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Hemingway
Ernest Hemingway: "An Alpine Idyll"
In: The Collected Stories, S. 257-262 – hemingway Linkshemingway Literatur
Eine kurze Story des jungen Hemingway, die nicht ohne Pfiff ist.
Zwei Skifahrer waren ein Monat lang in der Silvretta auf der Wiesbadener Hütte. Erschöpft ziehen sie in Galtür ein und merken an, dass sie zulange in den Bergen waren. Sie kommen an einer noch laufenden Beerdigung vorbei. Sie finden, der Tag ist zu schön um beerdigt zu werden. An so einem Tag wollen sie nicht unter die Erde kommen. Nur kurz blitz auf, dass ihnen als Tote das Wetter egal sein kann.
Im Hotel nehmen sie die inzwischen reichlich aufgelaufene Post entgegen und bleiben mit dem Wirt bei einm Glas Wein sitzen. Da gesellen sich der Bauer, dessen Frau zu Grabe getragen worden war, und der Mesner zu ihnen. Als der Bauer – nach einem Glas Schnaps – ins nächste Wirtshaus gegangen war, erzählt der Mesner seine exzentrische Geschichte. Es ist ein Bergbauer, der im Winter nicht ins Tal kann. Als seine Frau starb, legte er sie daher in den Holzschuppen, dort frierte sie ein. Als der Holz benötigte, stellte er sie auf und hängte während des Holzmachens seine Laterne in ihrem Mund auf. Das Gesicht wurde mit der Zeit schrecklich entstellt.
Der Wirt bestätigt mehrmals: “All these peasants are beasts”, in etwa wohl: “Alle diese Bergbauern sind Hundlinge”.
Ähnliche Geschichten kursieren in weiten Teilen der Alpen, ohne gleich einen Wahrheitsanspruch zu erheben. Hemingway erzählt es aber so trocken, dass man alles abnimmt.
Man kann aber auch vermuten, dass die Story nicht zutraf Armistead 1977). Der Bauer verläßt das Gasthaus ziemlich schnell. Er wollte weder mit dem Gastwirt noch dem Mesner trinken. Um die Geschichte gegenüber den beiden Amerikanern glaubwürdig erscheinen zu lassen, wieder holt der Gastwirt mehrfach, dass die Bauern Hundlinge sind.
Diese Interpretation scheint mir nicht glaubhaft, da der Bauer geht, bevor der Mesner die Story zum besten geben kann.
Ich stelle mir die Frage, ob der Laternenhaken im gefrorenen Mund das gesicht wirklich demolieren kann. Zudem denke ich darüber nach, was der Zusammenhang zwischen dem langen Winteraufenthalt des Bauern mit dem Leichnam seiner toten Frau und dem zu langen Skiaufenthalt der beiden Skifahrer auf der Wiesbadener Hütte ist. Es liegt etwas Unzeitgemäßes im Begräbnis der Frau an einem sonnigen Frühlingstag (die Sonne wird durch die gesamte Story betont) und im einmonatigen Skiurlaub im Frühling, wenn sich der Schnee nur an wenigen Stunden am tag zum Skifahren eignet.
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hemingway Ernest Hemingway: The Complete Short Stories of Ernest Hemingway
hemingwayWiesbadener Hütte
hemingway Zitate von Ernest Hemingway
Literatur
Armistead, Myra (1977): “Hemingway’s »An Alpine Idyll«”. Studies in Short Fiction 14:3, S. 255-258.
Gajdusek, Robert E. (1989): “»An Alpine Idyll«: The Sun-Struck Mountain Vision and the Necessary Valley Journey”. In: Beegel, Susan F. (1991): Hemingway’s Neglected Short Fiction: New Perspectives. Tuscaloosa: University Alabama. S. 163-183
Hattam, Edward (1966): “Hemingway’s »An Alpine Idyll«”. Modern Fiction Studies 12:2, S. 261-265.
Putnam, Ann (1987): “Dissemblings and Disclosure in Hemingway’s »An Alpine Idyll«”. Hemingway Review 6:2, S. 27-33
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Hemingway HemingwayErnest Hemingway: The Complete Short Stories of Ernest Hemingway. Scribner Book Company, 1998. Taschenbuch, 672 Seiten Hemingway
Ernest Hemingway: The Collected Stories. James Fenton, Hg. Everyman's Library 1995. Gebunden, 788 Seiten hemingway
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