 nach Frankreich auswanderte.
From the Fifteenth District 1978
Es kostete mich etwas Überwindung zu akzeptieren, dass sich hier Geister aus dem Jenseits beschweren. Sie fühlen sich auch nach dem Tode noch ungerecht oder unwürdig behandelt und sozusagen von den Lebenden heimgesucht (statt – wie in Gespenstergeschichten üblich – umgekehrt). Wenn man das weggesteckt hat liest man eine amüsante dreiteilige Story. Wer sich über einen Toten denkt, der kann sich eh nicht mehr wehren oder, ihm schadet ja nichts und mir hilft's, wird hier zumindest fiktional eines anderen belehrt. Und: da solche Beschwerden aus dem Jenseits noch nie vorkamen ist das ein sehr starker Beleg dafür, dass es das Jenseits so nicht gibt.
"From the Fifteenth District" ist die Titelgeschichte der 1979 erschienen Sammlung von  Kurzgeschichten Gallants.

Links
Mavis Mavis Gallant
GallantLisa Allardice: "A life in books: Mavis Gallant - »I felt that the only thing I was on earth to do was to write«". The Guardian, 21 November 2009
GallantSteven W. Beattie: “The Latehomecomer” by Mavis Gallant, May 19, 2010
GallantContradicting Views of Heaven in "From the Fifteenth District"
GallantHermione Lee: "Lost in transit - Hermione Lee delights in Mavis Gallant's acutely observed stories about people on the edge of society".  The Guardian, 6 March 2004
Gallant Kurzgeschichtenanthologien, Kurzgeschichtensammlungen und Besprechungen dazu
Literatur
Allen, Brooke (1996): “Brownout in the City of Light - Review of The Collected Stories of Mavis Gallant”. The New Criterion.
Boucherie, Marijke (2008): “Painting what is not there: vision and narrative in Mavis Gallant’s story »The Doctor«”. Anglo-saxónica 2:26, S. 71-87.
Collinge, Linda, Emmanuel Vernadakis (2003): “Louis De Bernieres b. 1954 - Mavis Gallant - David Madden”. Journal of the Short Story in English 41, S. 233-242.
Condé, Mary (1999): “»Pichipoi« in Mavis Gallant’s »Malcolm and Bea«”. Journal of the Short Story in English 32, S. 2-7.
Condé, Mary (2001): “Mavis Gallant and the Politics of Cruelty”. The Yearbook of English Studies 31, S. 168-181.
Martens, Debra Kay (1986): “Continuity and discontinuity in the short fiction of Mavis Gallant”. Diss. McGill University, Montreal. – Gallantonline
Ondaatje, Michael (2002): “Introduction. Paris Stories - Mavis Gallant”. Paris Stories. New York: New York Review of Books, S. v-x.
Schaub, Danielle (1992): “»Small Lives of Their Own Creation«: Mavis Gallant’s Perception of Canadian Culture”. Critique 34:1, S. 33-46.
Schenk, Leslie (1998): “Celebrating Mavis Gallant”. World Literature Today 72:1, S. 18-26.
Shanefield, Irene Deborah (1977): “Alienation : the dilemma of the individual in the modern world as portrayed in the fiction of Mavis Gallant”. Diss. McGill University, Montreal.
Wolf, Doris (2011): “Beyond Repression: German Women’s War History and Hysteria in Mavis Gallant’s »O Lasting Peace« and »An Alien Flower«”. Contemporary Women’s Writing 5:1, S. 1-17.
Anmerkung zu den Buchausgaben
Wem die Stories gut gefallen hätte sie gern in Hardcover. Das ist aber derzeit (11/2011) nur antiquarisch erhältlich. So sollte man sich gleich auf die umfassende Taschenbuchausgabe von Bloomsbury 2004 (neueste Story ist von 1995) stürzen oder die von McClelland & Stewart. Diese sollte nach Titel und Seitenzahl geurteilt dieselben Stories enthalten.
Deutsche Ausgaben gibt es nur sehr selektiv und derzeit (11/2011) nur antiquarisch.
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Gallant GallantMavis Gallant: The Selected Stories of Mavis Gallant. London, Berlin, New York: Bloomsbury, 2004. Taschenbuch, 887 Seiten Gallant
Mavis Gallant: The Cost of Living: Early and Uncollected Stories. Jhumpa Lahiri (Einleitung). New York: New York Review Books Classics, 2009. Taschenbuch, 368 Seiten Gallant
Gallant GallantMavis Gallant: The Selected Stories of Mavis Gallant. McClelland & Stewart, 1997. Taschenbuch, 912 Seiten Gallant
Mavis Gallant: Paris Stories. Michael Ondaatje (Einleitung). New York: New York Review Books Classics, 2002. Taschenbuch, 400 Seiten Gallant
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 4.12.2011