| John
Burnside: Glister [deutsch: Glister, Bernhard Robben, Übs.] London: Vintage, 2009. Broschiert, 254 Seiten – |
| Nach
meiner begeisterten Lektüre von The
Devil's Footprints. a romance (deutsch: Die Spur
des Teufels; siehe |
| Der Stadt Innertown hat die Industrialisierung durch
ein Chemiewerk
(genau erfährt man nie, was produziert wurde) Prosperität gebracht.
Doch
das ist längst vorbei. Nachdem das Werk geschlossen wurde blieben
zahlreiche verseuchte Gegenden und Wunden (in der
Landschaft, in den Menschen), Tote und Kranke. Brian Smith beherrscht
anscheinend die Stadt, bleibt aber im Hintergrund. Er hat sich den ihm
genehmen, schwachen Polizisten John Morrison eingesetzt. Obwohl im Laufe von Jahren schon fünf Kinder verschwanden, unternimmt Morrison nichts. Er pflegt im Wald einen Hain zum Gedenken an die Entschwunden. Auch sonst kümmert sich niemand um die Vorkommnisse: die Familien sind kaputt, die Infrastruktur scheint so halbwegs zu funktionieren, das Verschwinden wird hingenommen |
| Zur Hoffnungsfigur wird der 15-jährige Leonard Wilson, der im langen Mittelteil "Et in Arcadia" Ich-Erzähler zu Wort kommt. Er schließt sich mehr oder weniger gezwungen einer Jugendgang an und sie "besuchen" den Außenseiter Andrew, der mit siechem Vater abseits wohnt. |
| Ob am Schluss Beelzebub selbst als Rächer auftritt und sich das Loch zur Hölle auftut: man weiß es als Leser nicht genau. |
| Ziemlich
zu Beginn redet uns der Autor
eine Schlüsselszene ein: Nach dem Verschwinden des ersten
Kindes wendet sich Polizist Morrison an den Dunkelmann Brian Smith "and
made the worst mistake he could have made" (S. 32). Wie so oft wird
dazu nichts erklärt. So könnte es gewesen sein: damit unterwirft sich
der ratsuchende Morrison dem Strippenzieher Smith. Das Verschwinden
dieses Kindes und aller folgenden wird vertuscht. Beides ist nun keineswegs zwangsläufig: ich kann jemand um Rat fragen und trotzdem eigenständig entscheiden; ein einmaliges Vertuschen könnte Morrison später korrigieren und revidieren; und ... |
| Bei allem Lob für die Komposition des Romans, seine
Hoffnungslosigkeit (hier vergleichbar mit Cormac McCarthy: The Road,
siehe Unbenommen: Burnside erzeugt in weiten Teilen des Romans eine gespenstische Stimmung. Man weiß beispielsweise durchgängig nicht, ob es aus Innertown kein Entrinnen gibt oder ob die Leute dort nur unfähig oder zu lethargisch sind. Beides ist unwahrscheinlich, da man als Erklärung fürs Kinderverschwinden u.a. annimmt, sie seien abgehauen. Manches scheint mir schematisch. In vielen Kapitel taucht beim jeweiligen Protagonisten eine andere Person mehr oder weniger unerkennbar auf. Das soll Spannung erzeugen, aber es gelingt nur teilweise: • Kapitel: der/die (zunächst) Unbekannte • "Alice": unbekannt • "Rivers": Jugendgang • "Elspeth": der Mottenmann • "Leonard": der Mottenmann |
| Glister ist in grossen Abschnitten eine spannende und attraktive Mischung aus Krimi, Science-Fiction und Groteske. Für mich blieb zuviel unerklärt und vage, die Charaktere zu nebulös. |
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| John
Burnside: Glister. Jonathan Cape, 2008. Gebunden,
272 Seiten
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