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Hemingway
Ernest Hemingway: "Homage to Switzerland"
In: The Collected Stories, S. 327-337 – hemingway Linkshemingway Literatur
Dieses dreiteilige Kleinod hätte ich glatt vernachlässigt, wenn es nicht Julian Barnes für den Guardian ausgewählt und gelesen hätte. Ich hörte mir diese Lesung am 50. Todestag von Hemingways Freitod an.
Barnes' Wahl musste einen Grund haben, den ich zuvor oberflächlich überlesen hatte.
Bei näherem Überlegen stellt sich die Grossartigkeit dieses Prosa-Triptychon heraus.
Schon die Überschrift ist einen Lacher wert. In erster Linie ist es eine versteckte Wehklage über die USA.
Es treten in jeweils ähnlicher Situation im Bahnhof drei Mister auf, die wegen einer einstündigen Zugverspätung sich die Zeit vertreiben müssen.
Hemingway gibt ihnen verschiedene Namen (Mr. Wheeler, Mr. Johnson, Mr. Harris), sie warten in verschiedenen Orten (Montreux, Vevey, Territet) wohl auf denselben Zug.
Im Grunde gleichen sich die drei und mehr: sie sind in vielen dem Autor ähnlich. Das zeigt sich an Mr. Wheelers Frauenanmache, an Mr. Johnson der (vor kurzem?) geschieden wurde (S. 331) und an Mr. Harris, dessen Vater sich im letzten Jahr selbst erschoss (S. 337). Hemingway war 1927 von seiner ersten Frau geschieden worden, sein Vater hatte sich 1928 erschossen.
Mr. Wheeler meint, wenn er etwas Schweizer Franken springen läßt könne er sich die Zeit mit der Kellnerin vertreiben. Sie läßt ihn abblitzen. Mr. Johnson kauft sich mit Champagner an den Tisch der Bahnbediensteten ein. Mr. Harris ist noch der sympathischste der drei Amerikaner. Für ein intellektuelles Gespäch mit einem Schweizer Gelehrten hat er wenig Motivation.
Die drei Mister sind einsam, ohne Anschluss (in zweifacher Sicht) und hohl. So wird Wheelers Vorschlag an die Kellnerin „upstairs“ zu gehen am Ende entlarvt: „... he knew there was no upstairs to go to. Mr. Wheeler never took chances.“ (S. 329).
Hemingways Eisbergtheorie kann man an einigen Details bestätigen. Nachdem er Dr. Wyer den Freitod seines Vaters berichtet, antwortet dieser:
„I am very truly sorry. I am sure his loss was a blow to science as well as to his family.“ Mr. Harris antwortet lakonisch: „Science took it awfully well.“ (S. 337).
Damit wird einerseits ausgedrückt, dass der Tod eines Wissenschaftlers am Lauf der Welt wenig ändert, andrerseits aber auch – ohne es zu sagen –, dass die Familie nicht so leicht darüber hinweg kam.
Geld ist ein Motor der kapitalistischen Welt, das spiegelt sich im Verhältnis der drei Hauptfiguren dazu, das an einigen Stellen zum Vorschein kommt. Ob die Schweiz dazu ein passender Kontrast ist? Vielleicht war sie es im April 1933 als "Homage to Switzerland" im Scribner's Magazine erschien.
Links
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hemingway Zitate von Ernest Hemingway
Literatur
Aykroyd, Lucas (1997): ""Homage to Switzerland" as monodrama: a microcosm of Hemingway's autobiographically inspired fiction". The Hemingway Review 17.
Davison, Richard Allan (1993): "Hemingway's 'Homage to Switzerland' and F. Scott Fitzgerald". Hemingway Review 12:2, S. 72-77.
Flora, Joseph M. (2004): "Names and Naming in Hemingway's Short Stories". South Atlantic Review 69:1, S. 1-8.
Special issue: Ernest Hemingway (2007): Journal of the Short Story in English
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Hemingway HemingwayErnest Hemingway: The Complete Short Stories of Ernest Hemingway. Scribner Book Company, 1998. Taschenbuch, 672 Seiten Hemingway
Ernest Hemingway: The Collected Stories. James Fenton, Hg. Everyman's Library 1995. Gebunden, 788 Seiten hemingway
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