Michael
Shelden: Graham Greene: The Man Within
London: Heinemann, 1994. Gebunden,
537 Seiten – Links
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Literatur
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| Diese 1994 – in den USA unter Graham Greene: The Enemy
Within – erschienene Biografie sorgte für Furore und
Widerspruch. |
Johann
Wolfgang Goethe, Richard Wagner, Miles Davis, ... es gibt
zahlreiche
Genies, mit denen man nicht unbedingt in Urlaub fahren möchte. Nach der
Lektüre der Biografie von Michael Shelden trifft das auch auf Graham
Greene zu.
Shelden konzentriert sich im privaten Leben Greenes auf dessen
Beziehungen, zu Frauen, Männer und Jünglingen. Er gibt aber auch
umfangreiche Entstehungsgeschichten und Bezüge zu einzelnen Werken. |
Greene ist nach dieser Biografie
- heterosexuell mit homosexuellen, pädophilen und
masochistischen Neigungen
- Experte für Bordelle auf all seinen häufigen Reisen
(er hätte locker einen Führer zu den Bordellen dieser Weltschreiben
können, S. 439)
- Trinker und Opiumraucher
- antisemitisch, was sich besonders in The Name of Action, Brighton
Rock, The Confidential Agent und Stamboul Train
zeigt. Nach 1960 "bereinigte" er davon einiges in Neuauflagen
(S. 152).
- Greene wurde katholisch, hauptsächlich um seine
zukünftige Frau Vivienne zu beeindrucken. Andrerseits war er stets von
den Themen Verdammung, Hass, Schuld und Bestrafung angezogen. Den
Vatikan bezeichnete er als Politbüro der Kirche (S. 130).
- Auf seinen Reisen war Greene oft geheimdienstmäßig
engagiert.
- Seine von Fall zu Fall offen bekundete Sympathie mit
Diktatoren kann auch seiner Schelmenhaftigkeit geschuldet sein. Greene
hatte seinen Spass daran die Öffentlichkeit irrezuführen.
Vieles davon resultiert – so kann man es hier lesen – aus dem harten
Regiment des Vaters Charles Greene, der Schulleiter war und damit nicht
nur Grahams Vater sondern auch oberster Lehrer. Immerhin war Charles
auch ein Schachliebhaber, jedoch im stillen Kämmerlein.
„»When
the craving for chess came on him, he had
to play; in the fire of his pasion, rules regulations and routine were
reduce to ashes.« Lost in the world of precise squares and orderly
moves, where logic rules all, Charles Greene forgot the messy world of
intractable boys and »unmentionable vice«, and the thousand ways that
his authority could be undermined. He became, if only for a few hours,
content.“ S. 24
Außer für sich selbst spielte Charles auch Fernschach (S. 137). |
Hier zeigt sich ein Manko der Biografie: Shelden läßt die Leser oft im
Unklaren, woher sein Wissen oder gar das Zitierte (wie oben
zwischen »...«) stammt. Und: der Index ist mangelhaft. Der
fehlenden Eintrag von "chess" ist verzeihlich, doch fehlen auch
Personen, z.B. Salvador
Dali (S. 154-155).
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Graham
Greene & »Heart of Darkness«
Greenes Prosa ist u.a. von Joseph
Conrad beeinflusst. Das zeigt sich besonders in Journey Without Maps
(aber auch in In Search
of a Character, S. 261), das auf seiner Afrikareise 1935
beruht. Greene suchte nach dem Afrika seiner Erinnerung. Er wollte die
Wilden sehen, Tieropfer und kreischende Zauberer (S. 193). Er
baute Charaktere ein, die an Kurtz und Marlowe aus Conrads Heart of
Darkness erinnern (S. 195-196). |
| Graham Greene: The Man Within
liest sich teilweise wie ein Reißer, doch kann man auch viel zu den
Charakteren in einigen Werken und den Bezug zum Leben Greenes
erfahren. Mangels Vergleich kann
ich nicht beurteilen, ob Shelden den grossen Romancier zu einseitig
gekennzeichnet hat. Lesenswert ist diese Biografie auf alle Fälle. |
| Links |
Michael Shelden, *
1951 – Wikipedia
|
Peter Parker on Michael
Sheldon's hostile biography: "The inhuman factor. Cruelty, decadence,
depressiveness, deviousness, Graham Greene". The Guardian 7
August 1994
|
Phil Shannon: "A quietly
subversive, eccentric spy". October 26, 1994
|
Martin Stannard: A Less Than
Honorable Man", New York Times July 2, 1995
|
Michael Shelden: "Right of
Reply : Michael Shelden defends his biography of Graham Greene, The Man
Within". The
Independent, 15 September 1994
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Graham Greene
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