| Chester
Himes. If He Hollers Let Him Go
New York: Thunder's Mouth, 1986. 203 Seiten - |
| In einem
Opernbuch von Kurt Pahlen zu einer Verdi-Oper (beim flüchtigen
Durchsehen fand ich die Stelle nicht; es sind einfach zuviele [das
heißt nun nicht, Giuseppe Verdi habe zuviele Opern
geschrieben]) rühmte der Autor die Kunst des Komponisten
schlagartig die Stimmung zu wechseln. Daran mußte ich bei der
Lektüre von If He Hollers Let Him Go
manchmal denken und auch daran, daß ich bei Pahlens Ausage
dachte: "Na und? Verdi setzt halt schlagartig ein völlig
anderes Musikstück ein". Doch so einfach ist es nicht. Die
Kunst ist es, dies ohne Bruch und damit glaubwürdig zu machen.
Dies gelingt Chester Himes ( Ich hatte zuvor ein paar von Himes' bemerkenswerten Krimis gelesen, die allerdings aus den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts stammen. Sein Blind, mit einer Pistole [Blind man with a pistol] landete in meiner Liste der besten Krimis aller Zeiten auf Platz 12 ( If He Hollers Let Him Go ist Himes' zweiter Roman und gleich ein sozialkiritscher Heuler. Der Ich-Erzähler Robert Jones, ein schwarzer Nobody, brachte es in einem Betrieb in L.A. trotz seiner Hautfarbe zum Vorarbeiter, keinesfalls eine einfache Sache Anfang der vierziger Jahre: "You'll never get anything from these goddamn white people unless you fight them" (S. 121). Bob bekommt Probleme mit einer weißen Mitarbeiterin. Schon faßt er schlimme Entschlüsse ("We've got to make white people respect us and the only thing white people have ever respected is force", S. 89), will sich aber vorher noch an der Weißen rächen, wird verunsichert, schwankt und mit seiner Liebe zu Alice scheint alles noch ins Lot zu kommen, der Heiratstermin wird festgelegt. Doch bei Himes weiß man, daß nicht alles glatt läuft. Der Roman schließt mit "Two hours later I was in the Army". – Ich weiß nicht, ob es If He Hollers Let Him Go auf deutsch gibt. Es würde sich lohnen. Die Sprache gibt den Jive der Farbigen wider, peitscht die Handlung in den entscheidenden Minuten vorwärts. Diese Szenen künden von den späteren Actionthrillern. Doch der Humor fehlt nicht.
Unbedingt lesen, wenn man etwas über die (hoffentlich historische) Rassendiskriminierung erfahren will. |
| Literatur |
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| If He
Hollers Let Him Go. Graham Hodges (Einleitung). New York:
Thunder's Mouth Press, 1995 |
| Sekundärliteratur Ikard, David: "Critique of Chester Himes’s If He Hollers Let Him Go". African American Review 36.2, 2002. S. 299-310. . Lucy, Robin Jane: "Chester Bomar Himes", in: Nelson, Emmanuel S., Hg.: African American Autobiographers. A Sourcebook. Westport, USA: Greenwood, 2002. S.185-191. Mit Bibliografie. |
| Biographisches Chester Himes (29.7. 1909 Jefferson City, Missouri – 12.-13.11. 1984 CheMoraira, Spanien) wurde von der Ohio State University gefeuert (wo er zusammen mit Ralph Ellison in einer Klasse war). 1928wurde Himes zu einer zwanzigjährigen Gefängnisstrafe wegen Juwelendiebstahls verurteilt. Im Gefängnis – er war siebeneinhalb Jahre drin – begann er zu schreiben. Später arbeitete er als Hausverwalter, Gepäckträger, Hausmeister und Hotelpage. 1953 emigrierte Chester Himes nach Paris und zog nach Spanien, wo er 1984 starb. Seine Kriminalromane wurden Bestseller. Himes gilt heute zurecht als einer der bedeutendsten afro-amerikanischen Autoren. |
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