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McEwan
Ian McEwan: Black Dogs
London: Picador, 1993. 174 Seiten – McEwan LinksMcEwan Literatur
Den ersten Pluspunkt erntet Ian McEwan mit dem Motto für Black Dogs, ist es doch aus einem Brief Marsilio Ficinos (Ficino Marsilio Ficino) aus dem Jahre 1475.
June und Bernard Tremaine machen 1946 ihre Hochzeitsreise nach Italien und Südfrankreich. Eine furchtbare Begebenheit senkt sich für immer auf das Leben Junes. Sie berichtet im ersten Teil des Romans "1 Wiltshire" darüber ihrem Schwiegersohn, dem Ich-Erzähler Jeremy. Während der spannend geschilderten Sterbebegleitung durch Jeremy deutet June die Begebenheit mit den schwarzen Hunden nur an. Sie erzählt vieles über ihr Verhältnis mit Bernard. In den beiden Mittelteilen "2 Berlin" und "3 Majdanek, Les Scales and St Maurice de Navacelles 1989" sorgt sich Bernard über die aus Junes Bekenntnissen durch Jeremy geplanten Memoiren. Erst im letzten Teil "4 St Maurice de Navacelles 1946" lüftet McEwan das Geheimnis um die Begegnung mit den schwarzen Hunden.
Thematik
Der Roman Black Dogs erschloss sich mir nur teilweise. Die beiden Mittelteile kamen mir etwas gesucht vor, sicher übersehe ich da etwas.
Gibt es wirklich so Schlüsselerlebnisse, die das Leben eines Menschen (June) prägen? Bernhard, der zwar dabei war als die schwarzen Hunde kamen, jedoch nicht unmittelbar, blieb davon unbeeindruckt.
June wird (dadurch?) zur Suchenden, dem Okkulten aufgeschlossen. Bernhard bleibt Rationalist. Er ist sich sicher, dass es kein Ziel in der Natur gibt, es sei denn vom Menschen hineingelegt. Dies bringt John Searle auf den Punkt: "All functions are observer-relative" (searle Zitate John Rogers Searle). Wen es juckt: dieser These stimme auch ich voll zu. Ganz anders June. Für sie hat das Leben einen vorherbestimmten Zweck, man musste diesen nur suchen (S. 20). Dagegen verwirft Bernhard auch später diese Position als Aberglauben.
"This belief that life really does have rewards and punishments, that underneath it all there's a deeper pattern of meaning beyond what we give it ourselves – that's all so much consoling magic." S. 80
Wieder stimme ich Bernhard zu. Doch McEwan mischt kleine Ereignisse ein, die Junes Haltung bestätigen: der sechste Finger an der Hand ihrer neu geboren Tochter; die Rettung von bernhard und Jeremy am Checkpoint Charlie durch zwei Frauen, eine davon sieht June ähnlich. In Berlin taucht mit einer Schlägertruppe ein Vexierbild zu dem chronologisch früheren, für den Leser aber erst später eingehend geschilderten Hunden auf.
Metapher der schwarzen Hunde
Die schwarzen Hunde wurden bei der Flucht der Nazis von der Gestapo in Frankreich zurück gelassen. Die Ausländerfeindlichkeit, die in Berlin 1989 wieder ausbricht, ist auch ein Übrigbleibsel (wenn das nicht zu verniedlichend ist) der Nazis.
Stil
Mich beeindruckte das erste Kapitel da es über viele Andeutungen und Abbrüche durch June eine erwartungsvolle Spannung aufbaut. Man möchte June oder Ian zurufen: »Los, erzähl es mir!« Darauf mußte ich bis zum letzten Teil warten. Hier wurde ich reichlich entlohnt. Ian McEwan dehnt die Begegnung mit den schwarzen Hunden ohne dass er die Spannung absacken lässt.
Zusammenfassung
Für Kapitel 1 und 4 trifft das überall zu lesende Lob für die Black Dogs zu. Das längere Vorwort des Ich-Erzählers und die beiden Mittelteile gaben mir nicht so viel, ich wußte nicht, wo's lang geht. Sie sind aber für den Bezug zur Gegenwart notwendig. Vielleicht beim zweiten Lesen?
Links
McEwan Autor Ian McEwan
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Ian McEwan: McEwanThe Official Ian McEwan WebsiteMcEwanContemporary WritersMcEwanliteraturschock 
McEwanLiterary EncyclopediaMcEwanLyrikweltMcEwanPostcolonial Studies at EmoryMcEwanWikipedia
McEwanAn Interview with Ian McEwan
McEwanHans-Christian Oeser als Übersetzer
McEwan Rezension Ian McEwan: Enduring Love
Literatur
Childs, Peter (2006): "Ca Suffit: Black Dogs (1992)". In: The Fiction of Ian McEwan. Palgrave Macmillan 2005, S. 90-103, siehe unter Abbitte Literatur bei Ian McEwan
Schemberg, Claudia (2004): Achieving 'At-one-ment': Storytelling and the Concept of the Self in Ian McEwan's The Child in Time, Black Dogs, Enduring Love, and Atonement. Frankfurt: Peter Land. Taschenbuch, 106 Seiten. Anglo-Amerikanische Studien Bd. 26
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McEwan McEwanIan McEwan: Black Dogs. Vintage 2004. Broschiert, 174 Seiten McEwan
Ian McEwan: Schwarze Hunde. Zürich. Diogenes, 1996. Broschiert. Hans-Christian Oeser, Übs. McEwan
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