| Gerard
Donovan: Julius Winsome Woodstock, New York: Overlook, 2009. Taschenbuch, 223 Seiten [Winter in Maine, Thomas Gunkel, Übs.] |
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| Obwohl die Stärke dieses Romans in Stimmung und Sprache
liegt, bleibe ich in dieser Besprechung vorsichtig nicht allzuviel zu
verraten. Also nur wenig zur Handlung. Ein einsamer Siedler im tiefen Wald in Maine nahe Kanada rastet aus, nachdem er seine Hund erschossen auffindet. |
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| Der Ich-Erzähler Julius Winsome ist ungewöhnlich. In
seinem Bungalow
sind die Wände voller Bücher, alphabetisch geordnet, so dass manche
Autoren, je nach dem Abstand zum Kamin, heiß und andere kalt sind. Das Katz- und Mausspiel zwischen dem durchgedrehten Einsiedler und der Polizei stellt Donovan subtil dar. Das Thema des "sniper" ist gerade (2009) hochaktuell. Der Leser schlüpft durch die grossartige Sprache in Julius. Das ist das Gemeine: man fühlt und bibbert mit dem Mörder. Wohl deshalb berichtet der Autor in seinen Gedanken zum Roman:
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| Manche Episoden wiederholen sich oder werden von Julius anders erzählt. Ist er verrückt? Gerard Donavan lehnt dies in Interveiws ab. Ich pflichte ihm bei. | |
| Auffallend und untersuchenswert sind die häufigen Bezugnahmen auf den Ersten Weltkrieg. | |
| Gerard Donovan nennt es "A Novel". Ich meine genauer es ist ein Psychokrimi. Zwar ist ein Täter bekannt (und selbst das gibt es in Krimis), doch der Hundemörder wird gesucht! | |
| Da "Winsome" nur etwas gewollt auf den Romaninhalt ansprechend interpretiert werden kann (oder übersehe ich was?) ist hier der deutsche Titel Winter in Maine (ausnahmsweise) mal echt besser. Der Winter ist nicht nur äußere Kulisse, auch Julius berichtet mehrfach von kalten Schauern in seinem Körper oder tiefem Eis in seinem Herzen. | |
| Wer auf eine mörderische Winterreise nach Maine will kann sich mit diesem Psychothriller den kalten Schauer holen über einen Mann "throng`d up with cold; my veins are chill ..." (William Shakespeare: Pericles II. 1). Sehr empfehlenswert für kalte Winterabende und auch sonst. | |
| Anmerkungen | |
| Buchmotto von Mark Aurel
(S. 7): »Und dann, dass auch der, der am längsten gelebt hat, doch nur dasselbe verliert, wie der, der sehr bald stirbt. Denn nur das Jetzt ist es, dessen man beraubt werden kann, weil man nur dieses besitzt, und niemand verlieren kann, was er nicht hat.« Meditationen 2. Buch, 11; auch Selbstbetrachtungen betitelt. Übersetzung durch F. C. Schneider von 1857. |
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| Anton
Tschechow: Schlafen!
Im 1. Kapitel liest Julius Winsome eine Kurzgeschichte von Anton Tschechow. Es handelt sich um Schlafen! ( »Es war Nacht und das dreizehnjährige Kindermädchen Warka schaukelte die Wiege [...] Das Kind weinte. Es war schon lange heiser und müde vom Schreien, schrie aber immer fort, ohne daß abzusehen war, wann es sich beruhigen werde. Warka hätte so gerne geschlafen.« |
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| Der getötete Hund hieß Hobbes nach Thomas
Hobbes. „Man is a wolf to man“ (Homo homini lupus est) Thomas Hobbes: Leviathan Part I, chs. xiii, xiv (1651) |
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| The Parliament of Fowles (S. 174) von Geoffrey Chaucer | |
| Malcolm: »Let's make us medicines of our great revenge, To cure this deadly grief.« (S. 208) Aus William Shakespeare: MacBeth IV. 3.2 |
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| Kleine Fehler "I glanced at the clock for the third time in two days, ..." (S. 26). Julius hat aber schon vorher drei Mal auf die Uhr geschaut (S. 12, 17, 19). Also ist es auf S. 26 das vierte Mal. Zwei Druckfehler in meiner Ausgabe: Statt "tales" muss es "tails" heißen (S. 106) – ein "ing" gleich am Seitenbeginn zuviel (S. 142). |
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| Gerard
Donovan: Winter in Maine. Luchterhand,
2009. Taschenbuch, 208 Seiten. Thomas Gunkel, Übs. |
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