| P.
D.
James: Death in Holy Orders [Tod an heiliger Stätte, Christa E. Seibicke, Übs.] London: faber and faber, 2001. Broschiert, 387 Seiten – |
| An der Küste in Suffolk (East Anglia) steht einsam ein vikorianisches Priesterseminar. Ein Seminarist wird tot aufgefunden. Es wird als Unglücksfall deklariert, was aber dessen einflussreichen Vater nicht ruhen lässt. Adam Dalgliesh wird eingeschaltet. Da passiert ein zweiter Unglücksfall, für den Leser als Mord erkennbar und schließlich ein respektabler Mord an einem zu Besuch weilenden Erzdiakon (Book Two: Death on an Archdeacon“). Dalgliesh übernimmt auch hier die Ermittlung. P.D. James setzt noch eine vierte Tote drauf: Unglück oder zum Unglück nachgeholfen? ist auch dabei die Frage. |
Die
Autorin setzt routiniert alles ein, was sie in
vielen Jahrzehnten gelernt hat:
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| Murder at the Vicarage brachte den Durchbruch für Agatha Christie. Das Setting erscheint unerschöpflich. P.D. James schreitet vom Kammerspiel in der Pfarrei zum grossen Theater im Priesterseminar und zu Death in Holy Orders. Für P. D. James ist – wie sie in einem Interview feststellte – der Rahmen des Krimis das Bestimmende, dann die Motive. Der Rahmen ist in Death in Holy Orders exzellent gewählt. Die abgeschlossene Welt des Priesterseminars, das kurz vor der Auflösung steht gibt reichlich Motive her. Die Anzahl der Verdächtigen ist reichlich aber abgeschlossen überschaubar. Die Motive sind verworren und für den Leser (zumindest für mich) nicht allzu durchsichtig. |
| Das
Seminargebäude St. Anselm hat alles, was man
erwartet: „high chimneys, oriel windows, a central cupola, a outhern
tower, a castellated facade and an immense stone porch“ (S. 53). Der
Weihrauchgeruch im viktorianischen Seminargemäuer verflüchtigt sich
jedoch schnell: Intrigen, Gier, Missbrauch an Jugendlichen, Liebe
zwischen Halbgeschwistern, ... greifen ein. Die Routine der Autorin wirkt manchmal überzogen. So sind viele Personen zum zweiten Mal verheiratet (der erste Partner starb unter unklaren Umständen), haben verunglückte Geschwister oder gefallene Söhne. Meist wird dies eingesetzt um die Brüchigkeit der Familie aufzuzeigen. Hier wird es allerdings zur Regel und damit der Aussagekraft beraubt. |
| Auch die Dialoge sind routiniert, aber nicht immer natürlich. Oft sagt jemand etwas, das der Leser wissen soll, nicht aber der Dialogpartner, so z.B. wenn Raphael am Heimweg Dalgliesh trifft und ungefragt lossprudelt, was er und Emma gemacht haben (S. 107). |
| Krimis über 250 bis 300 Seiten müssen schon einiges bieten um zu bestehen. Hier zählt auf der Habenseite die Atmosphäre des abgeschlossenen Seminars St. Anselm („too small, too remote, too expensive and too elitist“, S. 126), das dennoch von dieser Welt ist und in dem die Fraters und Seminaristen trotz allem Männer sind (S. 136). P. D. James strickt auch noch die Anglikanische Kirche und ihre Probleme an der Schwelle zum 21. Jahrhundert hinein. Das glückt aber nur sehr beschränkt. |
| Witziger, aufschlussreicher und auflockernder sind die
Bezugnahmen oder gar Verbeugungen der Autorin vor grossen
Vorgängerinnen und Kollegen: • Auf Agatha Christie führt sie ein billiges Wortspiel (leek – leak) zurück (S. 211; S. 257). • Father John Betterton hat in seinem Buchregal Krimis von Dorothy L. Sayers, Margery Allingham und Ngaio Marsh (S. 187) • S. 285 Henry James, Jeffrey Archer • S. 302 Graham Greene • S. 342f. George Herbert (1593-1633), britischer Lyriker und Schriftsteller ( • S. 354 Michael Innes ( • S. 384 John Milton • passim: Anthony Trollope (P. D. James: „He is one of my favourite novelists“) |
| Über die
Wahrheitssuche [Father Sebastian] „You believe then, Adam, that the truth can never hurt.“ [Adam Dalgliesh] „I wouldn't say that. But I believe we have to search for it, however unwelcome it may be when we find it.“ (S. 248) |
| Death in Holy Orders ist ein routinierter Krimi auf den Spuren Agatha Christies. |
| Anmerkungen |
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• S. 238 Dr. Stannard ist am Kolleg um die früheren Tactarianer
( • S. 251 Counter-Tenor James Bowman ( |
| Vergleichsliteratur |
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| P. D.
James: Tod an heiliger
Stätte. Droemer/Knaur, 2003. Broschiert, 544 Seiten. Christa
E. Seibicke, Übs. |
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