| Michael
Frayn: Spies [deutsch: Das Spionagespiel]. New York: Henry Holt, 2002. 261 Seiten – |
| Stephen
Wheatley kehrt als alter Mann in die
englische Kleinstadt, besser: die Strasse "Close" zurück.
Er sinniert über die Ereignisse, die sich während des
Krieges ergaben, als ihm sein Schulkamerad Keith eröffnet,
dass Keiths Mutter eine deutsche Spionin ist. In einem typischen
Jugendspiel observieren sie die vermeintliche Spionin, entdecken
sonderbare Sachverhalte, forschen in deren Terminkalender. Stephen ist
offensichtlich ein Aussenseiter in und ausserhalb der Schule. Nur die
verdächtige Mutter wendet sich ihm zu. So schwankt Stephen
zwischen dem Geheimniseid, den er in echter Jungen-Manier seinem Freund
Keith gab und der freundlichen Mutter. Auch ein gleichaltriges
Mädchen, Barbara, will eingeweiht werden. (Das Alter der Kinder wird
nie genannt). Frayn zeichnet seinen Protagonisten als leicht beeinflussbar. Insbesondere bei Keith, der in einem anscheinenden besseren Haushalt (als seinem eigenen - dieser bleibt recht blaß) aufwächst, will er gut dastehen. Stephen idealisiert Keith förmich: "I watch him. He's ignoring my dull suggestions about the viaduct, of course, since it came from me and not from him" (S. 158). Ganz allmählich zeichnet sich ab, was hinter den heimlichen Treffen der Mutter steht. Frayn wartet mit einer – von mir nicht erahnten Lösung – auf. |
| Stil |
| Die fünf
Hauptpersonen - Stephen, Keith und dessen Eltern, Barbara - entstehen
lebendig vor dem Leser. Man sitzt daneben, wenn die beiden Kinder in
ihrem selbst gebauten Versteck die Strasse beobachten. Man tappt mit,
wenn sie im Dunkeln die Mutter verfolgen. Die anderen Personen wirken
dagegen flach. Die Beziehungen zwischen den Kindern werden
eindrucksvoll beschrieben. So über Keith: "He says nothing. He
hardly speaks to any of the other children in the Close, never to
girls, and certainly not to Barbara Berrill" (S. 86); die unter den
Erwachsenen in der Strasse kommen dabei kürzer weg;
ausgenommen die Eltern Keiths. Die einzelnen Erzählabschnitte überhöht Frayn theatralisch. Er kündigt ganz entscheidende Wendungen an, die der Leser nicht nachvollziehen kann. Ein Beispiel: "The world has changed yet again. And again I think, forever" (S. 236). Das erschien mir manieriert, da es zu oft kommt und zu oft enttäuscht wird. |
| So sehr die elegante,
reichhaltige und pointierte Sprache zu loben ist, so zieht sich die
Handlung doch wie ein Kaugummi. Auch wenn dieser immer seinen Geschmack
behält. Für mich gab es ausser vagen Andeutungen zu
wenig handfeste Spuren. Die Lösung kommt überraschend
(was ja nicht schlecht ist) und gleich massiv: Frayn hinterlegt eine
Familienhintergrundstory aus dem Blauen. Das ominöse Wort "Lamorna" erschloß sich mir nicht. Bezüge zu einem Ort (in Cornwall) oder einer Person (Kunstmaler) oder einem Rebus mit "anormal" konnte ich nicht herstellen. |
| Spies überzeugt durch Sprache und die Perspektive des Kindes. Keith und Stephen werden in eine abenteuerliche Erwachsenengeschichte hineingezogen. Der Leser wird mitgezogen. Die mangelnden Hinweise während des Romans holt Frayn auf den letzten Seiten etwas üppig nach. |
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| Michael
Frayn: Das
Spionagespiel. München: Dtv, 2006. Taschenbuch, 224
Seiten.
Matthias Fienbork, Übs. |
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