| Reingard
M.
Nischik, Hg.: New York Fiction Stuttgart: Reclam, 2000. Broschiert, 154 Seiten – |
| Texte in der Originalsprache, mit Übersetzungen schwieriger Wörter am Fuß jeder Seite, Nachwort und Literaturhinweisen. |
| Inhalt |
| Theodore Dreiser: „The City Awakes“ (1923) Stephen Crane: „In a Park Row Restaurant“ (1894) Stephen Leacock: „Lost in New York: A Visitor’s Soliloquy“ (1917) Dorothy Parker: „From the Diary of a New York Lady“ (1933) Tom Wolfe: „The Street Fighters“ (1976) Tama Janowitz: „The Slaves in New York“ (1986) Paule Marshall: „To Da-Duh, in Memoriam“ (1967) LeAnne Howe: „An American in New York“ O. Henry: „The Duel“ (1910) |
| Die ersten fünf Stories Theodore Dreiser: „The City Awakes“, Stephen Crane: „In a Park Row Restaurant“, Stephen Leacock: „Lost in New York: A Visitor’s Soliloquy“, Dorothy Parker: „From the Diary of a New York Lady“, Tom Wolfe: „The Street Fighters“ sind gute Zustandsbeschreibungen, sprachlich ausgefeilt, aber doch nicht so aufregend. |
| Tama Janowitz: „The Slaves in New York“, The New Yorker 1986 |
| Die nächste Kurzgeschichte „The Slaves in New York“ ist
– für mich – die beste der Sammlung. Sie erschien 1986 im New Yorker,
ist im gleichnamigen Kurzgeschichtenband der Autorin enthalten und
wurde auch in Peter Freese, Hg.: New
York Stories ( |
| Schon lange vor dem deutschen literarischen Fräuleinwunder wurde Tama Janowitz von Kritikern dem "brat-pack" von jungen US-Autoren zugerechnet. Diese Geschichte würde gut in den Zyklus von Judith Hermann: Sommerhaus, später passen; auch die Sammlung The Slaves Of New York ist wie Sommerhaus, später lose zusammenhängend. |
| Die Kurzgeschichte „The Slaves in New
York“ ist vom gesellschaftlichen Umfeld eng begrenzt (Künstler
im "Village") und oberflächlich gelesen sind die hohen Mietpreise in
New York
der alles bestimmende Faktor. Sie stark auf New York
bezogen und könnte kaum woanders spielen. Die Ich-Erzählerin Eleanor
hat sich, um in New York ihre Chance wahrzunehmen, mit Stashua und
dessen Hund Andrew zusammengetan. Sie ist sein Sklave im Haushalt. Ihr
Traum mit Schmuckverkauf in New York ihren Lebensunterhalt zu
bestreiten
musste sie aufgeben. Sie hegt aber weiterhin ihre unrealistischen
Träume. Alle sind also Sklaven ihrer Vorstellungen. Bezeichnend für die USA, besonders wohl auch für New York, ist: • der American Dream ist so überwältigend, dass man von Beginn überzieht: Eleanor muss erkennen, dass sie sich das ursprüngliche Appartment nicht leisten kann und dass andere auch die Schmuckidee hatten • der Wettbewerbsgedanke durchtränkt alles und gilt für alle; er läßt die Visionen offen: da überlegt eine Freundin aus Boston, ob sie nicht nach New York geht und für einen Arbeitstag in der Wochen nach Boston fliegt • wichtig ist, dass man sich als erfolgreich und glücklich ausgibt, oder zumindest die eigenen Probleme nicht zugibt. Der problematischen Situation Eleanore – Stashua wird das Paar Millie – Mikell zur Seite gestellt. An den männlichen Hauptdarstellern zeigt sich der Schmelztiegel New York: Stashua ist polnisch-italienischen Ursprungs, Mikell kommt aus Südafrika. Zum Kontrast erfahren wir Leser von zwei anderen Lebensentwürfen. • Abby, eine Freundin aus Boston, will sich von ihrem Ehemann Roger trennen und nach New York kommen. Dafür würde sie einiges in Kauf nehmen. Eleanor rät ihr auf witzige, aber eindringliche Weise davon ab. • Roland, der Bruder der Ich-Erzählerin, zog es vor sich als Arzt in Texas niederzulassen. Mit Roland und einem Kinderwitz beginnt und endet die Story. Die Funktion des Witzes für die Story scheint mir nicht so eindeutig, doch meine ich geht es darum, dass man leicht hereingelegt werden kann, wenn man nicht auspasst. Vielleicht auch, dass man Druck und Gewalt nicht immer an andere weitergeben kann. Oder: wer nach New York geht, muss damit rechnen, dass keiner auf sie/ihn Rücksicht nimmt. Intensiv gelesen ist „The Slaves in New York“ eine vielschichtige Erzählung. Ich habe sie schon mehrmals gelesen und sie birgt immer Neues. |
| Verfilmt 1988: Großstadtsklaven (Slaves of New York) – Regie: James Ivory |
| Links |
| Literatur |
| DePietro, Thomas (1986): "Tobias Wolff, Tama Janowitz
and others". Hudson
Review 39:3, S. 487-494.
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| Paule Marshall: „To Da-Duh, in Memoriam“ (1967) |
| Eigentümlich: diese Story spielt vornehmlich in St. Thomas, Barbados, und doch ist es eine New York Geschichte. Die Metropole steht im Mittelpunkt. Ganz am Ende der Geschichte ist die Ich-Erzählerin doch noch im Big Apple. |
| Einige markane und berühmte New York Stories
thematisieren das Verlorensein in New York, entweder durch
Neuankömmlinge (z.B. John Cheever: „O City of Broken Dreams“; Shirley
Jackson: „Pillar of Salt“) oder auch schon lange dort
Wohnende. Paule Marshall dreht den Spieß um: Mutter mit zwei Töchter
kommt aus New York in ihre Heimat Barbados zu Besuch. Die Kinder sehen
ihre
Grossmutter Da-Duh zum ersten Mal. Die in New York aufgewachsene
neunjährige Ich-Erzählerin erinnert sich Jahre später an diese
Begegnung mit der mehr als achtzig Jahre alten Grossmutter. Im Verlauf des Besuchs kommt es zum Wettstreit New York – Barbados. Da-Duh kann sich nicht vorstellen, dass New York mit ihrer Heimat mithalten kann. Bei allem, das sie stolz ihrer Enkelin zeigt, will sie von ihr bedauernd hören: "We don't have anything like this in New York". Doch das Mädchen sehnt sich zurück nach Brooklyn. Sie erzählt der Grossmutter vom Empire State Building, dem Schnee, den Modetänzen, und sie singt die Broadway-Songs der dreißiger Jahre. Bevor die Enkelin, wieder zurück in New York, der zweifelnden Grossmutter eine Ansichtskarte mit dem Empire State Building schicken kann, stirbt diese 1937. Am Todestag schickt England Kampfflugzeuge über Barbados um Stärke in den Aufständen auf Barbados zu zeigen. Der Gegensatz ihrer Heimatinsel zur modernen Grossstadt verfolgt die Ich-Erzählerin weiterhin. Sie bewohnt eine Dachwohnung mit Bildern tropischer Landschaften und hört den Krach der Maschinen einer Fabrik vom Erdgeschoss des Hauses. |
| Links |
| Paule Marshall: |
| Literatur |
| Brown, Lloyd W., “The Rhythms of Power in Paule Marshall’s Fiction,” in Novel: A Forum on Fiction, Vol. 7, No. 2, Winter 1974, pp. 159 – 67. |
| Marshall, Paule (2001): "From the Poets in the Kitchen". Callaloo 24:2. S. 627-633 |
| Japtok, Martin, “Sugarcane as History in Paule
Marshall’s ‘To Da-Duh,
in Memoriam,’” in African American Review, Vol. 34, Issue 3, Fall 2000,
p. 475.
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| New York Fiction enthält neun durchwegs lesenswerte Short Stories, die letzten vier davon sind hervorragend. Mit der lesefreundlichen Aufbereitung der roten Reihe "Fremdsprachentexte" und dem günstigen Preis ist dieses Short Story Bändchen ist es für jeden New York– und/oder Kurzgeschichtenfreund eine heiße Empfehlung. |
| Links |
| Frau
Prof. Dr. Reingard
M. Nischik: |
| Literatur |
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| Tama
Janowitz: The Slaves Of
New York. Bloomsbury 2002. Taschenbuch, 288 Seiten |
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| Tama
Janowitz: Großstadtsklaven. München: Goldmann,
1998. Broschiert, 286 Seiten
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