| Ernest Hemingway: The Old Man and The
Sea [Deutsch: Der alte Mann und das Meer]. London: Arrow 2004. 99 Seiten |
| Für Martialisches wie Jagd, Hochseefischen, Boxen und
Stierkampf hatte Hemingway zeitlebens ein Faible. Das zeigt sich auch in vielen
Werken. Der Kampf des Menschen ("man") mit der Natur ("sea") und das Fischen
auf hoher See vor Kuba sind Thema in seinem letzten zu Lebzeiten
veröffentlichten Werk The Old Man and The Sea. Der kubanische Fischer Santiago hat seit 84 Tagen keinen nennenswerten Fisch gefangen. Sein üblicher Begleiter, der junge Manolin, fährt schon lange nicht mehr mit ihm: sein Vater besteht darauf, dass er mit glücklicheren Bootsbesatzungen hinausfährt. |
| So hilft Manolin zwar dem alten
Mann bei den Vorbereitungen, Santiago sticht aber allein in See und bleibt
wiederum glücklos. Erst mittags fängt er weit draussen einen
Speerfisch ("marlin"; siehe Der Speerfisch zieht das Boot noch weiter hinaus; der Kampf zwischen ihm und Santiago währt zwei Tage. Dann endlich erlahmt der Fisch und der alte Mann kann ihn harpunieren und längsseits am Boot festzurren. Auf der Rückfahrt wird der angetäute blutende Fisch mehrmals von Haien attackiert. Santiago wehrt sie ab, doch bis er in den Hafen heimkehrt haben die Haie den gesamten Fisch bis auf das Gerippe gefressen. Schwer erschöpft schleppt er sich in seine Hütte und Manolin tröstet ihn. Er hat einen Sieg in der Niederlage erlitten. Soweit ich sehe spielen alle Romane Hemingways ausserhalb Amerikas, bis auf The Old Man and the Sea. Selbst dieser ist in Kuba der Wahlheimat Hemingways seit den frühen 40-ern vor der Haustüre der USA platziert. The Old Man and the Sea wird aufgrund der Kürze und Einfachheit der Handlung als lange Kurzgeschichte einstuft. |
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| Themen | ||
| Der Mensch und die Natur | ||
Der Mensch im Kampf mit der Natur; die
Menschheit in Bruderschaft mit den Tieren; trotzdem ist es (anscheinend)
angebracht ist die Tiere zu töten. Dazu eine im ersten Teil
merkwürdige Überlegung Santiagos:
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| Verhältnis zum Alter | ||
| Die Eltern schickten Manolin zu anderen
Fischern; Santiago gehorcht. Allerdings kümmert er sich an Land trotzdem
um Santiago, kehrt er zu Santiago zurück und tröstet ihn. In den wenigen Tage, in denen der Roman spielt, macht Manolin eine bemerkenswerte Entwicklung durch. Zu Beginn bekennt er, dass sein Vater ihm befahl, mit anderen, erfolgreicheren Fischern zur See zu fahren. "I am a boy and I must obey him" (S. 4). Am Ende hat Manolin trotz des erneuten Misserfolgs eine völlig andere Einstellung. Jetzt ist er davon überzeugt, dass er das Glück mitbringen werde. Santiago fragt ihn: "What will your family say?" antwortet Manolin abwehrend: "I do not care" (S. 97). |
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| Heldentum | ||
Ein echter Held geht seinen Weg auch
gegen widrigste Umständen. Schlimmstenfalls wird er zerstört, aber
nicht besiegt, wie es im berühmten Zitat aus The Old Man and the
Sea heißt:
Zum Heldentum mag man auch Santiagos (Hemingways?) Überhöhung des starken Helden und seine Abscheu vor Mängel und Krankheit zählen.
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| Altersstarrsinn | ||
| Santiago lässt auch nach 84 Tagen
nicht locker. Sein bisheriger Lebensverlauf gibt ihm keine andere Wahl: er muss
sich selbst versorgen: Rente bekommt er nicht. Vielleicht verrennt er sich
(dadurch Freidrich Dürrenmatt: Das Versprechen
ähnlich; siehe |
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| Symbolismus | ||
Ernest Hemingway wird aus 1952 ohne
Quellenangabe so zitiert:
Manchmal wird The Old Man and the Sea als Allegorie auf den Literaturbetrieb gelesen. Der alte Mann ist Hemingway oder jeder andere Autor; der gefangene Riesenfisch ist das Werk, das von den Kritikern = den Haien zerfetzt wird. Als (IMO recht dünner) Beleg wird angeführt: "Each line, as thick around as a big pencil" (S. 21). An dieser Leine hängt später das Werk. |
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| Bibel | ||
| Wie viele Autoren benutzt Hemingway im gesamten Werk, so auch in The Old Man and the Sea biblische Allegorien und stellt biblische Bezüge her. Über die Sünde oder nicht, wird mehrmals verhandelt. Die Episode: Der reiche Fischfang, Lk 5,4-11 scheint auf den Kurzroman anwendbar: mit dem nötigen Vertrauen fängt Santiago entgegen allen Vermutungen doch einen Riesenfisch. | ||
| Für einen Jagdverächter und Vegetarier hat The Old Man and the Sea Längen. Diese und die Heroisierung sollte man querlesen, dann hat der Kurzroman beachtliche Stärken. | ||
| Preise | ||
| 1953 Pulitzerpreis 1954 Nobelpreis mit ausdrücklichem Bezug auf The Old Man and the Sea: "for his mastery of the art of narrative, most recently demonstrated in The Old Man and the Sea, and for the influence that he has exerted on contemporary style"; siehe |
| Anmerkungen | |
| Verfilmungen 1958 Darsteller: Spencer Tracy, Regie: John Sturges; weitere Kurzverfilmungen folgten |
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| Der "marlin" gehört zur Familie
der Fächer- und Speerfische
(Istiophoridae): |
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| White Marlin, Tetrapturus albidus | |
| Wirkung | |
| Hemingway hatte 1936 in der Zeitschrift
Esquire die Kurzgeschichte "On the Blue Water" veröffentlicht. Er
wollte sie zu einem grossen Roman ausarbeiten. Daraus wurde das kürzere
The Old Man and the Sea, das zuerst 1952 in einer Extranummer von
Life erschien. Es wurde begeistert aufgenommen. Orville Prescott: "Here
is the master technician once more at the top of his form, doing superbly what
he can do better than anyone else", New York Times, 28. August 1952. Bei
der Verleihung des Nobelpreises 1954 wurde extra darauf verwiesen ( |
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| Life 1952 mit The Old Man and the Sea | |
| Vergleichsliteratur |
| Albert Camus: "Der Mythos des
Sisyphos" [Le Mythe de Sisyphe, 1944] Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen (1958)- William Faulkner: "Der Bär" (1942) Herman Melville: Moby Dick (1851) - |
| Links |
| Der alte Mann und das Meer |
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The Old Man and the Sea: |
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| Literatur |
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| Ernest Hemingway: The Old Man
and The Sea. Prentice Hall 1999. Taschenbuch, 128 Seiten
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| Ernest Hemingway: The Old Man
and the Sea. Sparknotes 2003. Spark Notes. Taschenbuch, 64 Seiten
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| Ernest Hemingway: Der alte Mann
und das Meer. Frankfurt: Suhrkamp, 2006. Gebunden, 120 Seiten
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| Ernest Hemingway: Der alte Mann
und das Meer. 3 CDs. Sprecher: Rolf Boysen. Litraton 1998. |
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