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Carré
John le Carré: The Mission Song
New York, London, Boston: Little Brown, 2006. Broschiert, 449 Seiten
[Geheime Melodie, Sabine Roth & Regina Rawlinson, Übs. ] – John le LinksJohn le Literatur

Voller Erwartung las ich meinen ersten "Le Carré", den Meister des Spionagethrillers und des politischen Romans. Ich wurde enttäuscht.
Der 28-jährige Bruno Salvador wird super geheim und mit erheblichem Nachdruck zu einer geheimen Konferenz geholt. Er spricht als schwarzer Brite mehrere afrikanische Sprachen und ist  daher bestens als Dolmetscher geeignet.
In der brisanten Konferenz wird über das Schicksals der Region Kongo entschieden.
Zuerst zeigt uns der Autor aber noch das schier unvermeidliche Dreieck. Salvador ist seit mehreren Jahren mit der englischen Top-Journalistin Penelope verheiratet („Shopping is what she likes best“, S. 22), hat aber ein Verhältnis mit der schwarzen Krankenschwester Hannah.
Mit dem Flug zur Konferenz beginnt eine etwa 24-stündige Konferenz für deren Lektüre man etwa ebenso viel Zeit veranschlagen muss. Auf den cirka 200 Seiten übersetzt Bruno auftragsgemäss und belauscht über Abhöranlagen zahlreiche weitere Gespräche. Es geht nicht um eine Friedenslösung für den Kongo (die Demokratie soll mit Gewehren in den Kongo gebracht werden), sondern darum, wer den grössten Profit daraus ziehen kann. Jeder trickst jeden aus.
Der schließlich ausgehandelte Vertrag ist reine Farce. In Wirklichkeit droht Verrat, Ausbeutung und Krieg. Bruno gelingt es geheime Tonbandprotokolle zurück nach England zu schmuggeln.
Nun wird es wieder etwas spannender: Bruno versucht mit Hannah (diese auch gegen ihn) dieses Desaster für den Kongo zu verhindern: der Vertrag darf nicht eingehalten werden. Doch alle Politiker und Geheimdienstleute, die er anspricht, sind anscheinend selbst in das Komplott eingeweiht oder profitieren davon. Bruno wird effektvoll ausgebootet.
Charakterisierung des Kongos
„Congo the laughing stock of Africa, raped, plundered, screwed up, bankrupt, corrupt, murderous, duped and derided, renowned by every country on the continent for its incompetence, corruption and anarchy“, S. 170
Nur gelegentlich blitzt Witz auf, wie in:
• „it would take a board of top Jesuits to explain what I did next“, S. 70.
• „With a certain kind of person, if you've got my skin colour, you get the double smile: first the token one, then the white liberals's overbright number“, (S. 86).
Ein Roman über das Herz von Afrika, der mit keiner Szene in Afrika spielt. Er zeigt uns: alle Politiker sind korrupt und der kleine aufrechte Mann hat keine Chance. Das wäre nicht schlecht, doch leider braucht Carré dazu weit über 400 Seiten, die manchmal recht dröge zu lesen sind.
Links
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Rezensionen
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John le Carré: Geheime Melodie. List, 2007. Broschiert, 496 Seiten Sabine Roth & Regina Rawlinson, Übs. Carré
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 5.9.2010