| Michael
Chabon: The Yiddish Policemen's Union [Die Vereinigung jiddischer Polizisten] New York: Harper Perennial, 2008. 418 Seiten – |
| US-amerikanische Literaturgazetten gaben The
Yiddish Policemen's Union eine Besprechung mit Stern, also
herausgehoben. Michael Chabon erlangt Aufmerksamkeit, schon weil er
2001 für seinen Roman Die
unglaublichen Abenteuer von Kavalier und Clay den
Pulitzer-Preis erhielt. Der Roman stand monatelang auf den
US-amerikanischen Bestsellerlisten. Die deutsche Besprechungen loben den Roman ebenfalls „Spleenig, hintergründig und mit köstlichem Humor“ (Krimi-Couch). Die Leser urteilen breit gestreut: viel Lob (116 gaben bei amazon.com 5 Sterne) aber auch viel Abwertung (45 gabe nur 1 Stern) und alle Sternklassen dazwischen sind stark vertreten (Zugriff 30.12.2008). Der Roman findet also eine breite aber ganz unterschiedliche Resonanz. Ich gebe ihm 2 1/2 Sterne. Da The Yiddish Policemen's Union eine gut durchdachte Geschichtsalternative durchspielt und außerdem Schach eine gewisse Rolle spielt, griff ich zu und las. |
| Chabon hat sich eine geschichtliche Alternative ausgedacht. Am Ende des 2. Weltkriegs wurde die Atombombe auf Berlin abgeworfen. Die Juden kamen im Rahmen eines "Alaska Settlement Plan" in den größten US-Bundesstatt und leben dort – etwa sechzig Jahr nach Kriegsende – in einer Art Reservat. Jetzt droht aber eine als "Reversion" genannte Umsiedelung nach Israel. |
| Da wird in einem heruntergekommenen Hotel in
Sitka, Alaska, Emanuel Lasker (stellt sich später als Tarnname für
Mendel Shpilman heraus) ermordet aufgefunden. Im selben Hotel wohnt der
ebenfalls heruntergekommene Detektiv Meyer Landsman, der nun
ermittel. Kurz danach wird die Ex-Frau Bina Gelbstein des trinkenden Landsman dessen Vorgesetze. Aufgrund einer Intrige wird er des Diensts enthoben – der wievielte Krimi ist es seit Dürrenmatt, in dem der Ermittler degradiert, zwangspensioniert oder entlassen wird? – und ermittelt auf eigene Faust weiter. Doch nach mehr als der Hälfte des Romans gesteht Landsman, dass er noch nicht weitergekommen ist (S. 210, engl. Ausgabe). Erst nachdem Landsman eine Spur seiner toten Schwester nach Peril Strait (eine jüdische Enklave) fliegen läßt (Kap. 29, ab S. 247) wird's spannend. Der ermordete Mendel Shpilman war als Messias erkannt worden, doch musste verschwinden. Was bleibt von der jüdischen Religion, wenn das Warten auf den Messias vorüber ist? Dazu kommen weitere mehr oder weniger gelungene Absurditäten um Schach, Verschwörung, Tunnels und Mafia-ähnliche Strukturen. |
| Wie schon die sprechenden Namen vieler Romanpersonen
und -orte zeigen bemüht sich der Autor um Witz. Zahlreiche Dialoge sind
auch witzig, dazwischen liegen aber Durststrecken in denen Chabon
Familienstrukturen breittritt oder dem Leser sein Geschichtsszenario
klarlegen muss. |
| Schach Der ermordete Mendel Shpilman alias Emanuel Lasker wird mit einer Schachstellung aufgefunden. Zu seinen Büchern im Hotel gehört Siegbert Tarrasch: Three Hundred Chess Games (im deutschen Original: Dreihundert Schachpartien). Der Einstein-Schachklub in Sitka ist ein wichtiger Treff- und Angelpunkt. Chabon weiß auch, dass der ehemalige Schachweltmeister Emanuel Lasker philosophische Bücher geschrieben hat. Das ein versierter Schachspieler lange Zeit über einem zweizügiges Schachproblem sitzt (S. 404) ist wenig glaubwürdig. Die Lösung beruht auf Zugzwang (gleichnamiger Titel eines etwa zur selben Zeit erschienenen Romans von Ronan Bennett; siehe |
| Einige Tagen las ich nur seitenweise (was schon gegen den Roman spricht), erst ab etwa der Mitte gewinnt der Roman an Fahrt, aber da hat der Roman insgesamt schon verloren. Wer skurrile Personen- und Geschichtskonstellationen mag, mit gelegentlich guten Gesprächspointen vorlieb nimmt und einer thrillerartigen Handlung zugeneigt ist, der findet in The Yiddish Policemen's Union eine passende Lektüre. Alle anderen rate ich zur Vorsicht. |
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| Michael
Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten.
Köln:
Kiepenheuer
& Witsch, 2008. Gebunden, 384 Seiten. Andrea Fischer, Übs. |
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