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Himes
Chester Himes. If He Hollers Let Him Go
New York: Thunder's Mouth, 1986. 203 Seiten - himes Autorhimes Linkshimes Literatur
In einem Opernbuch von Kurt Pahlen zu einer Verdi-Oper (beim flüchtigen Durchsehen fand ich die Stelle nicht; es sind einfach zuviele [das heißt nun nicht, Giuseppe Verdi habe zuviele Opern geschrieben]) rühmte der Autor die Kunst des Komponisten schlagartig die Stimmung zu wechseln. Daran mußte ich bei der Lektüre von If He Hollers Let Him Go manchmal denken und auch daran, daß ich bei Pahlens Ausage dachte: "Na und? Verdi setzt halt schlagartig ein völlig anderes Musikstück ein". Doch so einfach ist es nicht. Die Kunst ist es, dies ohne Bruch und damit glaubwürdig zu machen. Dies gelingt Chester Himes (himes Biografisches) in diesem Roman von 1945 auf literarischer Ebene in besonderer Weise.
Ich hatte zuvor ein paar von Himes' bemerkenswerten Krimis gelesen, die allerdings aus den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts stammen. Sein Blind, mit einer Pistole [Blind man with a pistol] landete in meiner Liste der besten Krimis aller Zeiten auf Platz 12 (himes Links).
If He Hollers Let Him Go ist Himes' zweiter Roman und gleich ein sozialkiritscher Heuler. Der Ich-Erzähler Robert Jones, ein schwarzer Nobody, brachte es in einem Betrieb in L.A. trotz seiner Hautfarbe zum Vorarbeiter, keinesfalls eine einfache Sache Anfang der vierziger Jahre: "You'll never get anything from these goddamn white people unless you fight them" (S. 121). Bob bekommt Probleme mit einer weißen Mitarbeiterin. Schon faßt er schlimme Entschlüsse ("We've got to make white people respect us and the only thing white people have ever respected is force", S. 89), will sich aber vorher noch an der Weißen rächen, wird verunsichert, schwankt und mit seiner Liebe zu Alice scheint alles noch ins Lot zu kommen, der Heiratstermin wird festgelegt. Doch bei Himes weiß man, daß nicht alles glatt läuft. Der Roman schließt mit "Two hours later I was in the Army". – Ich weiß nicht, ob es If He Hollers Let Him Go auf deutsch gibt. Es würde sich lohnen.
Die Sprache gibt den Jive der Farbigen wider, peitscht die Handlung in den entscheidenden Minuten vorwärts. Diese Szenen künden von den späteren Actionthrillern. Doch der Humor fehlt nicht.
  • Über einer niedrigen Türe werden zur Abwechslung nicht die Farbigen, sondern die Leute aus Oklahoma aus Korn genommen: darüber steht: "Don't duck, Okie, you're tough" (S. 18).
  • Ella Mae zum Erzähler: "You oughta be clean enough even for Alice now—two baths in one day." Her voice was ridiculing. "I'm tryna turn white," I laughed. (S. 47)
  • Bob und Alice werden wegen zu schnellen Fahrens von der Polizeistreife gestoppt. "They rolled to a stop in front of us, stormed back on foot, cursing. »All right,« one said, pulling out his book. »Start lying.«" (S. 63)
Doch wäre der Eindruck falsch, es handle sich um ein lustiges Buch. Deshalb zum Abschluß die mehrmals zitierte Handlungsanweisung: "Read and run, nigger; if you can't read, run anyhow."
Unbedingt lesen, wenn man etwas über die (hoffentlich historische) Rassendiskriminierung erfahren will.
Literatur
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If He Hollers Let Him Go. Graham Hodges (Einleitung). New York: Thunder's Mouth Press, 1995 himes Himes
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himes himesEdward Margolies, Michael J. Fabre, Michel Fabre:  The Several Lives of Chester Himes: A Critical Biography That Reveals the Varied Profiles of the Expatriate Author. University Press of Mississippi 1997. Gebunden, 209 Seiten sallis
James Sallis: Chester Himes: A Life. Walker & Company 2002. Taschenbuch, 350 Seiten himes
Sekundärliteratur
Ikard, David: "Critique of Chester Himes’s If He Hollers Let Him Go". African American Review 36.2, 2002. S. 299-310. . ellisonOnline
Lucy, Robin Jane: "Chester Bomar Himes", in: Nelson, Emmanuel S., Hg.: African American Autobiographers. A Sourcebook. Westport, USA: Greenwood, 2002. S.185-191. Mit Bibliografie.
Biographisches
Chester Himes (29.7. 1909 Jefferson City, Missouri – 12.-13.11. 1984 CheMoraira, Spanien) wurde von der Ohio State University gefeuert (wo er zusammen mit Ralph Ellison in einer Klasse war). 1928wurde Himes zu einer zwanzigjährigen Gefängnisstrafe wegen Juwelendiebstahls verurteilt. Im Gefängnis – er war siebeneinhalb Jahre drin – begann er zu schreiben. Später arbeitete er als Hausverwalter, Gepäckträger, Hausmeister und Hotelpage. 1953 emigrierte Chester Himes nach Paris und zog nach Spanien, wo er 1984 starb. Seine Kriminalromane wurden Bestseller. Himes gilt heute zurecht als einer der bedeutendsten afro-amerikanischen Autoren.
Links
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himesbooks and writers: Chester Himes
HimesChester Himes' biography
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himesUnionsverlag: Chester Himes
himes Ursprung des Titels If He Hollers Let Him Go
himes Was hörte und las Bob Jones?
himesWikipedia
himes Zitate
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