| David
Herbert Lawrence: Mr Noon London: Penguin 1996, 316 Seiten |
| In diesem stark autobiografischen
Roman erzählt D.H.Lawrence - sein Lady Chatterley's Lover
kennt jeder - die Geschichte eines englischen Lehrers, der sich aus der
Mittelmäßigkeit zu befreien sucht. Im ersten Teil hat Lehrer Gilbert
Noon verschiedene Affären. Der Maßregelung durch das Lehrerkollegium
kommt er zuvor, indem er seinen Abschieb nimmt. Der zweite Teil spielt meist in Deutschland. D.H.Lawrence verarbeitet hier seine eigenen Erlebnisse mit Frieda von Richthofen. Die gemeinsame Reise gipfelt in ihrer Überquerung der Alpen. D.H.Lawrence spricht oft den Leser mit "gentle reader" direkt an. Dies erscheint heute merkwürdig. Der erste Teil fesselt durch spannende Milieuschilderung. Der zweite Teil startet vielversprechend. "The sun was shining brightly when Mr Noon awoke in his bedroom in the ancient and beer-brewing city of Munich, capital of Bavaria, queen of the lovely southern lands of Germany." Doch dann läßt das ewige Hin und Her in der Gilbert-Johanna-Beziehung Langweile aufkommen. Erst mit dem Beginn der Alpenreise im Kapitel "Over the Hills" wird es wieder aufschlußreich. Das Paar kann noch ungestört in Heustadeln schlafen. Im Wirtshaus hängt ein Bild des Kaisers Franz Joseph von Österreich. Die von mir bisher geglaubte bayerische Königstreue wurde schwer erschüttert. Ich kannte dieses Buch über 53 Jahre lang nicht und wurde dann innerhalb weniger Monate mehrfach darauf aufmerksam.
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