| Graham
Greene: The Quiet American New York: Bantam, 1957. Broschiert, 183 Seiten – |
| Der
1955 erschienene Roman (verfilmt 1957)
schildert US-amerikanische und andere Aktionen in Vietnam, das
sich in
den
frühen 1950-er Jahre gegen die Kolonialmacht Frankreich erhob, aus der
Sicht eines englischen Journalisten. Laut der letzten Zeile des
Ich-Erzählers handelt The
Quiet American vom März 1952 bis zum Juni 1955. Die deutsche Ausgabe, übersetzt von Walther Puchwein und Käthe Springer, erschien als Der stille Amerikaner 1956. |
| Charaktere | |
| • Der Engländer Thomas Fowler ist als erfahrener Journalist in Vietnam. Er ist Ich-Erzähler und berichtet aus seiner Perspektive. Anfangs abgeklärt, stoisch, Pyle bremsend; später engagiert: man kann weder neutral noch objektiver Beobachter bleiben. | |
| Europa – Alte Welt – Kolonialmacht; "fowl-air" | |
| • Der Amerikaner Alden Pyle kommt frisch aus Boston, Mass. von der Universität in das Krisen- und Kriegsgebiet. Angeblich vertritt er wirtschaftliche Interessen der USA, im Laufe des Romans wird klar, dass er weitergehende Aufträge hat. Er ist eine Vertreter der "Third Force"- Theorie von York Harding: die dritte Kraft zwischen Kolonialmacht und einheimisches Volk können nur die USA sein. Übernahme des "American way of life", koste was es wolle. | |
| Amerika – Neue Welt – Dritte Kraft | |
| • Die Vietnamesin Phuong ist die Geliebte des in England verheirateten Fowler. Es dauert nicht lang und der linkische, scheinbar unbeholfene Pyle verliebt sich in sie. Phuong und die hinter ihr stehende Schwester wollen das Beste aus der Situation herausholen. | |
| Asien – Dritte Welt | |
| Während Pyle seine beruflichen und humanitären Interessen verschleiert tritt er im persönlichen Bereich für Offenheit ein. Er erwartet von Fowler und Phuong die Klärung des Verhältnisses. Fowler schreibt auch tatsächlich seiner Frau und bittet in die Scheidung einzuwilligen. Er ist aber keinesfalls ehrlich gegenüber den anderen. |
| Neben
dieser Dreiecksgeschichte läuft global auch
manches quer: die Franzosen versuchen sich als Kolonialmacht gegenüber
den kommunistischen Vietcong zu behaupten. Der westlich orientierte
Vietnam-General The steht dabei auf ihrer Seite. Obwohl der Roman fast ein Jahrzehnt vor dem offiziellen Eintritt der USA in den Vietnamkrieg erschienen ist, steht der fürchterliche Krieg natürlich jedem heutigen Leser vor Augen. Greene hat eine bemerkenswert klare Sicht auch auf künftiges Geschehen: • Der Vietnamkrieg wogt hin und her; er ist für keine Seite zu gewinnen • wird von zahlreichen Anschlägen begleitet, der vor allem die Zivilbevölkerung trifft. • im französischen Indochinakrieg wurden bereits Napalmbomben eingesetzt (S. 145) • Die Interessenslagen sind undurchsichtig; für die USA gilt schon damals die Dominodoktrin: Vietnam muss gegen die Kommunisten verteidigt werden, da sonst andere Länder in Südostasien ebenfalls unter die russisch/chinesische Vorherrschaft fallen. • Die Medien dürfen nur von Siegen berichten. Greene zeichnet die dafür nötigen Druckstrukturen hervorragend. Auszug aus einer Pressekonferenz: An American correspondent asked, „What are the French losses?“ [...] „The colonel says our losses have not been heavy. The exact number is not yet known.“ [...] „Is the colonel seriously telling us, [...] that he's had time to count the enemy dead and not his own?“ (S. 56) |
| Die drei Protagonisten stehen auch für globale Säulen: • Thomas Fowler vertritt die Kolonialmacht England, die sich hier in „fremden“ Territorium neutral verhält, wohl auch, weil sie gerade in diesen Jahren bezüglich des Commonwealth einen Lernprozess durchmacht. • Alden Pyle vertritt die neue Weltmacht USA, die es besser machen will und dabei selbst viel Dreck am Stecken hat, an einer Stelle nennt Fowler: Puerto Rico, Hawaii und New Mexico (S. 117); die Ureinwohner Nordamerikas kommen da gewichtig noch hinzu. Die US-Regierung glaubt, ein Volk vor dem Kommunismus bewahren und ihm zu westlichen Werten wie Freiheit und Demokratie verhelfen zu müssen. Diese Einstellung wirkt sich bis heute unheilsbringend aus, obwohl gute Absichten dahinter stehen. • Phuong symbolisiert das von der alten Kolonialmacht England und der neuen Weltmacht USA umworbene Vietnam. Sie will sich zwar dem Westen gegenüber öffnen – dabei spielt ihre Schwester im Hintergrund die eigentliche Rolle – doch hat man den Eindruck, dass sie sich letztlich nicht verbiegen lassen will. |
| Greene
läßt Pyle, den stillen Amerikaner, letztlich
nicht gut aussehen: er ist mutig und intelligent, aber auch naiv und in
seine
vorgebene Doktrin, die Demokratie zu bringen und den Kommunismus
einzudämmen, verbohrt. Der Roman wurde deshalb ursprünglich in den USA
nicht gut aufgenommen. Man lese die Besprechung von Robert Gorham Davis
in der New
York Times, vom 11. März 1956 ( |
| Journalistische Tätigkeiten in Krisengebieten haben auch Leerlaufzeiten. Im Vietnam des stillen Amerikaners gibt es neben Frauenaffären das Rauchen von Opiumpfeifen, das Würfelspiel Quatre-Vingt-et-Un und Gespräche zwischen den Vertretern der westlichen Nationen. |
| Themen |
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• Parteinahme
ist human Fowler hält sich als objektiver Berichterstatter aus allen Fronten heraus. Zu Vigot sagt er: „You can rule me out“ ... „I'm not involved“. Und schreib gleich darauf dazu: „My fellow journalists called themselves correspondents; I preferred the title of reporter. I wrote what I saw. I took no action––even an opinion is a kind of action“ (S. 20). Das Geschehen zeigt, dass man das nicht durchhalten kann. Greene hängt es an Blaise Pascals Wette auf ( „Let us weigh the gain and loss in wagering that God is, let us estimate these two chances. If you gain, you gain all: if you lose, you lose nothing“ belehrt der Vietnamese Heng den Engländer. Dieser beruft sich mit Pascal aufs Heraushalten: „Both he who chooses heads and he who chooses tails are equally at fault, they are both in the wrong. The true course is not to wager at all.“ (S. 132) Doch diese Option gibt es bei Pascals Wette nicht und nicht im Vietnam des Romans. Derselbe Heng belehrt später, da hat es Fowler aber schon selbst begriffen: „Sooner or later [...] one has to take sides––if one is to remain human.“ (S. 168) Raushalten und den Unschuldigen mimen vergleicht Fowler so: „Innocence is like a dumb leper who has lost his bell, wandering the world, meaning no harm.“ (S. 29) • Heiligt der Zweck die Mittel? Wenn man Alden Pyle betrachtet antwortet man mit "Nein". Doch wie ist es mit dem Verhalten Fowlers? Oder dem Phuongs und ihrer Schwester? • Das Verhalten der Europäer und der US-Amerikaner in Asien oder sonstwo Das Protagonistendreieck verkörpert Asien, England und die USA. Inwieweit Greene dabei typische Vertreter schildert ist diskutierbar. Fowler: „We've no business here. It's their country“ (S. 99). |
| Konstruktion |
| Der Roman beginnt mit der Ermordung Pyles. Das meiste
wird in Rückblenden Fowlers erzählt. Der Polizeivertreter Vigot zählt auch Fowler zu den Verdächtigen. Diese Konstruktion und die Perspektive des Verdächtigen könnten zur Verflachung führen, doch Greene richtet den Fokus nicht auf die Tätersuche, obwohl sie als Gedankenschnur immer präsent ist. Das Bild des stillen Amerikaners wandelt sich für den Leser – trotzdem Fowler den Text schreibt – im Laufe des Romans enorm. |
| Greenes Meisterwerk The Quiet American gibt keine einfachen Antworten, auch wenn manche US-Rezensenten das so meinten: schließlich steht der stille Amerikaner, der sich als garnicht so still entpuppt, schon im Titel. |
| Vergleichsliteratur | |
| Graf, Oskar Maria (1948): Unruhe um einen Friedfertigen – |
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| James, Henry (1878): Daisy Miller | |
| Johnson,
Denis (2007): Tree of Smoke – |
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| Mason, Bobbie Ann (1985): In Country | |
| O'Brien, Tim (1978): Going after Cacciato | |
| O'Brien, Tim (1991): Things They Carried | |
| Twain, Mark (1869): Innocents Abroad | |
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| Links |
| Literatur |
| Burgess, Anthony (1967): "Politics in the Novels of Graham Greene". Journal of Contemporary History 2:2, S. 93-99. |
| Christie, N. Bradley (1989): "Teaching Our Longest War: Constructive Lessons from Vietnam". The English Journal 78:4, S. 35-38. |
| Lewis, Kevin (1998): "The Third Force: Graham Greene and Joseph L. Mankiewicz's »The Quiet American«". Film History 10:4, S. 477-491. |
| Taylor, Gordon O. (1980): "American Personal Narrative of the War in Vietnam". American Literature 52:2, S. 294-308. |
| Whitfield, Stephen J. (1996): "Limited Engagement: The Quiet American as History". Journal of American Studies 30:1, S. 65-86. |
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| Graham
Greene: The Quiet American. Für die Sek.II.
Cornelsen 1991. Broschiert, 207 Seiten |
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| Der
stille Amerikaner (2002). Regisseur: Philip Noyce. DVD
& Soundtrack CD. |
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