| Zadie Smith: On Beauty London: Penguin, 2006. Broschiert, 445 Seiten [Von der Schönheit, Marcus Ingendaay, Übs.] |
| On Beauty ist ein Familienroman der jungen britischen Autorin Zadie Smith, die bereits mit den zwei Romanen White Teeth und The Autograph Man auf sich aufmerksam gemacht hatte. |
| Die Familie Belsey lebt in Wellington
nahe bei Boston. Mit einer Ausnahme in London spielt der gesamte Roman dort.
Jerome Belsey verknallt sich bei einem Aufenthalt in London in die Tochter
Victoria der Familie Kipps. Das Pikante: Howard Belsey und Monty Kipps sind
beide Universitätsprofessoren für Kunst und (fachlich) verfeindet.
Beide sind Experten für Rembrandt. Wie diese Feindschaft zustande kam wird
nicht genau gesagt: Kipps hat wohl ein Buch veröffentlicht, dass Howard
nicht passte. Etwas davon wird ziemlich am Ende in Howards Rede gelüftet
(S. 325-326). Wohl spielt auch ihre entgegengesetzte Haltung eine Rolle: Monty
ist erzkonservativ, Howard eher liberal. Howard fliegt sofort nach London um die Verbindung zwischen den Familien zu vereiteln. Doch es kommt anders. Kipps erhält einen Ruf an die Universität in Wellington und die beiden Ehefrauen Kiki Belsey und Carlene Kipps freunden sich an. Lesefreundlich führt Zadie Smith die Personen des Romans ein: wenn sie wieder auftreten erkennt man sie sofort. Für mich lag der Reiz von On Beauty in seiner Vielschichtigkeit. Es verfolgt das Romeo-Julia Motiv (oder wenn man will: West-Side-Story), es ist ein Universitätsroman, ein Familienroman und ein Bildungsroman. Da ich mich in den letzten Monaten mit Haiit beschäftigte, kam es gelegen, dass On Beauty wenn auch nur am Rande sich mit Haiti und den Exil-Haitianern beschäftigt. Der Leser verfolgt die Pläne der heranwachsenden Kinder aus beiden Familien. Ausserdem wagte Smith das literarische Experiment und legte die Handlung analog zu Edward M. Forster: Howards End (Wiedersehen in Howards End) an. Wie weit ihr das gelungen ist, kann ich nicht sagen: Howards End harrt noch meiner Lektüre. Die Kritiker lobten die Umsetzung. Die Analogie wird im Roman nie angesprochen, doch wird Forsters A Room with a View erwähnt (S. 298). Immerhin wagte Smith über gemischtrassige familien zu schreiben und muß sich dann natürlich an Richard Powers: The Time of Our Singing messen lassen. Die Dichte des Vergleichsromans erreicht sie nicht, doch sie braucht sich nicht zu verstecken. |
| Der Titel On Beauty wurde mir nicht klar. Schönheit spielt eine Rolle aber sicher keine zentrale. Vielleicht leitet er sich aus der Vorlage Howards End von E.M. Forster ab, siehe Rezension. |
| Letzlich zeigt der Roman, dass Verfeindungen dieser Art völlig belanglos sind, wenn sich die Menschen näher kennenlernen. Eine gewisse Versprengung der vielen Handlungsfäden ist kaum zu bestreiten. Das ändert aber nichts an einer glatten Leseempfehlung. |
| Anmerkung |
| "The wages of sin" (S. 211) "For the wages of sin is death", Romans 6:23 "Denn der Sünde Sold ist der Tod", Röm 6,23 |
| Links |
| Preise für On Beauty |
| Die Jahrgangsbesten 2006: in der Rubrik Schriftsteller/innen kam Zadie Smith mit "Von der Schönheit" auf Platz 1 (es folgen: 2. Daniel Kehlmann, 3. Sasa Sanisic); Kulturnews, Hamburg, 1/2007, S. 6 |
| Zadie Smith, * 27. Oktober 1975 in Willesden, London; englische Schriftstellerin |
| Vergleichsliteratur |
| Literatur |
| Tobias Heyl: "Das Gelb der Menschen. Zadie Smith dekonstruiert Schönheit". Süddeutsche Zeitung, 4.10.2006, S. 12 |
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| Zadie Smith: Von der
Schönheit. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2006. Marcus
Ingendaay, Übs. Gebunden, 517 Seiten
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