| Louise
Welsh: Naming the Bones Edinburgh: Canongate, 2010. Broschiert, 389 Seiten [Das Alphabet der Knochen, Wolfgang Müller, Übs.] – |
| Der englische Professor für Englische Literatur Murray
Watson hat eine Schachtel mit persönlichen Dingen des verkannten Poeten
Archie Lunan. Jener starb jung bei einem riskanten Segelausflug. Watson
will über Poesie und Leben des Genies ein Buch schreiben. Die Suche
nach Zeugen und Fakten beginnt. Soweit ein in den letzten Jahren
überstrapezierter Topos in der Literatur. Was zeichnet Naming the Bones aus? Zum einen die Orte der Handlung: Edinburg & Glasgow und die schottische Insel Lismore. Zum anderen das kunstvolle Gewebe der Handlung. Louise Welsh beläßt es nicht bei der Spurensuche: ein Handlungsnebenstrang betrifft den Bruder Jack und seine Freundin Lyn; ein weiterer die Affäre Murrays mit Rachel, der Gefährtin seines Universitätsbosses Fergus Baine; dieser entpuppt sich im Laufe des Romans auch als Schlüsselfigur zum Studienobjekt Archie Lunan. Die Freundin des Genie lebt noch auf der Insel Lismore, verweigert aber dem Spurensucher ein Interview, ja sie verbietet sich jede weitere Kontaktaufnahme. Watson hält sich daran nicht und man ahnt ein Stalkingdebakel. Doch dazu kommt es nicht: man wird einigemale von der Autorin auf falsche Fährten gesetzt. Oder, wie bei den okkulten Neigungen des Zirkels um Archie Lunan (der „lunatic“?), es bleibt einiges im Vagen. |
| Die zahlreichen Stränge und die falschen Spuren sind freilich auch der Nachteil des Werks: die ziemlich verworrenen Ereignisse um Lunans Leben und Tod kristallisieren sich recht spät heraus. Der Leser muss lange Zeit mit fabulierfreudigen Ablenkungen vorlieb nehmen. Diese sind aber immer so kunstreich geschrieben, dass sie den Leser seitenweise fesseln. |
| Beim Topos Spurensuche in langer Vergangenheit anhand kümmerlicher Indizien gibt es zwei Vorgehensweise: Rückblende oder Zeugenaussagen. Hier wird durchwegs der zweite Weg verfolgt. Das hat den Vorteil, dass man in einer Zeitebene bleibt, aber auch den Nachteil, das die direkte oder indirekte Rede kaum so lebendig ist, als wenn man mit dem Erzähler aktuell dabei ist. Welsh verwendet dafür viel wörtliche Reden: ein akzeptabler Mittelweg. |
| Die Gratwanderung zwischen Krimi und Thriller mit viel schottischen Lokalkolorit im Umkreis des Campus einer Universität gelang sehr gut. Etwas viel hineingepackt hat die Autorin schon. |
| Links |
| Louise
Welsh: |
| Literatur |
| Martina I. Knirsch (2010): "Die Büchse der Pandora. Louise Welsh's faszinierender Krimi »Das Alphabet der Knochen«". Lesart 3. S. 36-37 |
| Bei Amazon nachschauen | Bei Amazon nachschauen | |
![]() |
![]() |
|
| Louise
Welsh: Das Alphabet der Knochen. München:
Kunstmann, 2010. Gebunden, 432 Seiten. Wolfgang Müller, Übs.
|
||