| Kazuo
Ishiguro: The Remains of the Day Stuttgart: Reclam, 2005. 372 Seiten – |
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| Dies
ist eine überarbeitete Besprechung nach der
Zweitlektüre im
August 2007. Die Seitenangaben beziehen sich nunmehr auf die
Reclam-Ausgabe des Romans. Wegen der umfangreichen Besprechung hier ein schneller Sprung für den eiligen Leser: | |
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Der in London
lebende Schriftsteller Kazuo Ishiguro (siehe | |
| Stevens entstammt einer Butlerfamilie, die ihre eigenen Vorstellung von Würde und Pflichterfüllung hat. In seinen Überlegungen und Erinnerungen geht es um den Rückblick auf sein Leben und Lebenseinstellungen. Das Verhalten des Butlers und seine Überlegungen dazu sind ohne weiteres auf moderne Dienstleistungsberufe, Manager und alle abhängig Beschäftigten übertragbar. Darin liegt ein (Zahlwort) Reiz des Romans. | |
| Die
Fahrt des Butlers im Jahre 1956 im neuen, vom amerikanischen Hausherrn
geliehenen Ford ist eine Zeitebene. Stevens (dessen Vorname
der
Leser nie erfährt; er bleibt unpersönlich) will die
frühere Angestellte Miss Kenton, nunmehr Mrs. Benn,
besuchen und re-aktivieren: a) für seinen jetzigen Dienstherrn und b) auch – obwohl Stevens genau dies im Roman nie eingesteht – für eine persönliche Verbindung. Die zweite Zeitebene führt in die 20-er und 30-er Jahre auf das Country House des Lord Darlington nahe Oxford. Im Wesentlichen gehen diese beiden Erzählstränge chronologisch vorwärts. | |
| Inhalt | |
| Auf eine explizite Inhaltsgabe verzichte ich. Manches ergibt sich aus den folgenden Rubriken. Die Vielseitigkeit des Romans (das verblüfft, wenn man bedenkt, dass es im Grunde genommen ein langer Monolog eines Butlers ist) bringt es mit sich, dass man mit Stevens bemerkt: Wenn man seine Vergangenheit nach Wendepunkten absucht, dann findet man sie überall (S. 256). Nun, Wendepunkte sind es nicht alle, aber viele der Episoden, die Stevens während seiner Reise zu Papier bringt, sind exemplarische Schlüsselszenen. | |
| Charaktere | |
| Butler Stevens
ist stocknüchtern, konservativ und korrekt. Gerade deshalb
wirkt
manches für den Leser schmitzig bis humorvoll.
Ähnlich wie
Lagerfeuergespräche von Trappern und Westernhelden sitzen die
Spitzen-Butler manchmal am Kaminfeuer und erzählen sich
Butlerlatein. Seiner Arbeit zuliebe stellt er jede Gefühlsäusserung und jeglichen privaten und sozialen Kontakt hintan. Dazu gibt es deutliche Episoden: der Fall seines Vaters, der Tod seines Vaters, die Kontaktversuche Miss Kentons, ihre Kündigung, ... Das kommt einer geistigen Körperverletzung nahe:
In krassen – nahezu witzigen ( Weiteres zum unzuverlässigen Charakters Stevens' unter |
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| Nebenbei: Butler Stevens gebraucht eine auch heute noch beliebte Entschuldigungsfloskel, nicht nur für politische Torheiten sondern auch für Vorteilsnahme (im Klartext: Bestechung), Doping, usw.: "this whole issue of anti-Semitism, I realize, has become a rather sensitive one these days" (S. 211). Das besagt viel über die anhaltende Uneinsichtigkeit. Nicht das vergangene Verhalten war verfehlt, sondern die Ansichten darüber haben sich halt geändert. | |
| An einigen Szenen kann man
freilich erkennen oder ergänzen, dass auch Stevens sich nach
einer weiblichen Beziehung sehnt. Mehrmals überlegt
er vor der geschlossenen Tür Miss Kentons, was tun? Beim Einstellungsgespräch für Lisa konfrontiert ihn Miss Kenton mit seiner Abneigung gegenüber hübschen Mädchen in der Dienerschaft. Sie fragt ihn direkt: "Can it be that our Mr Stevens is flesh and blood after all and cannot fully trust himself?" (S. 227). Und einmal ertappt sie ihn beim Lesen einer "romance novel". Stevens schämt sich, schiebt aber sein Nicht-Herausrücken des Buches auf die Verletzung seiner Würde und entschuldigt seine Lektürewahl einmal mehr mit der Verbesserung seiner Professionalität. | |
| Stevens'
Vater der Stamm ist nicht weit vom Apfel. An seinem Todesbett steht zunächst das Konferenzgeschehen einen Stock tiefer im Mittelpunkt des Gesprächs mit seinem Sohn. | |
| Miss
Kenton aka Mrs. Benn Sie kommt etwa zur selben Zeit wie Vater Stevens nach Darlington Hall und erweist sich als umsichtige, tüchtige Kraft. Sie erkennt die emotionalen Defizite Stevens' und versucht zu seinem Kern vorzudringen, was der Butler aber stets abblockt. Sie merkt, dass Stevens seinen wahren Charakter verbirgt: "Why, Mr Steven, why, why, why do you always have to pretend?" (S. 224). Ihre Charakterisierung ist besonders problematisch, da der Leser sie nur durch die Brille Stevens' kennenlernt und dieser ein unzuverlässiger Erzähler (
Erst mit Mr. Benn und durch die Sturheit Stevens' gelingt es ihr auszubrechen; das ist 1936. Ihre wechselvolle Geschichte ist wiederum am Ende der Reise der Fingerzeig für Stevens, wie man ein einigermaßen selbstbestimmtes Leben hätte leben können. | |
| Lord
Darlington sympathisiert mit Nazi-Deutschland und zeitweilig sogar mit der britischen Faschistenunion. Er organisiert geheime Treffen auf Darlington Hall. Daran beteiligt ist sogar der deutsche Nazi Joachim von Ribbentrop, von 1938 bis 1945 Außenminister des Deutschen Reiches, und im Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet. Seinen Antisemitismus bereut Lord Darlington zwar, doch die Beschwichtigungspolitik (Appeasement-Politik, siehe Lord Darlington trägt viele Züge von Lord Londonderry (Charles Vane-Tempest-Stewart, 7th Marquess of Londonderry) 1878 – 1949, siehe | |
| Reginald Cardinal könnte leicht übersehen werden. Dabei ist er ebenfalls eine wichtige Gegenfigur zu Stevens. Während man bei der Aufklärungsmisere ( |
| Themen | |
| Wie
es sich für einen großartigen Roman gehört
spricht The
Remains of the Day zahlreiche Themen an. Durch den
andeutenden Stil der "suggestiven Reduktion" ( | |
| Würde - "dignity" | |
| Eine
der ersten Abschweifungen in Stevens' Bericht dient der Frage, was
einen großen Butler ausmacht (S. 42ff). Das Lebensziel eines großen Butlers ist die Würde, "dignity in keeping with his position" (S. 48). Für Stevens gibt es dafür einige Richtpflöcke. Da ist einmal sein Vater, der zweifelsohne Würde hat. Dann die würdigen Butler wie in der oben beispielhaft zitierten Anekdote mit dem Tiger ( Ein Butler bezieht seine Würde daraus – das betont Stevens in späteren Gesprächen (aber auch schon am zweiten Tag: "professional prestige lay most significantly in the moral worth of one's employer", S. 171) –, dass er einem wichtigen Mann dient; dadurch hat er als Rädchen im großen Getriebe auch Einfluß: Er sah sich "to come as close to the hub of this world's wheel as one such as I could ever have dreamt" (S. 189). Der Einfluß stellen sich für Stevens freilich als Trug heraus, da die Ziele seiner Herrschaft, auf deren Klugheit er baute, verfehlt waren. Harry Smith, der Sozialrevolutionär in Moscombe, vertritt eine Ansicht, die mehr unserem derzeitigen Begriff von Würde nahe kommt: "Dignity's something every man and woman in this country can strive for and get" (S. 271). Wenn man sich klarmacht, dass hier von einer anderen, zusätzlichen Würde als unserer Menschenwürde des Grundgesetzes geredet wird, kann man Smith voll zustimmen. Er fährt fort: "Dignity's not something for gentlemen" (S. 271) und "there's no dignity to be had in being a slave" (S. 272). Das wiederholt und verschärft er gleich nochmal: "You can't have dignity if you're a slave" (S. 273). Damit stellt sich Harry Smith (Allerweltsname!) in Kontrast zu Stevens. Der blinde Gehorsam, der aus Stevens-Würde-Begriff entspringt, führt nicht nur zu einem persönlichen Lebensfehler sondern dazu, dass Stevens zum Instrument im Dienst des Bösen wird. Vergleiche: Michel Terestchenko: "Servility and Destructiveness in Kazuo Ishiguro's The Remains of the Day", siehe Wie fallen die Antworten beim heutigen Arbeitnehmer auf die Fragen nach Einfluß aus? Meine berufliche Erfahrung zeigte zur Loyalität, dass sich der Arbeitnehmer oft loyal verhält, da er meint einem großen Ganzen zu dienen. Sobald aber der Arbeitgeber andere Absichten hat, ist es von dessen Seiten sofort aus mit der Loyalität gegenüber seinen Angestellten. | |
| England und der Rest der Welt | |
| Bei seiner
jahrzehntelangen Beschränkung auf Darlington Hall und auf
seine Professionalität als Butler wundert es nicht, dass
Stevens
gegenüber Fremden und besonders ausser-Englischem Vorurteile
hegt. Über die "greatness" von Great Britain hat Stevens eine
vorgefaßte Meinung. Eher verwundert sein Eintreten
für die unauffälligen Schönheiten Englands
(S. 42), da er doch erst bei seiner Reise 1956 damit bekannt wird. Vor
der Reise meint er zu Farraday: "It has been my privilege to see the
best
of England over the years, sir, within these very walls" (S. 7) Zum Mythos Englands gehören auch die Herrschaftssitze wie Darlington Hall. Dazu Kazuo Ishiguro: "... ich spiele mit dem internationalen Bild oder dem Mythos, wenn Sie wollen, von England. Das ist ein England, in dem ich nie gelebt habe. Ich bin nicht im England von Herrenhäusern und Butlern aufgewachsen." Interview mit Katharina Granzin, taz 28.9.2005, siehe Zum Mythos Englands gehören
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| Politische Dimension | |
| Abgesehen
von der kolonialen Komponente (Zerfall
des British Empire), auf die
ich nicht näher eingehe (siehe aber: Lord Darlington stellt mehrmals die Frage nach der englischen Fairness gegenüber einem besiegten Gegner. Der Versailler Vertrag (siehe
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| Argument
gegen die Demokratie | |
| Stevens'
Argumentation Die Bürger haben die Pflicht ("a certain duty") die Sachverhalte zu bedenken und ihre eigene Meinung zu bilden. Es ist unrealistisch und nicht einmal wünschenswert, dass sich der Normalbürger ("ordinary people") eine eigene Meinung bildet. (S. 283) Er zog die Konsequenz und gab seine Meinungsbildung an den Lord ab. | |
| Argumentation
der Adeligen Der einfache Bürger hat keine fundierte Meinung zu komplizierten politischen Fragen (Experiment mit Stevens S. 284-286). Die parlamentarische Demokratie gibt die Lösung schwieriger Probleme in die Stimmgewalt Millionen einfacher Bürger. Die parlamentarische Demokratie ist ungeeignet zur Lösung schwieriger Probleme (S. 286). Die Lösung formulieren die Adeligen so: "Other great nations know full well that to meet the challenges of each new age means discarding old, sometimes well-loved methods" (S. 288). Mit den "great nations" meinen sie hier Deutschland und Italien (S. 290). | |
| Joyce
Carol Oates faßte es in What
I Lived For ( | |
| Viele deutsche Politiker verwenden eine ähnliche Argumentation um die demokratische Volksbefragung auf Bundesebene weiterhin abzulehnen. Dabei vergessen sie, dass jede Bundestagswahl dem normalen Bürger ("every shithead") eine sehr viel schwierigere Entscheidung abverlangt. | |
| Humor | ||
Trotz
der Humorlosigkeit des Butlers oder gerade wegen ihr kommen
gelegentlich humorvolle Situationen vor. Allerdings ist es –
wie Barbara Puschmann-Nalenz im Nachwort der Reclam-Ausgabe
betont – , aufgrund
der »discrepancy
of awareness« (
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| Reise- und Alterserfahrung | ||
| Nach
dreißig Jahren Abgeschiedenheit auf Lord Darlington tritt
Stevens eine bedeutsame Reise an. Die ersten 20 Minuten seiner Fahrt
fand er sich noch in vertrautem Gelände. Doch dann kannte er
nichts mehr
und wußte, dass er alle früheren Grenzen
überschritten hatte (S. 34). Während seiner sechstägigen Reise
Stevens greift auf der Reise zum Mittel der Verstellung und Verleugnung. Er leugnet zweimal für Lord Darlington gearbeitet zu haben und bekennt sich nur zu Mr John Farraday (S. 179-180; S. 185). Den Hahnenschrei nach dem zweimaligen Verrat muß Stevens allerdings selbst herbeireden (S. 193). Er läßt es zu, dass man ihn für einen Lord hält, wird aber vom Arzt durchschaut. | ||
| Erzählstruktur | ||
| In
acht Kapiteln werden vom Ich-Erzähler Stevens sechs Reisetage
durch Südwest-England beschrieben. Über die
Reise wird man nahezu lückenlos informiert; oftmals recht
zeitnah. Ob Stevens den Bericht aufschreibt oder einem fiktiven
Zuhörer erzählt bleibt offen. Er wird
gegenüber dem Adressaten seines Berichts oft
persönlich: "You will not dispute, I presume, that Mr Marshall
of Charleville House and Mr Lane of Bridewood have been the two great
butlers of recent times" (S. 50). Am Ende der Reise in Weymouth am
Kanal trifft er einen Unbekannten, der sich ebenfalls als Butler
entpuppt. Sie unterhalten sich nicht beim Feuer sondern im Schein der
Lampen am Pier. Daraus ergibt sich die folgende kunstvolle Verfremdungsstruktur: |
Autor
Kazuo Ishiguro schreibt den Roman The Remains of the Day
Nach: Dieter Ulm: Kazuo Ishiguro. The Remains of the Day, S. 56. Siehe |
| Der
unzuverlässige Erzähler siehe »unreliable narrator« unter Über das sehr viel längere Geschehen zwischen etwa 1922 bis zur Verleumdungsklage Lord Darlingtons 1946 informiert Stevens nur bruchstückhaft. An vielen Stellen kennt er die zeitlichen Zusammenhänge nicht mehr genau. So schwankt er bezüglich des Moments, wo er vor der Tür von Miss Kenton steht und nicht eintritt, da er vermutet, dass sie weint. Andrerseits zitiert er manche Reden der versammelten Größen lang und wörtlich. Das läßt an ihrer korrekten Wiedergabe zweifeln. Zudem liegt es in Stevens' Charakter, dass er seine wahren Absichten und Gefühle nicht zeigt. Typisch ist wieder die Entlassung der beiden jüdischen Hausangestellten. Nachdem Lord Darlington seinen Fehler einsieht, bekennt auch Stevens gegenüber Miss Kenton, dass er dagegen war. Einerseits gesteht der Erzähler oft seine Unsicherheit bezüglich des Ablaufs ein, andrerseits überschätzt er seine Wirkung und Wichtigkeit noch öfters. Er meint, er habe einen Beitrag zur Geschichte geleistet (S. 207) und ist stolz darauf, dass in seinem Arbeitsfeld die mächtigsten Männer Europas über das Schicksal des Kontinents beratschlagt haben (S. 328). Selbst im Persönlichen erliegt er starken Illusionen. Seine Vorstellung über Miss Kenton: "I happen to know for a fact that she has no wish for a family" (S. 249) erweist sich als falsch. Für viele Aktionen sucht Stevens nach Gründen, die seiner Professionalität dienen. Über die wahren eigenen Gründen ist er sich oft nicht im Klaren und er läßt die anderen darüber im Unklaren oder täuscht sie sogar. Als ihm Farraday seinen Ford für eine Reise überlassen will, schiebt Stevens einen beruflichen Grund vor, um anzunehmen (S. 22). Nett ist, dass er dabei den Leser mit ins Boot nimmt: "you will perhaps understand that there was a natural tendency on my part [...] to hint that there was a good professional motive behind my request" (S. 22). |
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| "Ishiguro often uses this technique of
narrators falsifying history and inventing parallel stories to save
themselves from shame or as a way of implying criticism" (S. 165) "There is an exiled or alienated narrator recalling his or her past in a manner which conceals part of the truth and which the reader suspects is a way to make shame or guilt acceptable. While Ishiguro plants clues the story is incomplete, fragmentary, and the ending unresolved, although the telling proves consolation to the narrator" (S. 167) Bruce King: The Internationalization of English Literature. The Oxford English Literary History. Vol. 13. 1948 – 2000. Oxford: Oxford UP, 2005 | |
| Stil | |
Der unzuverlässige Erzähler dient als Technik der
"suggestiven Reduktion" (dazu gleich mehr), um Lücken zu
erzeugen. Kazuo Ishiguro
in einem Interview:
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| Discrepancy
of Awareness Indem der Leser die Unzuverlässigkeit des Erzählers durchschaut und durch die Technik der "suggestive Reduktion" ergibt sich eine reizvolle Schere zwischen der Wahrnehmung durch den Erzähler Stevens und dem Leser, eine »discrepancy of awareness«. Diesen Effekt kennt man hauptsächlich vom Theater: der Zuschauer sieht mehr als die handelnden Personen. Stevens würde sich selbst kaum eine starke Servilität oder Ignoranz zuschreiben. Wer sich selbst belügt, versucht in seinem Bericht etwas zu verbergen, enthüllt aber damit gleichzeitig für den aufmerksamen Leser. Während sich Stevens seine Mitschuld nicht eingesteht, tritt sie für den Leser hervor. Dazu ist aufschlußreich: Amit Marcus: "Kazuo Ishiguro's The Remains of the Day. The Discourse of Self-Deception", siehe |
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| Ishiguro hält während
des gesamten Roman das
geschraubte, devote
Butler-Englisch durch. Das führt zu
mancher Schmunzelsituation, wie unter Die moderne Kurzgeschichte zeichnet sich oft durch "suggestive Reduktion" (Leonie Marx: Die deutsche Kurzgeschichte) aus. Moderne Autoren wenden diesen Stil auch in (kurzen) Romanen an. Neben Kazua Ishiguro im vorliegenden Fall denke ich besonders an Paula Fox ( Durch die Auslassung wird der Leser gefordert oder zumindest werden ihm die Freiräume eröffnet um seine geistige Mitarbeit anzustacheln. Typisch dafür sind die nachfolgenden beiden Offenes Ende Wie Kurzgeschichten der oben geschilderten Art hat auch The Remains of the Day ein offenes Ende. Zwar hat Stevens auf seiner 6-Tagesreise einiges gelernt und er nimmt sich einiges für seine Zukunft – für den Rest seines Tages – vor. Stevens sieht kurz klar: "I can't even say I made my own mistakes. Really – one has to ask oneself – what dignity is there in that?" Sein Gesprächspartner rät ihm den Rest des Tades zu nutzen. Doch Stevens scheint in die alten Bahnen zu fallen und stellt alles wieder in den Dienst seiner Professionalität und Unterordnung: "I will begin practising with renewed effort. I should hope then, that by the time of my employer's return, I shall be in a position to pleasantly surprise him" (S. 350). | |
| Zwei Interpretationsmöglichkeiten | |
| Man
kann The Remains of the Day
durchaus auf einer personalen Ebene lesen. Viele interpretieren es aber auch global als Metapher für den Zusammenbruch des British Empire. Der Zweite Weltkrieg steht zwischen den beiden Zeitebenen mit ihm ein entscheidender Wandel. Anschliessend fiel das britische Commonwealth in lose Stücke. Den Endpunkt setzte die Suezkrise im Jahr 1956, die zweite Zeitebene. Man kann The Remains of the Day auch noch enger, aber global, als postkoloniale Allegorie ( Stevens und die Dienerschaft stehen für die abhängigen Länder im British Empire. Durch Anpassung (Thema!) fuhren manche Empire-Länder oder zumindest eine Schicht dort ganz gut. Europäische Wertvorstellungen wurden übernommen. Gerade dafür ist Japan das Paradebeispiel. Doch dann wird Darlington Hall an Mr Farraday verkauft. Die Abhängigen erkennen, dass sie mit ihrer Anpassung einen hohen Preis bezahlt haben. Es ist aber nicht leicht, diese Erkenntnis umzusetzen: Die Weltherrschaft wird von den USA übernommen. | |
| Fazit | |
| Zeitlose
Geschichte
von unten durch die Aufzeichnung eines englischen Butlers The Remains of the Day kann auf verschiedenste Arten gelesen werden: Charakterstudien bis zum Zerfall des British Empire. Das und ein makelloser Stil ergeben einen großartigen Roman. | |
| Preise | |
| 1989
Booker
Prize - 1989 Irish Times International Fiction Prize (shortlist) - | |
| Vergleichsliteratur | |
| Alan Duff: Once Were Warriors | |
| Graham Swift: Waterland | |
| GB
im Zweiten Weltkrieg: | |
| Literatur von /
über ethnische Minderheiten in Großbritannien Adichie, Chimamanda Ngozi: Purple Hibiscus (2003) – ––– Half of a Yellow Sun (2006) Dabydeen, David: The Intended Desai, Kiran: The Inheritance of Loss (2006) Kureishi, Hanif: The Buddha of Suburbia (1990) ––– The Body Andrea Levy: Small Island (2003) – Naipaul, V.S.: A House for Mr Biswas (1961) ––– A Bend in the River (1979) ––– A Way in the World (1994) Rushdie, Salman: Midnight's Children (1981) ––– The Satanic Verses (1988) Smith, Zadie: White Teeth (1999) ––– The Autograph Man (2002) ––– On Beauty (2005) – | |
| Links | |
| Versailler
Vertrag: | |
| Was vom Tage übrig blieb [The Remains of the Day]: Spielfilm | |
| Postkoloniale Literatur | |
| Literatur |