| Tim
Moore: Spanish Steps. Travels with My Donkey London: Vintage, 2005. Broschiert, 328 Seiten – |
| Von den zahllosen grossartigen Fernwanderwegen in
Europa hat der Jakobsweg
in den letzten Jahrzehnten eine enorme Popularität erhalten. Dies hat –
so vermute ich – weniger mit Landschaft, Bevölkerung und
Herausforderung zu tun sondern mit seiner religiösen Aufwertung. Wie der Reisejournalist Tim Moore unterwegs berichtet gab es jahrhundertelang für die Abolvierung des Weges eine päpstlich ausgelobte Absolution. Die wurde inzwischen zwar gestrichen (und Moore fragt sich, ob das auch nachträglich gilt ), aber viele Wanderer fühlen
sich noch als Pilger und Sinnsucher. Das kommt immer gut an. Tim Moore hat damit weniger am Hut und deshalb geht er die 42 Wandertage frisch und unbeschwert an. Zum Auffallen (den inzwischen gehen jährlich Tausende den Weg) und zum Entlasten nimmt er einen Esel mit auf den Weg. Der US-amerikanische Untertitel „One Man and His Ass on a Pilgrimage to Santiago“ läßt auf den witzigen Ton im Reisebericht Moores schließen. Viel hat er ganz seriös zur Geschichte des Jakobswegs, dem Camino de Santiago, zu sagen. Oft sind seine Bemerkungen dann kritisch. Pilger um des genannten Ablasses willen beauftragten andere mit der Pilgerreise und ersparten sich selbst damit gewisse Zeit im Fegefeuer (S. 67-68). |
| Trotz
Moores lockeren Herangehensweise – sowohl an die
Reise, als auch im Bericht darüber – gerät die Wanderung mit der Zeit
zur Routine: „Groups of people passed, a couple of razilians, the
chocolte police-women, the monkey lady. And of course many more we'd
never seen before and would never see again ...“ (S. 99). Das färbt auf
den Bericht ab: • Orts- und Wegbeschreibungen • Probleme mit der Unterkunft und mit dem Esel • kleine Missgeschicke • Erstaunen über den „peregrino con burro“, den Pilger mit Esel • historische Einflechtungen • kurze Bekanntschaften wechseln sich ab ohne Abwechslung zu bringen, ohne zu faszinieren. |
| Wohltuend ist am Bericht, dass Moore nichts mit Sentimentalität, Sinnsuche, religiöser Erbauung oder gar persönlicher Läuterung zu tun hat. Manche scheinen nach der Wanderung etwas sonderbar zu werden. Moore drückt es vorsichtig negativ aus: „One thing was certain: doing this walk never made anyone less weird“ (S. 18). Wer am Jakobsweg war oder hin will findet in Spanish Steps aufschlussreiches Lesefutter. Mich überzeugte der Bericht rein literarisch nur eingeschränkt. |
| Das
Werk erschien in den USA als Travels
with My
Donkey: One
Man and His Ass on a Pilgrimage to Santiago. Der
Haupttitel (mit dem britischen Untertitel übereinstimmend) erinnert an: John Steinbeck: Travels with Charley Graham Greene: Travels with My Aunt |
| Für Freunde des Jakobswegs, die zudem Ironie vertragen (einige Besprechungen von Spanish Steps bemängelten die spirituelle Note oder gar Demut) und ihr Tun auch in Frage stellen, ist Spanish Steps eine gute Vor- oder Nachbereitung. |
| Vergleichsliteratur |
| Links |
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| Literatur |
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| Tim Moore: Zwei Esel
auf dem Jakobsweg: Wie ein Engländer sein Herz an Spanien verlor.
Piper, 2010.
Theda Krohm-Linke, Übs. Taschenbuch, 368
Seiten |
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| Paulo
Coelho: Auf dem
Jakobsweg: Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de
Compostela. Zürich: Diogenes, 2007. Taschenbuch. 272
Seiten Maralde Meyer-Minnemann, Übs. |
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Shirley MacLaine: The Camino: A Journey of the Spirit.
Atria 2001. Taschenbuch, 320
Seiten |
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