| Jamal
Mahjoub: Die Stunde der Zeichen [In the Hour of Signs] Frankfurt am Main: Büchergilde, 2008. Gebunden, 366 Seiten. Thomas Brückner, Übs. Aus der Reihe „Weltlese“, hrsg. von Ilija Trojanow – |
| Am Ende des 19. Jahrhunderts gab es im Raum des
heutigen Sudans einen bemerkenswerten Aufstand gegen die englische
Kolonialmacht. In zahlreichen Episoden erlebt der Leser diesen Aufstand
und die Zeit nach. Dabei nimmt der Roman ganz unterschiedliche
Perspektiven ein. Man verfolgt das Geschehen mit einem afrikanischen
Koch,
Bauern, Soldaten, Mitläufern und Unterstützern des Mahdis, dem Mahdi
selbst, englischen
Offizieren und Befehlsempfängern. Aus einem kleinen Trupp Aufständischer entsteht eine gewaltige Menschenmacht, zusammengehalten durch einen charismatischen Führer und einer Vision: das Joch der Kolonialherren abzuschütteln. Die Engländer nehmen die „Wilden“ zunächst nicht ernst und müssen für ihre Arroganz büßen: Der Aufstand war erfolgreich. Nach fünfzehn Jahren allerdings wurde 1898 das „Kalifat von Omdurman“ durch eine anglo-ägyptische Streitmacht vernichtet. |
| Die
Perspektivenwechsel erlauben es dem Autor viele
Seiten zu zeigen. Neben den Einwohnern und Engländern sind auch Ägypter
und Türken beteiligt. Alle leiden und werden strapaziert, wenngleich
man immer fragen kann: was haben die Europäer dort zu suchen? Nach einigen Romanen in der Art von Tausend-und-einer Nacht erkenne ich wieder, dass mir der orientalische, ausschmückende Stil mit einem Personenpanoptikum nicht liegt. Mir wird's zu ausschweifend, man kann sich mit niemand identifizieren, mit keinem mitfühlen. Mit dem Romanfortschritt kristallisierten sich zwar Personenschwerpunkte heraus, aber da war meine Aufmerksamkeit nicht mehr auf hohem Niveau. Das Glossar war hilfreich, eine Landkarte vermisste ich. |
| Bisher kannte ich den geschichtlichen Hintergrund nur
aus zwei Karl
May Bänden ( In Besprechungen wird mit dem Stichwort „Fundamentalismus“ der aktuelle Bezug betont. Das ist teilweise richtig, doch nur eine Facette wenn wir heute über Fundamentalismus reden. Beim Mahdiaufstand spielte sehr viel mehr die soziale Komponente eine gewichtige Rolle, als es mir bei manchen religiösen Fanatikern heute scheint. Das kann sich aber schnell ändern, wenn die massenhaft Armen und Unterdrückten ihre Chance sehen. Dann funktioniert nicht einmal mehr die Strategie des englischen Colonel Hicks: „Mit religiösen Fanatikern [...] kann man nicht vernünftig reden, aber man kann ihnen die Angst vor Gott eintrichtern“ (S. 61). Auffällig arbeitet der Roman die Parallelen zwischen Jesus, dem Messias, auf den die Juden warteten, und Mahdi, den Erwarteten, heraus. Schnell wird ein Emporkömmling zu Messias und ist er auf dieser Schiene, glaubt er es wohl auch selbst. Die Praktiken sind dann in den Religionen ähnlich. Treiben die einen – auch heute noch – den Teufel aus ( |
| Das afrikanische Krieg-und-Frieden-Epos richtet den Blick auf uns weniger bekannte Jahrzehnte der Kolonialgeschichte. Über die Bezüge und Unterschiede zum 21. Jahrhundert wäre zu reden. Der Sudan ist immer noch eine hart umkämpfte Region, die Hintergründe sind aber – meine ich – heute ganz andere. Wer ein Schlachtengemälde quer durch alle Reihen der kämpfenden Heere wünscht: hier kann er es lesen. |
| Vergleichsliteratur |
| Winston Churchill: The
River War: An Account of the
Reconquest of the Sudan – |
| Winston
Churchill: Kreuzzug
gegen das
Reich des Mahdi – |
| David Livingstone: Die
Erschliessung des dunklen Erdteils: Reisetagebücher aus Zentral- Afrika 1866 - 1873 – |
| Karl
May: Im
Sudan – |
| Karl May: Der
Mahdi – |
| Leo Tolstoi: Krieg und Frieden |
| Peter
Wende: Das britische Empire: Geschichte eines Weltreichs– |
| Links |
| Rezensionen |
| Literatur |
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| Jamal
Mahjoub: In the Hour of Signs. Heinemann
1996. Taschenbuch: 249 Seiten (African Writers: Classics in
Context) |
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| Winston
Churchill: The River
War: An Account of the Reconquest of the Sudan.
Wildside 2005. Gebunden, 300 Seiten |
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| Winston
Churchill: Kreuzzug
gegen das Reich des Mahdi. Eichborn
2008. Gebunden, 480 Seiten. Georg Brunold, Übs. |
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Afrika 1866 - 1873. Hamburg: traveldiary.de, 2006. 248 Seiten. Bearbeitete Übertragung von Edmund Th. Kauer |
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| Peter
Wende: Das
britische Empire: Geschichte eines Weltreichs. München:
Beck, 2008. Gebunden, 400 Seiten |
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| Karl May:
Der Mahdi.
Gesammelte Werke, Bd.17. Karl-May-Verlag: veränd. Aufl.
(1952). Gebunden, 507
Seiten |
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