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Lewis
Sinclair Lewis: Babbitt
[deutsch: Babbit] New York: Signet, 1992. Taschenbuch, 334 Seiten – Sinclair LinksSinclair Literatur
Mit dem 46-jährigen George F. Babbitt schuf der spätere Nobelpreisträger 1922 eine der Modellgestalten der Weltliteratur: den kulturlosen Angepassten einer aufstrebenden Gesellschaft.
Babbitt ist ein wohlhabender Immobilienagent, verheiratet mit Myra, "sexless as an anemic nun" (S. 10), mit den drei Kindern Verona, Ted und Tinka. Gelegentlich spielt er Poker, manchmal geht er mit der Familie ins Kino. Sie wohnen in Zenith einer aufstrebenden Stadt mit etwa 300.000 Einwohnern, von der es heißt: "it's evident to any one with a head for facts that Zenith is the finest example of America life and prosperity to be found anywhere" (S. 152).
Aufregend wird es, als er mit seinem Freund Paul Riesling ein paar Tage ohne Ehefrauen in Maine verbringt. Sie verstehen sich blendend, ersichtlich an dieser Begrüßung (wobei der Autor offen lässt, wer was sagt):
»How's the old horse-thief?«
»All right, I guess. How're you, you poor shrimp?"«
»I'm first-rate, you second-hand hunk o' cheese.« (S. 51)
• Babbitts Welt erfährt den ersten Schlag, als Paul seine Frau Zilla erschießt (sie überlebt) und ins Gefängnis kommt. Dieser Schock läßt ihn kurzzeitig besinnen. War es richtig was er machte? Dem Geld nachhängen? Was war der Sinn in der Aufzucht von Nachwuchs, nur damit dieser Nachwuchs aufzieht, der Nachwuchs aufzieht (S. 225)?
• Doch da lernt er Mrs. Tanis Judique kennen und beginnt zögerlich ein Verhältnis: "I'll be fifty in three years. Sixty in thirteen years. I'm going to have some fun before it's too late" (S. 246)
• Als Streiks drohen driftet Babbitt zur falschen Seite. Zur Rede gestellt bekennt er sich nicht zu seiner Sympathie für die Arbeiter. Seine Bekannten gründen die "Good Citizens' League", der sich Babbitt zunächst verweigert. Er wird beruflich, gesellschaftlich und privat gnadenlos isoliert. Eigentlich wurde er schon umgezwungen, aber stolz wartet er auf ein neues Aufnahmeangebot zur "Good Citizens' League", auf das er lange warten muss. Als seine Frau dringend am Blinddarm operiert wird, erhält er nochmals eine Chance. Er gibt seine Revoluzzerhaltung auf und am nächsten Tag tritt er der "Good Citizens' League" bei (S. 317).
Kulturpflaume Babbitt
Im Schlafzimmer der Babbitts liegt ein Buch; welches ist unbekannt, da es nie geöffnet wurde (S. 15). Sein Auto stellte seine Poesie dar (S. 23). Bertrand Shaw und H.G. Wells sind in Babbitts Kreisen Verräter (S. 205).
Konformist Babbitt
Babbitt liest Zeitungen, weil er aus den Editorials seine Meinung bezieht. Noch kein Editorial hat je etwas zu Shakespeare geschrieben, also hat er dazu auch keine Meinung (S. 66). Da er sich in allem unsicher fühlt, legt er Wert auf Gewohnheiten.
Das meiste in seinem Verhalten (und dem anderer) ist Fassade, natürlich ohne dass er es mitkriegt. So eilt er in sein Büro zurück, ohne dass etwas Wichtiges anliegt; er beobachtet nur, wie die Angestellten einen eilfertigen Eindruck erzeugen (S. 130-131).
Babbitts politische Einstellung
– wenn man von einer solchen reden kann – verabscheut jeden Sozialismus; als Lenin stirbt ist es ihm rätselhaft, warum die USA nicht einmarschiert und die Bolschewiken hinauswirft. Die Prohibition (der Roman spielt ungefähr zur Entstehungszeit) lehnt er für seine Klasse ab, doch für die Arbeiterklasse findet er sie angebracht. Sein Bekannter begründet es: "Keeps 'em from wasting their money and lowering their productiveness" (S. 97). Zilla vergleicht seine Einstellung so: "George Babbitt, you're about as broad-minded and liberal as a razor-blade! (S. 251).
Lewis versteht es meisterhaft nichtssagende Begrüßungen, Belobigungen und Party-Gespräche einzuflechten, in denen reichlich "Oh, isn't this nice!" oder "That's so?" vorkommen. Ein Gesprächsfeuerwerk brennt Lewis ab, als George und Paul im New York Express nach Maine fahren (10. Kap. III.). Der X. Abschnitt im 13. kapitel erinnerte an John Cheevers grandiose Kurzgeschichte: "Reunion".
"Sinclair Lewis's satiric masterpiece, Babbitt, ..." – wirklich satirisch? Ich bezweifle es.
Babbitt beschreibt schon 1922 die US Wohlstandsgesellschaft, die prosperierende Mittelschicht, die aufkommenden Roaring Twenties. Daran knüpft dann F. Scott Fitzgerald mit The Great Gatsby und Jahrzehnte später John Updike mit der Rabbit-Teralogie an. Wen diese Thematik interessiert, der sollte Babbitt unbedingt lesen.
Redewendungen, die mir auffielen / gefielen
"like the dickens" – wie der Teufel; "what the dickens is the trouble?"
"money talks" (S. 142) – Geld ermöglicht alles - Geld macht's – erste Verwendung?
"P.D.Q." – pretty damn quick, eine etwas härtere fassung von ASAP – as soon as possible
"... there's no reason why we should take anybody's dust. We ought to be first" (S. 173).
"Gosh all fishhooks!" mehrfach, z.B. S. 191; Ausruf der Überraschung.
"I'm tickled to death" (S. 217) – Ich bin ganz weg vor Freude
Vergleichsliteratur
Sinclair F. Scott Fitzgerald: The Great Gatsby
Sinclair Heinrich Mann: Der Untertan
Edith Wharton: The House of Mirth (1905) [Das Haus der Freude] –
Den Roman Babbitt widmete Sinclair Lewis der Autorin Edith Wharton
Sinclair Tom Wolfe: The Bonfire of the Vanities (1987) [Fegefeuer der Eitelkeiten]
Links
Sinclair Lewis (1885 – 1951) LewisWikipedia
Text online: LewisBartleby – LewiseBooks@AdelaideLewisFiction.usLewisProjekt Gutenberg
Babbitt: LewisSpark NotesLewisWikipedia
Literatur
Jerôme von Gebsattel: "Babbitt". KLL S. 1314-1315
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Lewis LewisSinclair Lewis: Babbitt. Penguin 1996. & James M. Hutchisson. Taschenbuch, 400 Seiten Lewis
Sinclair Lewis: Babbitt. Bantam Dell 1998. & John Wickersham Lewis
Lewis LewisSinclair Lewis: Babbitt. Random House 2002.  Taschenbuch, 432 Seiten Lewis
Sinclair Lewis: Babbitt. Signet Classics 2007. & Sally E. Parry. Taschenbuch, 416 Seiten Lewis
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