| William
Golding: Lord of the Flies. Educational Edition [Herr der Fliegen]. London: Faber and Faber, 1962. Broschiert, 272 Seiten |
| Schon vor Jahren legte ich Goldings Lord of the Flies nach etwa 70 Seiten als zu langweilig weg. Jetzt las ich es ganz kann aber die Begeisterung der Kritik nicht teilen. |
| Eine Gruppe sechs- bis
zwölfjähriger englischer Schuljungen (die genaue Anzahl blieb mir
unbekannt; auch die Buben selbst wußten es nicht, wie sie an einer Stelle
einander gestehen) überlebt einen Flugzeugabsturz auf einer unbewohnten
Insel. Anfangs glauben sie daran bald herausgeholt zu werden: sie vertrauen
voll auf die Eltern und auf die Möglichkeiten der Technik sie zu orten.
Sie wählen Ralph als Anführer und organisieren sich durch
"Vollversammlungen" zur Diskussion. Das Leben sieht zunächst nach Spiel
und Spaß aus, zeigt aber schon bald die Tücken. Zum ersten Mal als
den Holzstoß für ein Feuer entzünden wollen (s. 52). Mit Hilfe
der Brille Piggys können sie das Feuer entfachen. Piggy spricht mit Akzent
und ist die gelungenste Figur des Romans. Er ist dick und wurde daher schon auf
der Schule als "Piggy" verspottet. Tollpatschig (vielleicht auch unbewußt
berechnend um Aufmerksamkeit zu erhalten) gibt er seinen Spitznamen preis. Sein
Verlangen nach Mitgefühl, sein Drang es den anderen gleich zu tun wird
durch sein Astma und seine Art gedämpft. Es passiert gerade das Gegenteil:
er wird verspottet, muß ständig Nachteile in Kauf nehmen und das
alles, obwohl Piggy meist am besten durchblickt. In der Krisensituation, als
Jacks Gruppe das Feuer gestohlen hat, behält Piggy die Ruhe. Er
übernimmt das Muschelhorn, das ihnen als Sprachrohr dient (S. 210). Ralphs
Hauptsorge ist ein Feuer, damit vorbeifahrende Schiffe den Rauch wahrnehmen.
Jack, der bald zum Gegenspieler wird, gibt der Jagd nach Nahrung Vorrang. Auf
der Insel wachsen Früchte und leben Wildschweine. Dann wird ein Untier
entdeckt, von dem man zunächst nicht weiß, ist es Traum oder
Realität. Golding schildert einen Fallschirmspringer (wo immer dieser
herkommen mag bleibt sein Geheimnis), der sich im Gestrüpp der Insel
verfängt und wohl tot ist. Die Schweinejagd wird zur Jagd nach dem
"beast", die Rivalitäten eskalieren, es kommt zu Ritualmorden. Für Golding liegt das Böse im Menschen gemäß der Maxime von Thomas Hobbes: "Homo homini lupus est" ( William Golding verfügt über eine treffende, abwechslungsreiche Sprache. Vielleicht weil ich seiner Grundmaxime nicht folgen kann, vielleicht auch, weil der Autor es zu wenig schlüssig darstellte: mich überzeugte einiges am Geschehen nicht. Die Aufspaltung in zwei Gruppen nahm ich hin, aber daß sie gleich (ohne erkennbaren Anlaß) so spinnefeind sind, erscheint mir herbeigeholt. Daß zwölfjährige Zivilisationskinder in Opferrituale ausrasten erscheint mir ebenfalls zu konstruiert. Bis zum Schluß beharren sie auf den längst über Bord geworfenen Vereinbarungen, so wenn Piggy die zwei verfemten Gruppen zu einer Versammlung einberufen will (S. 216). Golding hielt sich an Vorläufer der Robinsonliteratur ( Mich packte der Roman, trotz seines reißerischen Inhalts nicht. |
| Lord of Flies ist Beelzebub; im Arabischen bedeutet Baal-Zebub: der Herr der Fliegen (S. 259) |
| Sir (seit 1988)
William Gerald Golding 19.9.1911 Saint Columb Minor (Cornwall) 19.6.1993 Perranarworthal (Cornwall) 1983 Nobelpreis für Literatur |