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Lewis
C.S. Lewis: The Screwtape Letters
Harper Collins 2001. Taschenbuch, 224 Seiten – C.S. LinksC.S. Literatur
Lewis wagte 1941 ein interessantes Experiment: in 31 Briefen gibt Screwtape, ein Teufel aus dem mittleren Höllenmanagement, dem teuflischen Anfänger Wormwood, Screwtapes Neffe, Anweisungen. Wormwood soll einen Kunden nachhaltig für die Hölle gewinnen. Die dazwischen liegenden Erfolgsberichte des Lehrlings an seinen Meister liest man nicht, kann sie aber aus den Antworten erschließen.
Das Experiment glückt auf mehreren Ebenen.
• Inhaltlich: Es gelingt Wormwood so zu instruieren, dass der Leser – der besonderen Absicht der beiden Briefschreiber bewusst – herausliest, was man vermeiden sollte um auf die schiefe Bahn zu kommen,
• Psychologisch: den Gedanken Screwtapes unterliegen diskutable psychologische Einsichten,
• Unterhaltend, da man das alles nicht ohne Augenzwinkern lesen kann,
• Poetisch, da Lewis' als gewiefter Fantasyautor eine fast lyrische Sprache pflegt.
Vorteilhaft (wenn auch nicht notwendig) ist eine Kenntnis der Position Lewis' zu Gott, Religion und Christentum. Ich skizziere kurz seine originelle Haltung zur Gottesfrage.
Lewis lehnt einen Schluss von der äußeren Welt auf einen Schöpfer ab. Stattdessen beruft er sich auf die Natur des Menschen. Auf drei Weisen – die nur den Menschen eigen sind – meint er daraus auf eine transzendete Größe folgern zu können:
• das moralische Gesetz in uns: daraus schließt Lewis auf ein Naturgesetz in dem Sinne, dass es zwar nicht zwingend einzuhalten ist (wie "normale" Naturgesetze), aber vorgegeben wurde. Es ist allen Menschen zugänglich: ➝ Gott
• die Vernunft ist Teil oder Abglanz einer transzendenten Vernunft: ➝ Gott
• Freude, Verlangen nach einer transzendenten Erfahrung, die ihren höchsten Ausdruck in der imaginierten Vereinigung mit Gott oder Erkenntnis von Gott findet: ➝ Gott
Daraus erschließt sich eine Verbindung des religiösen Glaubens mit Vernunft und gerade kein emotionaler, schwelgerischer Glaube. Screwtape weist Wormwood folgerichtig an, seinen Kunden nicht mit vernünftigen Argumenten zu ködern, sondern in eine Art Duselzustand zu bringen: Der sicherste Weg zur Hölle ist der allmähliche (12. Brief).
Etwas unüberlegt ist der Tod des Kunden durch deutsche Bomben. Für die Höllenmanschaft ist er verloren und seine Seele zieht ins Reich des Feindes ein. Damit wird die Bombardierung nützlich aufgewertet. Verallgemeinert: im richtigen Zustand ist der Tod wünschenswert, da er die ewige Seeligkeit garantiert. Genau das ergab den 11. September.
Screwtapes Anweisungen sind strategisch klar und zielbewußt. Sie sind in diesem Sinne keineswegs diabolisch. Es ist ein kleines Manko der Screwtape Briefe, dass die Ankündigung des Autors im Vorwort – soweit ich es sehe – nicht realisiert wurde. C.S. Lewis warnte dort davor, dass der Teufel ein Lügner sei und man sollte nicht alles – selbst von seinem Blickpunkt aus – als wahr hinnehmen. Dazu hätte ich erwartet, dass Screwtape seinen Lehrling belügt, so dass dessen Kunde ins andere Lager getrieben würde oder Wormwood selbst "gute" von "gelogenen" Ratschläge trennen müßte. Das hätte die Briefe kniffliger gemacht, andrerseits wäre dann Lewis' erzieherische Mission arg gefährdet geworden. Er verzichtete darauf.
Zum Vergleich
Mit Voltaire: Candide oder Der Optimismus liegt seit langem eine Satire mit religiösem Hintergrund vor. Voltaire wollte damit gewisse Vorstellungen, besonders von Leibniz, persiflieren. Die Kriegsgroteske Joseph Heller: Catch-22 kann man als eine lange Anweisung verstehen den Krieg zu überleben ohne daran teilzunehmen oder das groteske Geschehen mit eigenen Mittel zu unterlaufen. C.S. Lewis mockierte sich über die Bürokratie in der Unterwelt und warnte: "Do not let us be infected by our own propaganda" (28. Brief). Joseph Heller zog die militärische Bürokratie gehörig durch den Kakao. Zu beiden siehe C.S. Vergleichsliteratur.
Fazit: Amüsante und höchst empfehlenswerte Lektüre.
C.S. Lewis
kann leicht mit C.I. Lewis verwechselt werden.
LewisClive Staples Lewis (18898–1962): Schriftsteller, Literaturwissenschaftler, Philosoph
LewisClarence Irving Lewis (1883–1964): Logiker, Philosoph

Was verbindet C.S Lewis mit John F. Kennedy und Aldous Huxley?
† 22. November 1963 in Oxford, England
† 22. November 1963 in Dallas, Texas
† 22. November 1963 in Los Angeles, USA
Anmerkungen
"... where Virtue is concerned »experience is the mother of illusion«" (28. Brief).
Hier jubeln manche, doch überlesen sie den Vorsatz. Der große Philosoph, den Lewis hier zitiert, ist Immanual Kant, den ich im Kontext zitiere:
Denn in Betracht der Natur gibt uns Erfahrung die Regel an die Hand und ist der Quell der Wahrheit; in Ansehung der sittlichen Gesetze aber ist Erfahrung (leider!) die Mutter des Scheins und es ist höchst verwerflich, die Gesetze über das, was ich tun soll, von demjenigen herzunehmen, oder dadurch einschränken zu wollen was getan wird
Kritik der reinen Vernunft, A319-319; B375
Kant warnt hier vor dem Sein-Sollen Fehlschluss (C.S. Links). Das Buch, das die Teufel weitgehend unschädlich gemacht haben wollen (28. Brief), ist also: Kritik der reinen Vernunft. Da meine ich übertreibt Screwtape, weder den Teufeln noch anderen Widersachern Kants gelang dies.
Rezeption
The Screwtape Letters wurden in der Kriegszeit gut aufgenommen. "A literary gem, applying religion to social problems of today", urteilte Edgar S. Brightman in Journal of Bible and Religion 11:4 (1943), S. 230.
Der Rezensent C.E.P. stellt die Verbindung zwischen den Screwtape Letters und der Bergpredigt her: "Mt 5:3-Lewis 7I,I22 (humility); Mt 5:2Iff,43ff-Lewis ch.XIX (love versus hate); Mt 6:Io-Lewis 34 (Thy will be done); Mt 6:2I- Lewis 37 (heart-will); Mt 7:I3-Lewis 65 (strait vs. narrow ways); Mt 7:I2-Lewis Io8ff, I3Iff (mutuality vs. selfishness)". Die Seitenangaben beziehen sich auf die 160-seitige Originalausgabe. Journal of Bible and Religion 12:1 (1944), S. 65.
Links
LewisAn Archival Treasure of Resources by and about C. S. Lewis
LewisC.S. Lewis Quotations, leider ohne Quellenangabe
C.S. Sein-Sollen Fehlschluss
C.S. Erik J. Wielenberg: God and the Reach of Reason: C.S. Lewis, David Hume, and Bertrand Russell
LewisBruce Russell reviews Erik Wielenberg's God and the Reach of Reason
Vergleichsliteratur
C.S. Joseph Heller: Catch-22
Mark Twain: Briefe von der Erde [Letters from the Earth]
C.S. Voltaire: Candide oder Der Optimismus
Literatur
Bendicks, Christina: Die Apologie des Christentums bei C. S. Lewis und ihre möglichen Auswirkungen auf die religionspädagogische Praxis. Universität Hamburg, Institut für Praktische Theologie, 2000. Examensarbeit.
Kathöfer, Jochen: Teufelsgestalten bei Marlowe, Goethe und Lewis. Universität zu Köln, Institut für deutsche Sprache und Literatur, 2002. Examensarbeit.
Meissner, W.W.: "Ignatius and Screwtape on Discernment: A Psychoanalytic Reading". Archive for the Psychology of Religion / Archiv für Religionspychologie 26:1 (2004). S. 75-116.
Painter, Rebecca M.: "Sympathy for the Devil? A Historical Tour of Literature and Cultural Representation". In: Anna-Teresa Tymieniecka, Hg.: The Enigma of Good and Evil; The Moral Sentiment in Literature. Dordrecht: Springer, 2005. Analecta Husserliana 85. S. 65-76.
Stutz, Chad P.: "No »Sombre Satan«: C. S. Lewis, Milton, and Representations of the Diabolical". Religion and the Arts 9:3-4. (2005). S. 208-234.
Walsh, Chad: "Aldous Huxley and C.S. Lewis. Novelists of Two Religions". Journal of Bible and Religion 14:3 (1946). S. 139-143.
Wells, F. L.: "The Beans of St. Botolph's and Other Letters to Screwtape (1)". American Imago; a Psychoanalytic Journal for the Arts and Sciences 5 (1948) S. 38-64.
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Lewis Lewis C.S. Lewis: Dienstanweisung für einen Unterteufel. Freiburg: Herder, 2008. Taschenbuch, 139 Seiten Lewis
C.S. Lewis: The Screwtape Letters: With, Screwtape Proposes a Toast. Harper Collins 2001. Taschenbuch, 224 Seiten Lewis
Lewis Lewis C.S. Lewis: The Screwtape Letters: Letters from a Senior to a Junior Devil. Harper Collins 1998. Taschenbuch, 192 Seiten
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 13.10.2008