| Andrea
Levy: Small Island
[Eine englische Art von Glück] London: Review, 2005. Taschenbuch, 544 Seiten. – |
| Hortense reist 1948 ihrem Gatten Gilbert
Joseph nach London nach. Beide sind Jamaicaner. Sie findet ihren Gemahl
im Haus der Engländerin "Queenie" Buxton. Sie fühlt
sich nicht willkommen, die Wohnverhältnisse sind
schäbig (um einen stärkeren Ausdruck zu
vermeiden). Zum Schock der fremden Kultur kommt diese
persönliche Erniedrigung; Hortense empfindet es so. Queenies
Ehepartner ist im Krieg verschollen. In zahlreichen Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven entfaltet sich ein dichtes Geflecht zwischen den beiden Ehepaaren Hortense – Gilbert und Queenie – Bernard. |
| Zum
Spannungsverhältnis der weißen, sich
überlegen fühlenden Engländer kommt die
Dramatik des Weltkrieges und dem sich anschließenden
Rückzugsgefecht um Burma (nebenbei: Indien und
Malaysia). Gilbert diente im 2. Weltkrieg in der RAF, was aber seine
spätere Diskriminierung ohne Uniform nicht verhindert. Levy wählte klugerweise eine Situation vor 60 Jahren. Doch die teilweise Verarmung der ehemaligen Kolonialländer des British Empire und die spätere Globaliserung zwingen zu Vergleichen mit der Gegenwart, auch in Deutschland. |
| Der
Autorin gelang es die vier Hauptakteure punktgenau und
zwiespältig zu charakterisieren. Doch selbst die Nebenfiguren
(köstlich das Zwillingspaar Kenneth und Winston) sind farbig
(Doppeldeutigkeit ist beabsichtigt). Erst durch eine Besprechung wurde
mir bewußt, daß man die (für mich)
sympathische Hortense auch anders lesen kann: "Hortense, for instance, is the least sympathetic character. Brought up with the consciousness that her »golden skin« makes her a superior creature in a country of darker skins, she is a village snob, insecure, narrow-minded, and more or less ignorant", meint Mike Phillips im Guardian (Links). |
| Der teilweise dramatische Roman ist humorvoll: der Witz ergibt sich aus kuriosen Situationen oder durch Wortgeplänkel. Zweimal schien mir die Autorin das Erzählseil etwas durchhängen zu lassen. Aber was hätte man kürzen können? Jemand anders schätzt vielleicht gerade die Szenen in London unter deutschen Bombenangriff (die mir trotz aller Brisanz schwächer vorkamen). Dafür sind die Kapitel 50 und 52 erzählerische Juwelen der Begegnung im British Commenwealth. |
| Die
Eingangsszene von Hortenses Ankunft in London erinnerte mich an den
Beginn von Stranger
than Paradise von Jim Jarmusch
( |
| Small Island heißt der Roman original und das spielt sowohl auf Jamaica als auch auf England an. Besonders auch auf die durch den Wegfall es Britischen Empire um 1948 kleiner werdende Insel. "Island" spielt auch auf "isolation" an. Der deutsche Titel wurde – wieder einmal – schief. Mit dem "Glück" überliest man zu leicht das relativierende "eine Art". |
| Hervorragender
Roman zur Begegnung
von zwei Kulturen. Levy vermied gut die Gefahr der
Überladung bei mehr als 500 Seiten.
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| Anmerkungen |
| S.
43: "I wander'd lonely as a cloud ..." ist die erste Strophe
von William
Wordsworth: "Daffodils", siehe S. 67: "Once more unto the breach, dear friends, once more", aus William Shakespeare: Henry V. V. 3.44 |
| Vergleichsliteratur |
Kiran Desai: The Inheritance of Loss |
| Links |
| Andrea Levy |
| Rezensionen |
Hans-Peter Kunisch: "Jamaika im Ohr. Andrea Levys Roman »Eine englische Art von Glück«". Süddeutsche Zeitung 25.7.2007, S. 14 |
| Preise |
| Literatur |
| Perfect, Michael (2010): "“Fold the paper and pass it on”: Historical silences and the contrapuntal in Andrea Levy's fiction". Journal of Postcolonial Writing 46:1, S. 31-41. |
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| Andrea
Levy: Eine englische
Art von
Glück. Eichborn, 2007. Bernhard Robben,
Übs. Gebunden, 560 Seiten |
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