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Orwell
George Orwell: Animal Farm
[Die Farm der Tiere]. London: Penguin, 1989. 94 Seiten – Orwell LinksOrwell Literatur
Mr. Jones betreibt die Manor Farm irgendwo in England. Der alte Eber Major macht seinen Gefährten in einer langen Rede klar, dass sie ein schweres, arbeitsreiches und kurzes Leben führen und vor allem unfrei sind. Das müßte nicht so sein, doch das Problem sei der Mensch. Er teilt gleich die Lösung mit:
"Only get rid of Man, and the produce of our labour would be our own. Almost overnight we could become rich and free" (S. 5).
Zum Schluß gibt er durch die Hymne "Beast of England" die emotionale Untermauerung. Die zuhörenden Tiere sind überzeugt und verzückt. Die Gedanken des Ebers werden nach seinem Tod zu einem systematischen Gebäude, dem "Animalismus" ausgearbeitet. Durch Revolution wird aus Manor Farm die Animal Farm. Die dahinter stehende Theorie wird sofort auf sieben schlagkräftige Gebote verkürzt. Schon bald erhalten die Schweine und darunter besonders Kamerad Napoleon Privilegien. Ohne dass es die anderen Tiere merken übernimmt Napoleon diktatorisch das Ruder. Die neue Parole lautet:
"If Comrade Napoleon says it, it must be right" (S. 37).
Einstige Helden werden zu Sündenböcken, denn Herrschaft verlangt nach Feindbildern: der aus Animal Farm ausgeschlossene Mensch reicht dafür nicht. Die Beeinflußung und Indoktrinierung geht weiter. Die 7 Gebote werden ergänzt und abgeschwächt. Bald haben die Diktatoren freie Hand. es kommt zu Gewalttaten und Hinrichtungen. Der Personenkult um Napoleon ist schon so weit ausgebaut, dass man Napoleon gewähren lässt, ja ihm sogar zujubelt.
George Orwell beschreibt in einer Fabel (der ursprüngliche Untertitel war: "A Fairy Tale"; eher ist es eine Satire) das Scheitern der heilsversprechenden utopischen Theorien an einem praktischen Beispiel. Er hatte dabei die historischen Abläufe in Rußland - UdSSR im Auge. In der Sekundärliteratur werden einzelnen Tiere reale Personen aus dem Stalinistischen System zugeordnet.
Die Aktualität zeigt sich in der Metapher der Schiefen Ebene, die dem Geschehen zugrunde liegt. Fast unmerklich schlittert die an sich gute Idee in ein totalitäres Regime. Orwell zeigt die verschiedenen Methoden, wie Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Uminterpretation der Ideale, Fixierung auf einzelne Personen, Einlullung der übrigen Tiere durch Schlagworte, Alkohol, scheinbar humane Taten und Intrigen. Mit dem Auftreten der Gewalt ist der Punkt zur Abwehr oder Stopp längst überschritten. Der erste Schatten tritt schon früh mit dem Verschwinden der Milch auf (Ende Kap. 2, S. 16). es stellt sich heraus, dass diese bevorzugt die Schweine erhalten.
In Animal Farm exerziert der Autor viele Mechanismen (Geheimpolizei, Mitstreiter ausräumen bis zur Massenpsychose) despotischer Regierungen und Diktaturen durch. Offensichtlich wurde es noch von zu wenigen Leuten gelesen oder beherzigt. Man findet täglich Befürworter der Beschneidung persönlicher Freiheiten, ganz ähnlich begründet wie in Animal Farm.
Animal Farm sollte jeder mal lesen. Es ist ein Fanal gegen jede gewaltsame Revolution und gegen Heilstheorien.
Vergleichsliteratur
Als Gegengift empfehle ich:
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Links
OrwellGeorge Orwell Resources
OrwellGeorge Orwell, Wikipedia
Orwell100. Geburtstag
OrwellResources for Animal Farm
OrwellNovelGuide: Animal Farm
OrwellSummaries & Interpretations : Animal Farm
OrwellFarm der Tiere, Wikipedia
OrwellBenjamin W., Zürich 1982
Literatur
Eldarbary, Samir (1992): "Language as Theme in »Animal Farm«". The International Fiction Review 19:1, S. 31-38.
Jerôme von Gebsattel: "Animal Farm". Kindlers Literatur Lexikon S. 1045
Hiltrud Gnüg: Utopie und utopischer Roman, siehe Orwell Literatur
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orwell OrwellGeorge Orwell: Animal Farm. London: Penguin, 1996. Broschiert, 119 Seiten orwell
George Orwell: Animal Farm. Petersen, 2003. Broschiert, 95 Seiten Orwell
orwell OrwellGeorge Orwell: Animal Farm. Langenscheidt 2005. Broschiert: 107 Seiten Verlag. Lernmaterialien. Ronald Carter, Hg. orwell
George Orwell: Animal Farm. Interpretationshilfen. Longman, 2002. Broschiert, 104 Seiten. Lernmaterialien. Wanda Opalinska, Hg. Orwell
orwell OrwellGeorge Orwell: Animal Farm. Sparknotes 2003. Taschenbuch, 64 Seiten orwell
George Orwell: Farm der Tiere. Ein Märchen. Zürich: Diogenes, 2002. Broschiert, 144 Seiten. Michael Walter, Hg. Orwell
orwell OrwellGeorge Orwell: Farm der Tiere. Bange 2003. Königs Erläuterungen. Reiner Poppe, Hg. Broschiert, 84 Seiten orwell
George Orwell: Animal Farm - Farm der Tiere. Inhalt - Hintergrund - Interpretationen. Mit Info-Klappe. München: Mentor, 2006. Rüdiger Hermes, Hg. Broschiert, 64 SeitenOrwell
gnueg Orwell Hiltrud Gnüg: Utopie und utopischer Roman. Ditzingen: Reclam, 1999. Broschiert, 269 Seiten  
popper OrwellKarl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde I. Studienausgabe. Der Zauber Platons. Hubert Kiesewetter, Hg. Tübingen: Mohr Siebeck, 2003. Broschiert, 524 Seiten popper
Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde II / Studienausgabe. Falsche Propheten Hegel, Marx und die Folgen. Hubert Kiesewetter, Hg. Tübingen: Mohr Siebeck, 2003. Broschiert, 575 Seiten Orwell
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